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Beziehungen in der Firma

Freunde im Leben, Rivalen im Büro

Von Dorte Huneke



Wenn sich Beruf und Privatleben in die Quere kommen
01. Juli 2008 
Darüber zu sprechen ist schwierig. Das Schweigen darüber nicht angenehmer. "Zum Glück haben wir immer auch eine private Ebene gehabt, auf der wir uns gut verstehen, wir haben ja nicht immer nur über den Job gesprochen", sagt Susanne Kramer*, 37 Jahre alt, über ihre Kollegin Anna Burbach*, 35 Jahre alt. Drei Jahre lang haben sie für dieselbe Münchner Agentur gearbeitet. Nach Feierabend konnten sie auch mal Luft ablassen über schwierige Auftraggeber und stockende Projektabläufe. Vor wenigen Monaten reichte Burbach jedoch ihre Kündigung ein. Sie ging zur Konkurrenz. "Jetzt muss ich mir auf einmal genau überlegen, was ich sage", sagt Kramer. "Im Grunde ist zwischen uns nun alles, was die Arbeit betrifft, ein Tabu. Ich bin extrem vorsichtig geworden. Umgekehrt will ich auch nicht zu viel von ihren Projekten wissen."

Sich an die neue Situation zu gewöhnen, ist schwierig, sagt Kramer. "Natürlich haben wir auch andere Interessen, aber der Beruf ist schon sehr wichtig. Wenn man aus dem gleichen Nest kommt und plötzlich nicht mehr über ,die Familie' sprechen darf oder aufpassen muss, welche Dokumente man zu Hause rumliegen hat, wenn die Freundin zum Abendessen kommt, dann ist das schon anstrengend." Inzwischen ist es auch ausgesprochen: "Wir haben vereinbart, zumindest vorübergehend nicht über Job-Themen zu sprechen", sagt Kramer. "Bisher klappt das ganz gut. Aber es ist natürlich eine neue Distanz da."

Die Juristin und der Theologe

Die Karriere der einen, der Frust der anderen

Statt zu schweigen hätten sie allerdings auch reden können, und zwar vorher. "Man kann natürlich nicht immer alle Eventualitäten vorab klären", sagt Birgit Bader. Die 56 Jahre alte psychologische Psychotherapeutin arbeitet als Supervisorin, Coach und Psychotherapeutin in Hamburg. "Grundsätzlich sollte man jedoch versuchen, Konflikte, die sich abzeichnen, möglichst früh anzusprechen." Ansonsten riskiere man die Freundschaft. "Denn dies ist keine Angelegenheit mehr zwischen zwei Leuten, zwei Freunden." Vielmehr kommen Chefs, Kollegen und Firmeninteressen mit ins Spiel. Sollte man also Freundschaften am Arbeitsplatz vermeiden? "Das kommt ganz darauf an", sagt Bader. "Sofern beide in der Lage sind, sich auf die Sache zu konzentrieren, geht das." (Dazu das Interview: „Neid kann auch ein Ansporn sein”)

Wichtig ist es, in Konfliktsituationen zwischen Arbeitswelt und Privatleben einen kühlen Kopf zu bewahren. "Im Nachhinein frage ich mich manchmal, wie wir das so gut hingekriegt haben", sagt Wiebke Breuer*. Die 36 Jahre alte Juristin steckte vor vier Jahren gemeinsam mit einem guten Freund in der Bewerbungsphase: "Wir haben uns gegenseitig Stellenanzeigen geschickt, auf die wir uns dann beide beworben haben", sagt Breuer. Sie gaben einander sogar Verbesserungsvorschläge für ihre jeweiligen Bewerbungsunterlagen. Das sei "eher befruchtend" gewesen, sagt Breuer. "Absprachen darüber, wie wir damit umgehen, wenn einer von uns den Job bekommt, gab es nicht." Darüber werden beide im Stillen nachgedacht haben. Dass sie aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommen, machte es einfacher, eine berufliche Niederlage nicht persönlich zu nehmen. "Wir waren beide Quereinsteiger mit unterschiedlichen Qualifikationen", sagt Breuer. Die eine Juristin, der andere Theologe. Etwa zehnmal haben sie sich auf dieselbe Stelle beworben.

„Wir konnten das zum Glück sachlich sehen“

Was aber, wenn die Gewissheit kommt und der künftige Arbeitgeber eine Entscheidung trifft? "Natürlich habe ich ihm mit einer leichten Befangenheit von meiner Zusage erzählt", sagt Breuer. "Wir waren beide in die zweite Runde der Auswahlgespräche gekommen." Einen gewissen Erfolg konnten sie also teilen. "Aber er war nicht ganz so erpicht auf den Job wie ich. Für mich war der Karriereschritt damals sehr viel wichtiger." Breuer stand noch am Anfang ihrer Karriere. Für ihren Freund und Konkurrenten wäre die neue Stelle eine berufliche Abwechslung gewesen, aber kein Karriereschritt nach oben. Trotzdem ist eine Enttäuschung nach einem gescheiterten Versuch natürlich nicht zu leugnen. "Wir konnten das zum Glück sachlich sehen. Das rechne ich ihm hoch an. Ich hätte das, wenn es umgekehrt gelaufen wäre, möglicherweise nicht so leicht weggesteckt", sagt Breuer. Eine kurze Phase der Befangenheit auf beiden Seiten haben sie ausgehalten.

"Solche Situationen kommen häufig vor, ich erlebe das ständig", sagt Beraterin Bader auch aus eigener Erfahrung. Immer wieder werde sie mit einer befreundeten Kollegin zu Präsentationen eingeladen. "Am Ende kriegt eine von uns beiden den Job. Das darf man nicht persönlich nehmen. Wir lachen gemeinsam über unsere Erlebnisse mit der Gruppe." Mit einer anderen Freundin arbeitet sie jedoch nicht mehr zusammen. Manchmal geht es eben auch schief. "In der Berufswelt herrschen andere Regeln als im privaten Bereich", sagt Bader. Immerhin: Als Selbständige kann man unliebsame Begegnungen häufig vermeiden.

Der Freund zieht auf der Karriereleiter vorbei

Erschwerte Bedingungen herrschen, wenn der eine den anderen im selben Unternehmen überholt. "Ein Freund, den ich schon 14 Jahre kenne, hatte mich zu sich in die Firma geholt", erzählt Werner Thumann*. Der 45-jährige Hotelkaufmann hat in seinem früheren Leben vorübergehend als Taxifahrer gearbeitet. Heute ist er stellvertretender Versandleiter in einem Großhandelsunternehmen in Frankfurt. "Die suchten jemanden für den EDV-Bereich." Für den Neueinsteiger begann ein regelrechtes Karrierehüpfen quer durch die Abteilungen. Kaufmännisches Organisationstalent und sehr gute Straßenkenntnisse machten den ehemaligen Taxifahrer für das Unternehmen vielfach einsetzbar. Der Chef war glücklich - und Thumann war es auch.

Sein beruflicher Erfolg entwickelte sich jedoch konträr zur alten Freundschaft mit seinem nunmehr beruflich gleichgestellten Kollegen: Das letzte private Treffen liegt über ein halbes Jahr zurück. "Ich habe ihn überholt", sagt Thumann über seinen 42 Jahre alten Freund. "Das hat er offenbar nicht verkraftet." Gesprochen haben sie über die Problematik nicht. "Das würde nicht gehen", ist Thumann überzeugt. "Es würde zum offenen Streit kommen."

Es gibt Tabus zwischen den beiden Freunden, die sich auch auf die Arbeit auswirken. Anstatt seinen Freund bei der Arbeit auf Fehler und Versäumnisse hinzuweisen, zieht Thumann es derzeit vor, diese selbst auszubügeln. "Normalerweise spreche ich Probleme gerne an", sagt Thumann. "In diesem Fall vermeide ich es jedoch, Missstände konkret anzusprechen. Die Situation könnte eskalieren. Das will ich nicht." Das Schlimmste wäre für Thumann, wenn seinem Freund gekündigt würde - dann hätte er ihm unfreiwillig den Stuhl abgesägt. "Momentan können wir über diese Dinge ganz offensichtlich nicht reden. Ich hoffe, dass sich das irgendwann ändert."

*Name geändert

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Fotolia
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Schweigen 01.07.2008, 09:49
 
   
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