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Vertreter im Außendienst

Darf ich kurz reinkommen?

Sie gehen von Tür zu Tür und versuchen, fremden Menschen Staubsauger, Plastikschüsseln oder Cremes zu verkaufen. Ihr Beruf lebt - trotz des angestaubten Images. Fünf Vertreter, fünf Produkte.

Von Nadine Bös

Sich zu ärgern bringt nichts, sagt sich Staubsauger-Vertreterin Claudia Studtmann, wenn ihr mal wieder jemand die Tür vor der Nase zumachtSich zu ärgern bringt nichts, sagt sich Staubsauger-Vertreterin Claudia Studtmann, wenn ihr mal wieder jemand die Tür vor der Nase zumacht

06. März 2010 

Sie gehen von Tür zu Tür und versuchen, fremden Menschen Staubsauger, Plastikschüsseln oder Cremes zu verkaufen: Vertriebler im Außendienst. Ihr Beruf lebt - trotz des angestaubten Images. Fünf Vertreter, fünf Produkte.

Die Staub-Analystin

Natürlich kennt Claudia Studtmann ihn auch, den alten Loriot-Sketch mit dem Staubsauger Heinzelmann, der saugt und bläst, wo Mutti sonst nur saugen kann. „Das passiert immer wieder, dass den Leuten Loriot einfällt, wenn sie hören, welchen Beruf ich mache. In solchen Situationen lache ich einfach darüber“, sagt Studtmann.

„Sich zu ärgern bringt nichts.“Ihr Selbstbewusstsein braucht die 41 Jahre alte Staubsaugervertreterin, wenn sie von Tür zu Tür geht und versucht, potentielle Kunden von einem Vorwerk-Staubsauger zu überzeugen. Etwa 30 Mal am Tag drückt sie auf Klingelknöpfe, ohne zu wissen, was sie erwartet. „Mal platzt man mitten in einen Ehestreit, mal öffnet jemand im Bademantel, mal wird man zum Kaffee eingeladen“, erzählt sie. Allerdings: In etwa 25 von 30 Fällen endet ihr Annäherungsversuch mehr oder weniger brüsk direkt an der Türschwelle. „Nein danke“, sagen die Höflichen dann. „Die Unhöflichen machen einfach wortlos die Tür wieder zu. Das muss man aushalten können.“

Schafft sie es, zu einem Verkaufsgespräch hineingebeten zu werden, dann gibt Claudia Studtmann Vollgas, packt ihren Vorführ-Staubsauger aus und startet ihre „Hausstaub-Analyse“. Dann fängt sie Staubmäuse in weißem Filterpapier und testet mit chemischen Flüssigkeiten deren Beschaffenheit, dann spricht sie von Milbenkot und Allergien und davon, was die „herkömmlichen Staubsauger“ alles an Dreck liegenlassen. Und dann fallen Werbefloskeln wie „125 Jahre Vorwerk-Qualität“ oder auch: „Billig können wir uns nicht leisten.“

Billig ist ihr Produkt in der Tat nicht - 597 Euro muss der Kunde für den günstigsten „Kobold“-Sauger hinlegen. Trotzdem hat Studtmann festgestellt, dass sich wieder mehr junge Menschen für ihre Geräte interessieren. „Wer glaubt, Staubsaugervertreter sei ein aussterbender Beruf, der irrt“, sagt sie. Zwar informierten sich viele Leute heutzutage im Internet. Doch der Bildschirm könne eine persönliche Beratung nicht ersetzen. „Den Computer, der Ihren Hausstaub analysiert, den müssen Sie mir erst mal zeigen.“

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Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Edgar Schoepal / F.A.Z.

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