
Gerade Hammer und Champy sind mir negativ aufgefallen. Einige Jahre später (1994-96) schrieb Hammer oder Champy sinngemäß, "dass man ehrlicherweise zugeben muss, dass 70% aller BPR-Initiativen keine nennenswerten Ergebnisse bringen. Was ich daraus gelernt habe, ist, dass man die Mitarbeiter auch einbeziehen muss." Halloho!
Dass man die Mitarbeiter einbeziehen muss, sind doch eigentlich Basics. Das bekommt man auf jedem Seminar erzählt. Und da schaffen es diese Blender, sich zu den BPR-Gurus weltweit aufzuschwingen, obwohl ihnen die Basics fehlen?
Einmal hatte ich auch das Vergnügen, einer Veranstaltung mit Hr. Bürckle beizuwohnen. Die mich kannten, fragten mich, warum ich mit ihm nicht diskutiert hätte, ich wäre ja sonst nicht auf den Mund gefallen.
Meine Antwort: "Die Hauptstrategie der hohen Führungskräfte zur Durchsetzung ist, so peinliches Zeug zu erzählen, dass sich niemand traut, sie darauf hin zu weisen. Gerade die Menge an dümmlichen Aussagen schlägt mich tot. Das weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll. Außerdem hätte ich zu fast jedem Satz etwas sagen müssen. Da kann ich basierend auf dieser einen Veranstaltung eine eigene Veranstaltungsreihe aufbauen. Leider bekäme ich dafür kein Geld."

Top-Manager leiden alle an denselben Krankheiten: Realitätsferne.
Die Top-Manager als Kunden der Management-Gurus und Management-Berater ziehen Leute nach, die in der Persönlichkeit ähnlich strukturiert sind. Deshalb suchen die großen internationalen Unternehmensberatungen ihr Personal bevorzugt unter solchen, die die gleiche Persönlichkeitsstruktur haben und am liebsten frisch von der Uni: Die sind nämlich mit der Realität noch nicht in Berührung gekommen.
Die Desensibilität gegenüber Widersprüchen deutet auf fehlendes logisches Denkvermögen und mangelnden Kontakt mit der Realität hin. Wer logisch denken kann, dem fallen die Widersprüche auf, den anderen nicht.
Außerdem sind die Auflösung von konzeptionellen Konflikten für die hohen Herren nur Details. Mehr oder weniger Vertrauen oder Flexibilität? Wo liegt die optimale Mischung? Welche Faktoren spielen außerdem eine Rolle?
Man begnügt sich mit unrealistischen Forderungen an die Untergebenen verbunden mit mehr oder weniger versteckten Drohungen, das halten die hohen Herren für Führungsstärke.
Dazu gehören auch die Umsetzung und das Change Management, wie man ein Unternehmen zum Optimum führt. Eigentlich sind diese Fähigkeiten der Engpass. Aber das sind nur Details.

... der andere für dumm verkaufen kann. Unter diesem Aspekt sind diese "Management-Vordenker" schon klug.
Beruhigend, dass die selbsternannte "Managerelite" genauso auf Scharlatene hereinfällt wie andere Berufsgruppen auch.

Welche Weisheiten erhoffen sich unsere ach so klugen und fähigen Manager zu erkaufen?
Warum sie kein schlechtes Gewissen haben müssen wenn sie bei Lohnkürzungen ihrer Untertanen gleichzeitig ihr Salär in die Höhe schrauben?
Warum es keinen Grund gibt sich für fette Abfindungen trotz versagens zu schämen?
Lernen sie über die vernichteten Existenzen hinwegzusehen, die zu oft Konsequenz ihrer selbstherrlichen Entscheidungen sind?
Oder ist das alles nur schön verpackte heiße Luft?