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Existenzgründung

Eine Idee, sechs Wochen Zeit

Von Sarah Schuhen

Auszeichnungen erleichtern das Knüpfen von Kontakten

Auszeichnungen erleichtern das Knüpfen von Kontakten

12. September 2008 

Die Semesterferien haben längst begonnen, aber im altehrwürdigen Senatssaal der Ludwig-Maximilians-Universität in München schwitzen noch 30 Studenten. Sie haben die letzte Gelegenheit, die Jury des "5-Euro-Business"-Wettbewerbs von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. So wie Clea von Ammon, Nathalie Winking und Ludwig Haberda: Die drei Lehramtsstudenten haben ein Internetportal entwickelt, auf dem Studenten ersteigert werden können - für Nebenjobs. "Das bringt bei der Jobsuche eine enorme Zeitersparnis gegenüber den üblichen Pinnwänden - und garantiert den Studis außerdem den besten Stundenlohn Münchens", sagt Clea von Ammon. Startkapital der drei waren fünf Euro. Daraus sollte innerhalb von sechs Wochen ein kleines Unternehmen werden, so will es der Wettbewerb. Insgesamt sieben Teams haben es ins Finale geschafft: Eines von ihnen wird am Ende 1000 Euro für die eigene Unternehmensgründung gewinnen.

Nur wenige Kilometer entfernt von der Universität befindet sich das Büro des Internet-Start-ups "Andunite", mit dem die Gründer Christian Schmidkonz und Bernd Storm van's Gravesande die Suchmaschinen-Bedienung revolutionieren wollen. Sie haben damit geschafft, wovon die Studenten von "Studi-Auktion" noch träumen: Im Frühjahr gewannen sie den Gründerwettbewerb "Mit Multimedia erfolgreich starten" des Bundeswirtschaftsministeriums und wurden auf der Cebit ausgezeichnet. "Als im Februar das Telefon klingelte und eine freundliche Dame uns sagte, dass wir den Wettbewerb gewonnen haben, habe ich mich gefühlt, als hätte ich im Lotto gewonnen", erzählt Storm van's Gravesande. Dabei hatten die beiden nie ernsthaft an einen Sieg geglaubt: Zuvor hatten sie schon bei kleineren, regionalen Wettbewerben teilgenommen und kein Glück gehabt. "Wir haben eine verrückte Idee und deswegen brauchten wir auch einen verrückten Juror, der das mitmacht", sagt Schmidkonz.

Auf ihrem Internetportal bieten sie die Möglichkeit, sich in der Internetrecherche mit anderen zu vernetzen, die mit den denselben Begriffen in Suchmaschinen gesucht haben. "So können sich ganze Teams bilden, innerhalb deren man die Suchbegriffe weiterleitet und direkt Kontakt aufnimmt", erklärt Storm van's Gravesande. "Wir bringen so die soziale Komponente in die Internetsuche." Finanziert wird die Seite über Kooperationsverträge mit den großen Suchmaschinen wie Google. Andunite steht erst am Anfang, festangestellte Mitarbeiter gibt es noch nicht. Deswegen waren die 25 000 Euro Preisgeld ein wichtiger Baustein für ihr Geschäft. "Aber das Geld ist nicht das auslösende Moment. Wichtig war uns vor allem eine Bestätigung unserer Idee von außen", sagt Storm van's Gravesande. Mit dem Sieg haben sie nicht zuletzt auch die Öffentlichkeit erreicht und wichtige Kontakte mit potentiellen Kunden geknüpft.

Wer mit seiner Geschäftsidee an einem Gründerwettbewerb teilnehmen möchte, der sollte sich zunächst einen Überblick über die verschiedenen Wettbewerbe verschaffen. Das Angebot ist sehr vielfältig und zum Teil auch unübersichtlich. So existieren neben Multimedia-Wettbewerben auch spezielle Wettbewerbe für Gastronomen, Chemiker und Techniker. Eine gesicherte Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums über die Anzahl der Wettbewerbe gibt es nicht. Kein Wunder: Jedes Jahr kommen mindestens zwei neue dazu. Die Mehrheit solcher Wettbewerbe ist regional oder sogar kommunal gebunden. Dies ergab eine vergleichende Studie von 67 ausgewählten Gründerwettbewerben aus dem Jahr 2007 von VDI/VDE/IT, einer Gesellschaft für Forschungsförderung im Hightech-Bereich. Laut der Studie ist die Zahl der bundesweiten und regionalen Wettbewerbe seit 2002 gestiegen. Das Preisgeld variiert zwischen 1000 Euro und sechsstelligen Beträgen.

Hilfe in der Suche nach dem richtigen Wettbewerb bietet das Portal "Biz-Awards". Insgesamt 90 Gründerwettbewerbe sind hier aufgelistet. "Allerdings haben wir kleinere Stadtpreise bisher nicht aufgeführt - da würde der Überblick schnell verlorengehen", sagt Mario Böhl von Biz-Awards. Neben der Auflistung hilft das Portal Gründern bei der Auswahl des richtigen Wettbewerbs, der Anmeldung bis hin zur Erarbeitung des Business-Plans, der in solchen Wettbewerben eingereicht werden muss. "In der letzten Zeit stellen wir eine verstärkte Nachfrage fest. Das Klima für Gründer hat sich wieder verbessert", sagt Böhl.

Die Idee, mit Wettbewerben angehende Gründer zu unterstützen und damit das Wirtschaftswachstum zu fördern, ist eine relativ junge Erfindung. Wie der "5-Euro-Business"-Wettbewerb in München kommt die Idee der Gründerwettbewerbe ursprünglich von der Universität: 1984 fand der erste an einer Universität in Texas statt. 1990 startete dann der "$10K"-Wettbewerb in Boston, der heute unter dem Titel "$100K" zu den international größten Gründerwettbewerben zählt. Die ersten deutschen Wettbewerbe gab es erst im Jahr 1997. Eines haben alle Gründerwettbewerbe gemeinsam: Eine innovative Idee allein reicht nicht. Die Bewerber brauchen vor allem einen gut kalkulierten und realistischen Business-Plan, also eine konkrete Beschreibung der Geschäftsidee und der Finanzierungsform. Dazu gehört auch eine überzeugende Marketingstrategie. Es muss klar werden, welche Zielgruppe angesprochen werden soll und wo die Innovation im Vergleich zu anderen Unternehmen liegt.

"Ein Wettbewerb kann nur das Sahnehäubchen sein. Die gute Geschäftsidee und der Wille, dafür mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, müssen schon vor der Bewerbung da sein - wie übrigens bei allen Existenzgründern", sagt Marc Evers, Gründerexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Und nicht immer ist das Geld der eigentliche Preis: "Natürlich spielt das Geld eine Rolle. Viel wichtiger ist aber die Reputation, die man durch einen Sieg bei einem solchen Wettbewerb erlangt." Bei einer Bank könne eine Siegerurkunde auch schon mal den Ausschlag für einen Kredit geben. Diese Erfahrung haben auch die zwei Gründer von Andunite gemacht. "Wenn du eine Urkunde vom Bundeswirtschaftsministerium vorzeigen kannst, dann wirst du einfach ernster genommen", sagt Storm van's Gravesande. Aber beide warnen auch: Es gebe immer ketzerische Zungen, die behaupteten, wer an zu vielen Wettbewerben teilnehme, der habe keine Zeit mehr fürs operative Geschäft.

Nach den Angaben in der VDI/VDE/IT-Studie bieten 28 der 67 untersuchten Wettbewerbe neben dem reinen Geldpreis auch Coaching- oder Qualifizierungsangebote für die potentiellen Gründer. Diese Sachpreise reichen von Coaching-Abenden über die Begleitung durch einen Mentor während des gesamten Ablaufs bis hin zur Teilnahme an Seminaren. Prominentestes Beispiel für einen solchen immateriellen Preis ist der Deutsche Gründerpreis, der jedes Jahr im Juni verliehen wird.

Eines der nominierten Unternehmen in diesem Jahr war City Solar aus Bad Kreuznach, das sich auf den Bau von Solarkraftwerken spezialisiert hat. 2003 starteten die Gründer Steffen Kammler und Stefan Kasterka zu zweit - heute beschäftigen sie 150 Mitarbeiter. Die Nominierung für den Preis kam zu einem Zeitpunkt, als sich die Firma schon erfolgreich am Markt positioniert hatte. Das Unternehmen brauchte kein Geld, sondern etwas ganz anderes: "Wir sind unglaublich schnell gewachsen. Dabei ist es wichtig, dass man gesund wächst", sagt Sprecher Stephan Brust. Als Nominierte des Deutschen Gründerpreises bekommt die Gesellschaft ein Coaching von Porsche Consulting. Außerdem hat sie nun Heinrich-Otto Deichmann als Paten. Zwar hat City Solar den Gründerpreis nicht gewonnen, aber schon die Nominierung war für das Unternehmen ein Gewinn. "Wir wurden seit der Preisverleihung oft angesprochen und haben durch diese Öffentlichkeit neue potentielle Investoren kennengelernt, die sich für uns interessieren", erzählt Brust.

Die Münchner Studenten von Studi-Auktion stehen noch ganz am Anfang mit ihrer Idee: Der Uni-Gründerwettbewerb ist für sie ein erster Anfang - und zwar ein erfolgreicher. Sie haben die Jury überzeugt und den ersten Preis des "5-Euro-Business"-Wettbewerbs gewonnen, strahlen überglücklich in die Kameras. In den nächsten Wochen und Monaten muss sich nun zeigen, ob ihre Idee gut genug ist, auch im echten Geschäftsleben fernab aller Wettbewerbe zu bestehen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Felix Seuffert

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