Plötzlich ist die Finanzkrise eine persönliche Krise

Spezial Sie haben eine Existenz aufgebaut und sich in Sicherheit gewiegt. Plötzlich wurde aus der Finanzkrise eine wirkliche Krise - und ihr Job geriet in Gefahr. Vier Arbeitnehmer, vier Geschichten, vier Schicksale. Von Lisa Nienhaus und Anne-Christin Sievers

Lesermeinungen zum Beitrag

18. November 2008 12:38
An die Vorposter  
Rene Meyer (matrix1329)

Man sollte nicht das untere Viertel gleich zum Mittelmaß erheben, die hier aufgeführten Herren und Damen liegen sicher nicht im Einkommensbereich, in dem sie aufstockend AlgII beantragen müssen. Ich bin aber der Meinung: Sparen geht immer, wenn man einen vernünftigen Job hat. Dazu ein bißchen Statistik und ein bißchen eigene Erfahrung: Der Median des Nettoeinkommens liegt in Dtl. jährlich bei ca. 22600€ (http://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Kopf-Einkommen#Deutschland), also 50% der Leute verdienen weniger, 50% mehr. Ich verdiene netto mit 18000€ deutlich weniger, und davon lebe ich, meine Frau, und unser kleiner Sohn, anderthalb Jahre alt. Wir können was sparen, ich hab eine Privataltersvorsorge, eine nette Wohnung, und das alles in MÜNCHEN, wo das Leben wirklich teuer ist. Nun will ich ja mal nichts zu den Leuten sagen, die wirklich so wenig verdienen, daß sie eben staatliche Hilfen brauchen, aber ich denke mal, mein eigenes Beispiel zeigt, daß es immer möglich ist, was zur Seite zu legen, wenn man nicht gerade ganz arm ist.

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18. November 2008 09:09
Geld zurücklegen?  
Stefan Rubens (RubensStefan)

Der Gedanke mag ja recht nett sein, ab bei > 40 Prozent Abgabenlast direkt vom Brutto ist dies schwer möglich. Und eine Besserung der Situation ist auch nicht zu erwarten. Dafür sorgen schon die vielen alleinerziehenden Hartz IV - Mütter mit ihrer Kinderschar. Deutschlands kindervernarrte Richter sorgen schon dafür, daß dort die Geldquelle nie versiegt. Verständlich, denn sie müssen das Geld auch nicht erwirtschaften.

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17. November 2008 16:03
@ Rene Meyer (Re: Marktwirtschaft)  
Thomas Spaniel (Echnaton1970)

(ZA) "Die Pflichten des Arbeitnehmers sind es auf der anderen Seite, sich in guten Zeiten etwas für schlechte Zeiten zurückzulegen, und in Krisenzeiten Nischen zu suchen, wo er gebraucht wird."(ZE) Das klingt natuerlich auf dem Papier erst mal ganz ganz toll, aber setzt eben voraus: 1. Das der AN in guten Zeiten, wie Sie es nennen, auch etwas zur Seite legen kann. Es duerfte auch Ihnen nicht entgangen sein, dass das Leben in D allgemein etwas teurer geworden ist und ich denke, so viel haben die AN am Monatsende nicht uebrig, um fuer die schlechten Zeiten, wie sie es nennen, etwas zurueckzulegen. 2. Das es die von Ihnen angesprochen Nischen auch in ausreichender Zahl gibt - die Betonung liegt hier auf ausreichend. Denn es gibt sie eben nicht, zumindest nicht in ausreichender Anzahl. Das ist das Gleiche, als wenn man auf der einen Seite den Druck auf ALG I- und Hartz IV-Empfaenger erhoeht, ohne auf der anderen Seite auch wirklich neue Stellen zu schaffen.

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17. November 2008 15:26
@Rene Meyer (matrix1329)  
Harry Hain (zx10)

Ist ja ganz nett. Aber wovon soll ein Steuerpflichtiger mittleren Einkommens Rücklagen bilden? Vor allem wenn er noch eine Familie hat? Also das mit der Rücklagenstrategie habe ich zwar begriffen, aber mich vor 2o Jahren falsch orientiert. Statt Freiberuflichkeit wäre der Staatsdienst (mäßige Verantwortung bei relativ ruhiger Arbeitsauslastung) besser gewesen. Keine eigenen Rücklagen reichen aus für relativ satte Pensionen. Die Kosten dafür tragen alle anderen Deppen, die nicht im Staatsdienst sind und jedes eingelöste und dann teuer zurückgenommene Wahlversprechen am Ende noch teurer bezahlen müssen. Das war in der DDR "besser". ;-) Da konnte man den Job nicht/kaum verlieren. Man hatte zwar selten "echte" Arbeit und mußte wegen Bananen und Zahnbürsten stundenlang anstehen und träumte vom Urlaub im Ausland. Aber echte Existenzsorgen mit schlaflosen Nächten hatten nur die, die in die "Freiheit" wolten und/oder von der Stasi beobachtet wurden.

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17. November 2008 14:58
Differenzieren  
Marvin Parsons (mapar)

Architekt und Rechtsanwalt, die ihre Stelle verloren haben, sind zu bedauern und brauchen jetzt viel Kraft. Doch treffen hier zwei Umstände zusammen: Sie sind Berufsanfänger, und sie haben vor allem Berufe, die in Deutschland absolut überbesetzt sind. Juristen gibt es viel zuviele, und wer woanders nicht unterkommt, wird Anwalt. Architekten werden fast nur in Deutschland in diesen Massen ausgebildet, wie sie nie gebraucht werden. Für die paar Bauten, für die wirklich Architekten benötigt werden, würden einige hundert Fachleute genügen. Bei der großen Masse der Bauprojekte, die im Wohnungsbau, handelt es sich um Variationen längst entwickelter Modelle und der "Architekt", so der Bahuerr sich einen leistet, macht eher die Bauprojektleitung, wofür Bauingenieure aber wesentlich besser geeignet sind als die Architekturkünstler. Der Ingenieur im Artikel hat nicht wirklich Sorge um seine Stelle, und die Bankerin wußte wahrscheinlich vorher, wie zyklisch das Bankgeschäft ist und wie ersetzbar die Personen.

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17. November 2008 14:04
Nix da "gewogen" - gewiegt!  
Alexander Nowak (Ploy)

Die Vergangenheitsform von "sich in Sicherheit wiegen" lautet: "sich in Sicherheit gewiegt"! Dieses Wiegen hat nämlich nichts mit der Waage, sondern der Wiege zu tun.

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17. November 2008 12:21
Marktwirtschaft  
Rene Meyer (matrix1329)

beinhaltet nunmal dass Leute eingestellt werden, wenn sie gebraucht werden, und wieder entlassen, wenn nicht. Deshalb ist ein derartiger "Schicksalsschlag-Artikel" völlig sinnlos, wenn man nicht wieder zur Planwirtschaft zurück will. Die Pflichten des Arbeitnehmers sind es auf der anderen Seite, sich in guten Zeiten etwas für schlechte Zeiten zurückzulegen, und in Krisenzeiten Nischen zu suchen, wo er gebraucht wird.

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