Deutschland droht einer Studie zufolge in wenigen Jahren ein akuter Akademikermangel. Technische Berufe werden davon besonders betroffen sein, heißt es in einer am Dienstag vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) veröffentlichten Studie. Während der Bedarf an Hochqualifizierten steige, sinke mit den geburtenschwachen Jahrgänge die Zahl potenzieller Fachkräfte. Ohne Bildungsoffensive könne dies schon in weniger als zehn Jahren zu einem erheblichen Akademikermangel führen.
Bislang leidet die Wirtschaft der Studie zufolge aber noch nicht darunter. Bei Ingenieuren sei der Arbeitsmarkt trotz einiger Engpässe nicht leergefegt. Derzeit suchen rund 24.000 Ingenieure eine Beschäftigung, heißt es. Wer bereits länger arbeitslos sei, habe es trotz guter Konjunktur schwer, einen neuen Job zu finden. Schlechte Aussichten haben vor allem Ältere und Frauen. Noch immer habe jede zwölfte Ingenieurin keine Stelle. Um hier gegenzusteuern, fordert das IAB eine andere Unternehmenskultur mit mehr Kinderbetreuung und Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit.
In den einzelnen Ingenieurberufen ist die Arbeitsmarktlage nach Angaben der Forscher sehr unterschiedlich. Bei Architekten und im Bergbau sei die Arbeitslosigkeit noch immer hoch. Engpässe gebe es dagegen bei Maschinenbau-, Elektro- und Wirtschaftsingenieuren. Hier liege die Arbeitslosenquote unter vier Prozent.
Nur ein Teil der Betriebe berichtet nach IAB-Angaben über eine mangelnde Qualifikation der Bewerber. Auch sei die Zahl geeigneter Bewerbungen nur leicht zurückgegangen. Auch die Zeit, die Unternehmen bräuchten, um eine frei gewordene oder neu geschaffene Stelle zu besetzen, habe sich kaum verändert. 2006 vergingen im Schnitt 122 Tage vom Beginn der Personalsuche bis zum Arbeitsbeginn des neuen Kollegen, 2000 waren es 120 Tage, berichtet das zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörende Institut.
Mittelfristig werde ein verbreiteter Fachkräftemangel immer wahrscheinlicher: Der Bedarf an Hochqualifizierten steige; wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft nehme zugleich die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter ab. Ohne eine neue Bildungsexpansion werde schon in weniger als zehn Jahren ein erheblicher Akademikermangel vor allem in technischen Berufen bestehen, prognostiziert das Institut. Zusätzlich verstärkt werde der Rückgang an qualifizierten Arbeitskräften durch die sinkende Zahl der Studienanfänger.
Text: Reuters, dpa
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