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Berufswahl-Coaching Wegweiser für den Nachwuchs Von Steffen Zimmermann
Lange Zeit war es eine Frage der Tagesform: Je nach Gemütsverfassung wollte Benjamin Jungkind Betriebswirtschaft, Jura, Religion oder Philosophie studieren. "Einen wirklichen Plan für meine Zukunft", so der Abiturient aus dem hessischen Altenstadt, "hatte ich bis in die Oberstufe hinein nicht." Zu unübersichtlich war das Angebot an Hochschulen und Studiengängen, zu vage das Wissen um die eigenen Interessen und Fähigkeiten. Um seine Zukunftspläne zu konkretisieren, wandte sich Jungkind in der 12. Klasse an Annette Gröger. Die Diplom-Psychologin und selbständige Laufbahnberaterin hatte an seiner Schule einen Coaching-Workshop angeboten, um Oberstufenschülern die berufliche Orientierung nach dem Abitur zu erleichtern. "Für mich war das Angebot die Rettung", sagt Jungkind. In dem Workshop habe er seine Stärken und Schwächen erkannt und entdeckt, wozu er Lust habe. Gestiegener Beratungsbedarf So wie Annette Gröger helfen immer mehr private Karriere-Coaches Schülern bei der Suche nach dem passenden Beruf. Seit der Gesetzgeber 1998 das Monopol der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Bereich Berufsberatung abgeschafft hat, haben sich zahlreiche Anbieter selbständig gemacht. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, da der Beratungssektor nach Angaben des Deutschen Verbandes für Bildungs- und Berufsberatung stark fragmentiert ist. Verbandssprecherin Annina Büchner vermutet aber, dass der Anteil privater Berater in den vergangenen zwei Jahren spürbar zugenommen hat. Dies liege vor allem daran, dass der Beratungsbedarf gewachsen sei. Auch habe sich die BA seit dem Ende ihres Monopols teilweise aus dem Bereich Schüler-Beratung zurückgezogen. Das bestätigt Birgit Lang, die sich 2004 als Beraterin in München selbständig gemacht hat: "Die BA kann die Nachfrage nicht mehr allein stemmen." Die Behörde könne sich nicht um jeden Einzelnen kümmern. Dass dies aber notwendig ist, zeigen Schätzungen der Coaching-Branche: Danach wissen rund 80 Prozent der Schulabgänger nicht oder nicht genau, welchen Weg sie einschlagen sollen. "Die meisten Jugendlichen sind völlig orientierungslos", sagt Psychologin Gröger. Die Folge seien oft mangelndes Selbstbewusstsein und unrealistische Erwartungen. Persönlichkeitsanalysen Um die verborgenen Potentiale der Schüler freizulegen, setzen Berufswahl-Coaches wie Birgit Lang und Annette Gröger auf Persönlichkeitsanalysen. Dies sei der größte Unterschied zwischen klassischer Berufsberatung und Coaching, erklärt Gröger: "Während die Schüler bei der Berufsberatung vor allem etwas über Berufe erfahren, lernen sie im Coaching sich selbst und ihre Fähigkeiten kennen." Als Instrumente dienten neben Partnerinterviews, biographischen Analysen sowie Fremd- und Selbsteinschätzungen vor allem Intelligenz- und Persönlichkeitstests aus der psychologischen Forschung. "Dadurch kann ich jedem Schüler ein umfassendes Gutachten über seine Kernkompetenzen und Schlüsselqualifikationen erstellen." Selbst "schwere Fälle" könnten sich danach an einem geeigneten Berufsfeld orientieren. Hilfe bei Karriereentwicklung Von der Nachhaltigkeit ihrer Analyse ist Gröger überzeugt. Auch Birgit Lang, die ein ähnliches Verfahren anwendet, ist sicher, dass ein gründliches Coaching auch bei der späteren Karriereentwicklung hilft. "Wer eine Führungsposition anstrebt, ist zwingend darauf angewiesen, die eigenen Kompetenzen genau zu kennen", sagt Lang. Solche Pläne liegen für Benjamin Jungkind zwar noch in weiter Ferne, trotzdem ist er überzeugt vom Erfolg seines Coachings. In dem zweitägigen Workshop habe sich bei ihm schnell eine klare Tendenz hin zu Jura gezeigt. "Das hatte ich ja selbst auch schon überlegt", freut sich der Abiturient. Zum Sommersemester, nach seinem Zivildienst, geht es für ihn los. Text: F.A.Z., 11.08.2007, Nr. 185 / Seite C4Bildmaterial: fotolia |
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