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Autoimport

Jetzt kommen die Chinesen

Von Georg Meck



Die chinesische Marke Geely ist weithin unbekannt. Noch.
03. September 2005 
Henk Reinders ist kein gewöhnlicher Autohändler. Er verkauft keine gewöhnlichen Autos. Und er redet nicht wie ein normaler Händler. Natürlich sei die Qualität seiner Ware minderwertig, sagt er offen. „Mit deutscher Wertarbeit ist das nicht zu vergleichen.“ Aber der Preis! „Der ist konkurrenzlos.“

14.000 Euro kostet bei Reinders ein Geländewagen der Marke „Landwind“. 115 PS, Klimaanlage, Ledersitze und Alufelgen serienmäßig. Gebaut wird der Wagen von der chinesischen Jiangling Motors Company (JMC). Abgeguckt haben sie ihn vom alten Opel Frontera - nur war der doppelt so teuer.

Die Zeit spielt für die Volksrepublik


Henk Reinders setzt auf die Chinesen. Als erster Händler in Deutschland, wie er stolz sagt. Im Juli ist die erste Schiffsladung „Landwind“ in Antwerpen angekommen. 32 Autos davon hat Reinders verkauft, 140 hat er jetzt nachgeordert. Und im Herbst nimmt er weitere chinesische Hersteller in sein Sortiment auf. „Wir müssen mit der Zeit gehen.“

Und die Zeit spielt für die Volksrepublik. Noch dieses Jahr wird China wohl Deutschland vom Platz als drittgrößter Automobilproduzent der Welt verdrängen. Bis zum Jahr 2015 könnten die Chinesen 10 Millionen Autos pro Jahr exportieren - das wäre doppelt soviel wie das heutige Exportvolumen der deutschen Autoindustrie.

Gepäppelt von VW, Daimler und Co

An China als Produktionsstandort hatte man sich gewöhnt. Volkswagen, BMW, Daimler-Chrysler, alle fertigen sie dort, um zumindest einen kleinen Teil von dem Milliardenmarkt abzubekommen. Nirgendwo wächst die Nachfrage nach Autos so rapide wie in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen Asiens. Je höher deren Anteil am Wohlstand in der Welt, um so mehr Autos werden dort gekauft, so das Kalkül der westlichen Hersteller. Und weil alle so gerechnet haben, haben alle Fabriken hochgezogen - mit der Folge, daß deren Auslastung dramatisch sinkt.

Auch das ist ein Grund, warum die Chinesen jetzt auf ausländische Märkte drängen, angefeuert mit großzügigen Finanzspritzen der Regierung und deren Eifer, globale Marken zu etablieren. Natürlich wird das dauern, auch Japaner und Koreaner wurden anfangs für ihre skurrilen Modelle verlacht. Aufzuhalten waren sie nicht. „Die Chinesen werden nicht von heute auf morgen einen merklichen Anteil am deutschen Markt haben“, tröstet sich der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. „Noch fehlt es an der Bekanntheit und Präsenz der Marken.“

Drei chinesische Hersteller auf der IAA

Das wird sich nun ändern. Gleich drei chinesische Hersteller werden auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) erstmals ihre Modelle in Deutschland vorstellen. Pionier Landwind, das zu 30 Prozent Ford und zu 12 Prozent Isuzu gehört, präsentiert neben dem bereits zu kaufenden Geländemodell neue Kleinwagen.

Brilliance, der chinesische Partner von BMW, kommt mit der Limousine Zhongua (Spitzname „Mao-Mercedes“) nach Frankfurt. Der Konzern ist der größte Kleinbushersteller in China, beschäftigt 35.000 Menschen und baut für BMW deren 3er und 5er Reihe.

Der Dritte im Bunde ist Geely, ein Konzern, der noch keine zehn Jahre Autos produziert, und mit günstigen Kleinwagen Furore macht.

Angst vor juristischen Schwierigkeiten

Wer fehlt, ist der Billiganbieter Chery, der angeblich mit Vorliebe deutsches Design kopiert und deswegen aus Angst vor rechtlichen Schritten den Auftritt auf der IAA abgesagt hat. Chery liefert schon eine ganze Zeit lang Autos in Entwicklungsländer. Demnächst wollen sie auch nach Amerika exportieren, mittelfristig sollen zwei Drittel der Produktion außerhalb Chinas abgesetzt werden.

Und dann ist da noch Chinas Nummer eins: die Shanghai Automobile Industry Corporation (SAIC), gleichzeitig Partner von General Motors und Volkswagen, ein Staatsunternehmen, dessen Mehrheit die Stadtväter Schanghais besitzen und das bis zum Jahr 2010 unter die sechs größten Hersteller der Welt aufrücken will. Ein durchaus realistisches Ziel, wie der McKinsey-Berater Paul Gao bestätigt: „Fünf Jahre wird es noch dauern, bis es mindestens einen großen chinesischen Player im weltweiten Automarkt gibt. Dann werden die Chinesen auch in Qualität und nicht nur im Preis konkurrieren können.“ Die Deutschen müßten sich trotzdem keine Sorgen machen, sagt der McKinsey-Berater, denn sie blieben weiterhin in Technik, Ingenieurleistung und Markenstrategie konkurrenzfähig.

„Sie sind sehr schnell“

Zudem starten die Chinesen von einem bescheidenen Ausgangspunkt. Im ersten Halbjahr 2005 exportierten sie laut VDA rund 6200 Autos in alle Welt, davon ganze 80 nach Deutschland. „Das ist noch keine Größenordnung, aber wir nehmen sie als Wettbewerber ernst“, sagt VDA-Präsident Gottschalk. In der Qualität hätten die Hersteller bereits Fortschritte gemacht. „Sie sind sehr schnell, ein Jahr nach chinesischer Zeitrechnung ist ein anderes Jahr als bei uns.“

Und ehrgeizig sind die Chinesen sowieso. Allein Landwind will den Absatz im ersten Jahr in Deutschland auf 2000 Autos vervielfachen. „Bei uns meldet sich jeden Tag ein halbes Dutzend deutscher Händler, die Landwind verkaufen wollen“, sagt Peter Bijvelds, ein 27 Jahre alter Holländer, der sich die Exklusivrechte der Jiangling Motor Company für Europa gesichert hat und deren Autos über den Kontinent verteilt. 200 Vertriebspartner habe er allein in Deutschland, sagt der Jungunternehmer, erst am Freitag habe er einen Vertrag mit einem Opel-Autohaus mit 34 Filialen abgeschlossen. „Und auf der IAA verkaufen wir unsere Autos direkt vom Stand. Das macht sonst nur noch Rolls-Royce.“

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.09.2005, Nr. 35 / Seite 35
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
 
 
   
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