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Interview

"Neid kann ein Ansporn sein"



Neid-Experte Thomas Zimmermann
01. Juli 2008 
Sollten Paare sich beruflich besser aus dem Weg gehen?

Eine Partnerschaft bietet immer wieder Anlass, neidisch zu werden. Das ist unabhängig von der Konstellation: Auch wer nicht beruflich zusammenarbeitet, kann massiv neidisch werden, wenn einer den anderen argwöhnisch beäugt, ob der andere eventuell schneller Karriere macht, mehr Geld verdient oder gar nur beruflich zufriedener ist. Wenn die Arbeitsbereiche verschieden sind oder wenn das Paar ein gutes Einvernehmen darüber hat, muss das auch im Beruf nicht weiter dramatisch sein. Ein Paar, das sich darüber im Klaren ist, dass es zu neidischen Gefühlen, zu Konkurrenz kommen kann, hat es sicher leichter.

Sind Frauen neidischer als Männer - beziehungsweise umgekehrt?

Ganz klar: nein. Das eine Geschlecht ist nicht per se neidischer als das andere. Worauf sich der Neid richtet, hängt von den individuellen Lebensentwürfen ab. Und die unterscheiden sich ja bekanntlich. Allerdings verarbeiten Männer und Frauen Gefühle anders. Insofern gehen die Geschlechter auch verschieden mit dem Gefühl Neid um. Frauen gestehen sich das Gefühl vielleicht früher ein, aber das ist allenfalls ein subjektiver Eindruck von mir.

Sie nennen den Neid das "letzte kommunikative Tabu in Partnerschaften".

Neid gilt als sozial unerwünscht, ist aber gleichwohl so normal wie Liebe und Trauer. Weil er so unerwünscht ist, schämen wir uns häufig dafür. Dabei kann Neid ein Ansporn sein, Neues zu wagen, sich auszuprobieren. Im Grunde zeigt der Neid zunächst nur, dass es ein unerfülltes Bedürfnis gibt. Stellt sich also die Frage: Kann ich das Bedürfnis erfüllen - oder ist es sowieso unrealistisch, weil für mich unerreichbar? Daraufhin kann ich einen Handlungsplan entwerfen oder feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, dieses oder jenes zu erreichen, was ein anderer bereits erreicht hat, und meine Missgunst weicht irgendwann vielleicht der Anerkennung. Neid sollte als selbstverständlich akzeptiert und die Gefühle, die daran gekoppelt sind, möglichst früh ausgesprochen werden. Auch wer bei seinem Partner Neidgefühle spürt, sollte damit offen umgehen. Verdrängte Gefühle schwimmen im Unterstrom des Beziehungslebens mit - und können die Atmosphäre leicht vergiften.

Die Fragen stellte Dorte Huneke



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Privat
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Neid und Missgunst 01.07.2008, 13:56
 
   
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