Frauen haben es schwer in deutschen Unternehmen. Auf den Vorstandssesseln sind sie immer noch eine Ausnahme. Das hat vor allem einen Grund, sagt Stefanie Heizmann, die für Personalberatung von Rundstedt HR Partners als Coach Führungskräfte berät: Die Frauen begreifen häufig die männlichen Spielregeln nicht - und Führungsetagen sind überwiegend männlich geprägt.
Wenn ich einem jungen Mädchen einen Rat geben müsste, würde ich sagen: Kriege das Kind entweder im Studium - das lässt sich schon irgendwie regeln - oder kriege es, wenn Du im Unternehmen schon eine gewisse Etablierung hast. Alles dazwischen ist Gift für die Karriere.
In vielen Firmen ist es leider immer noch Realität, dass Kinder und berufliches Fortkommen nicht zusammen passen. Wenn der Nachwuchs zum falschen Zeitpunkt kommt, fehlt die Zeit für den Job und für Betreuung ist auch nicht genug Geld da. Wenn man erstmal oben ist, kann man seine Arbeit nicht nur deutlich flexibler gestalten, man ist auch finanziell besser ausgestattet.
Als Frau in einer Führungsrolle muss man einen hohen Preis zahlen und der beinhaltet nicht nur Familie, Heim und Kinder. Wer aufsteigt, muss auch ein Stück Identität, wenn man so will, etwas Weiblichkeit aufgeben. Viele im mittleren Management haben genau davor Angst.
Sie sind sicher häufig weniger risikofreudig als die Männer, die beruflich aufsteigen. Das Problem liegt aber auch im System. Je höher Sie auf der Karriereleiter gehen, desto männlicher ist das Umfeld geprägt. Damit kommen viele Frauen nicht klar.
Im Grunde setzt sich in den Unternehmen das fort, was kleine Jungs schon im Kindergarten miteinander veranstalten. Ich habe meinen Sohn zum Beispiel einmal gefragt, warum er seinen besten Freund nie in seine Fußballmannschaft wählt. Seine Antwort war: Weil er schlecht spielt! Das hat die Freundschaft der beiden aber überhaupt nicht gefährdet. Sie konnten im Wettbewerb stehen, sich die Wahrheit sagen und trotzdem nachher gemeinsam Eis essen gehen. Das ist bei Mädchen ganz anders - da wäre die Freundschaft sofort beendet gewesen.
Aber die Mechanismen sind dieselben. Der Fußball ist der Konferenztisch, das Eis das Feierabendbier geworden. Im Job muss man eine vernünftige Balance zwischen verbindlichem, ja fast freundschaftlichem Auftreten und professionellem Umgang finden. Männern gelingt das auf ihre Weise sehr spielerisch. Sie haben ein System entwickelt, das jeder von ihnen versteht. Frauen sind da meist außen vor.
Weil sie die Spielregeln nicht verstehen. Sie wissen oft gar nicht, was sie eigentlich falsch machen. Da sind sie gegenüber den männlichen Kollegen im Nachteil, denn die sind es ja schon seit dem Kindergarten gewöhnt, sich mit ihren Geschlechtsgenossen zu arrangieren. Der erste Schritt für eine Frau ist es also, zu erkennen, wie die Umgebung um sie herum funktioniert.
Das wäre die einfachste Lösung, aber sie bringt Schwierigkeiten mit sich. Denn einer Frau, die aufsteigt, werden häufig ihre weiblichen Eigenschaften abgesprochen. Sie ist nicht erfolgreich, weil sie gut ist, sondern weil sie ihren Mann steht oder Haare auf den Zähnen hat.
Und dazu noch sehr belastend. Die Frau verliert ihre Identität und wird dadurch aber trotzdem von dem Kollegen nicht vollständig akzeptiert. Sie bleibt immer etwas Exotisches. Wenn man es pathetisch ausdrücken wollte: Je höher eine Frau kommt, desto heimatloser und einsamer wird sie.
Ich coache eine Dame, die im Vorstand eines großen Dienstleistungsunternehmen sitzt. Sie hat sich zum Beispiel sehr darauf konzentriert, anderen Frauen bei deren Fortkommen zu helfen. Dadurch verändert sie ja in gewisser Weise die Spielregeln für beruflichen Erfolg in ihrem eigenen Unternehmen. Das ist ein vernünftiger Weg. Wenn man die Umgebung versteht, kann man sie auch verändern.
Das stimmt, aber niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Ganz im Gegenteil. Frauen sollten dennoch nicht aufgeben, denn in vielen Firmen hat sich bereits eine Menge getan und das wird zweifelsohne weiter gehen. Und falls es doch irgendwo hakt, komme ich gerne mal vorbei.
Das Gespräch führte David Meiländer
Text: F.A.Z.
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