FAZ.NET
Investor
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

FAZjob.NET Ingenieur-Channel

08. Oktober 2008

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Arbeitswelt >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Unternehmen des Monats


Jobs der Woche

Diplomatenausbildung

Die Welt als Arbeitsplatz

Von Philip Faigle



Feierabend per Gesetz abgeschafft: Immer im Dienst im Auswärtigen Dienst
08. November 2006 
In etwa einem Jahr wird Stefan Biedermann eine Weltkarte an die Wand hängen. Gemeinsam mit seiner Frau und den zwei Kindern wird er dann die Kontinente mit dem Finger abfahren: Wie wäre es, in Australien zu leben? Oder in Südamerika? In den Vereinigten Staaten war er auch nicht - zumindest nicht für länger. Oder vielleicht nach Japan? Die Welt wirkt klein, wenn vieles möglich ist und zwischen Berlin und Washington nur eine Handspanne paßt. Er muß abwägen: Wo können die Kinder eine gute Schule besuchen? Was wird die Familie in dem Land erwarten? Dann wird er entscheiden und hoffen, daß sich sein Wunsch erfüllt. Wo er in drei Jahren leben wird, weiß er nicht.

Biedermann sieht das gelassen. An diesem Vormittag sitzt er ziemlich entspannt auf einer Ledercouch in der "kleinen Villa", dem Rektorsgebäude mit Botschaftsflair auf dem Ausbildungsgelände des Auswärtigen Amtes in Berlin-Tegel. Seit Juni ist der 45jährige aus Kamerun nach Berlin zurückgekehrt, um nach drei Jahren als stellvertretender Leiter der Botschaft wieder einen Posten im Inland anzutreten. "Um mal wieder näher am Puls der deutschen Politik sein", wie er sagt. Seither ist er Leiter der Diplomatenschule in Berlin und damit zuständig für all jene, die einmal wie er Deutschland in der Welt vertreten wollen. Allerdings nur für drei Jahre. Dann wird er seinen Sessel wieder räumen - und wieder an eine deutsche Botschaft im Ausland wechseln. So wollen es die Gesetze des höheren Auswärtigen Dienstes.

Mehr als tausend Bewerber jedes Jahr

So viel Begeisterung ist nicht Pflicht: Konsulatsangestellte in São Paulo, einen Tag vor der WM

Mehr als tausend Bewerber melden sich jedes Jahr zu den Prüfungen für die Laufbahn des höheren Auswärtigen Dienstes, an deren Ende eine Stelle als Botschafter oder Generalkonsul winkt. Rund 120 von ihnen bestehen den schriftlichen Test und dürfen zu den zweitägigen Vorstellungsgesprächen antreten, in denen die besten 35 eines Jahres ausgewählt werden. Die Besten kommen dann für ein Jahr auf die Diplomatenschule nach Tegel, während dieser Zeit führen sie den Titel Attaché (männlich) und Attachée (weiblich). Dabei durchlaufen sie eine harte Schule: Unterricht bis in die Abendstunden, Klausuren, mündliche Prüfungen, wöchentliche Sprachkurse in Französisch und Englisch. Dazu kommen Volkswirtschaftskurse, in denen die künftigen Diplomaten unter anderem lernen, warum das Außenhandelsdefizit der Vereinigten Staaten den Dollarkurs drückt.

Viele Schüler wohnen daher gleich auf dem Schulgelände, das idyllisch in einem Waldstück vor den Toren Berlins liegt, mit Blick auf den Tegeler See. Damit sie vor lauter Idylle die Welt nicht aus den Augen verlieren, heißen die Gebäude wie die Kontinente: Das Seminargebäude mit den großen Glasfenstern trägt den Namen "Europa", am Haupteingang steht das kleine Haus "Antarktis", das Wohnheim der Studenten heißt: "Afrika". Maria Adebar wohnt seit Mai in Afrika. Die junge Attachée trägt an diesem Morgen einen grauen Hosenanzug, und wenn sie redet, wirkt sie freundlich, kontrolliert, fast schon diplomatisch. Adebar ist 31, hat nach dem Abitur ein Au-pair-Jahr in Paris gemacht, anschließend Jura mit Schwerpunkt Völkerrecht studiert, ein Praktikum in Brüssel und ein Erasmus-Jahr in Italien eingeschoben, bei den Vereinten Nationen in New York hospitiert und ein Praktikum in der Zentrale des Auswärtigen Amts absolviert. Wenn sie mit der Diplomatenschule fertig ist, will sie vorerst in Berlin bleiben. Danach aber will sie ins Ausland gehen, vielleicht nach Brüssel, weil ihr "multilaterales Verhandeln" liegt. "Ich freue mich auf das Abenteuer, das kommt", sagt sie. Angst vor der ungewissen Zukunft hat sie keine: "Man darf halt nicht zuviel planen." Der höhere Auswärtige Dienst sei eben ein Beruf, bei dem man sich auf vieles einstellen müsse.

Immer im Dienst

Was auf die künftigen Diplomaten zukommt, läßt sich in dem von Insidern verfaßten Buch "Auswärtiges Amt. Diplomatie als Beruf" nachlesen. Schwierige Verhandlungen bei den Vereinten Nationen, Krisenmanagement bei der Flutkatastrophe in Südostasien, langwierige Paß- und Visumkontrollen in Peking. Als Diplomat ist man immer im Dienst. "Der Beamte des Auswärtigen Dienstes ist verpflichtet, im Ausland auch außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeiten die sich aus dem Auftrag des Auswärtigen Dienstes ergebenden Aufgaben wahrzunehmen", heißt es in Paragraph 14 des Gesetzes über den Auswärtigen Dienst. Auch sollte man kein Gewohnheitsmensch sein: Schließlich dreht sich das Personalkarussell des Auswärtigen Amtes alle drei Jahre. Zwar ermöglicht das Amt den jungen Diplomaten zu derzeit rund 80 Prozent, ihre Wunschposten zu übernehmen. Dennoch kann niemand sicher sein, daß er nicht in ein paar Monaten nach Burkina Faso oder Korea geschickt wird. "Wer sich darauf nicht einstellt, wird bei uns nicht glücklich", sagt Biedermann. Deshalb reicht es auch nicht, wenn die Bewerber nur gute Noten mitbringen.

Viel wichtiger, so Biedermann, seien die berühmten weichen Faktoren: eine robuste Verfassung, ein sicheres Auftreten, die Fähigkeit, analytisch zu denken. Das Aufnahmeverfahren des Auswärtigen Amtes gilt auch deswegen als das härteste der Republik, weil es sich mit Fachwissen allein nicht meistern läßt. "Wir suchen Generalisten", sagt Biedermann. Im Wissenstest wird daher auch schon mal gefragt, warum Gezeiten entstehen, was ein Stammintegral ist oder warum hohe Staatsdefizite schädlich sind. Maria Adebar las jeden Tag ihre Tageszeitung besonders gründlich und schaffte sich ein kleines Heft an, in dem sie alles notierte, was ihr entfallen war: Wie lautete noch mal die genaue Amtsbezeichnung von Pascal Lamy? Wie viele Mitgliedsstaaten haben die Vereinten Nationen? Wer aufmerksam seine Zeit verfolge, habe beim Test gute Chancen, sagt Adebar. Das gilt auch für Leute, die im Ausland waren und exotische Sprachen beherrschen. Mittlerweile, sagt Biedermann, sei Auslandserfahrung unter den Bewerbern Standard. Unwichtig ist das Studium derweil nicht: Noch immer sind etwa die Hälfte der Attachés Juristen, danach folgen Politologen und Wirtschaftswissenschaftler.

Im Mai wird der aktuelle Jahrgang vereidigt. Dann wird sich jeder der Jung-Diplomaten eine Weltkarte aufhängen - und überlegen, wohin er will.

Text: F.A.Z., 04.11.2006, Nr. 257 / Seite C5
Bildmaterial: dpa, F.A.Z. - Christian Thiel
 
 
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Leyh wird neuer CEO von Swiss Life  
 
   
     
  FAZ JOB-Blog  
 
Per Anhalter durch die Arbeitswelt
 
 
 
 
 
Karriere im Takt
 
 
 
 
 
Coach Me If You Can
 
     
 




Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour