Wenn Felix Kreutel aus seinem Bürofenster blickt, sieht er Flugzeuge starten und landen. Pläne und Ideen, wie viele das in Zukunft sein sollen, entstehen auf seiner Seite der Glasscheibe. Kreutel beschäftigt sich mit Themen, die den Frankfurter Flughafen langfristig angehen.
Kreutel leitet die Strategieabteilung der Immobilienverwaltung des Flughafenbetreibers Fraport. Er knüpft aus Visionen, Vorstellungen und Perspektiven ein futuristisches Gesamtkunstwerk und operationalisiert die einzelnen Schritte. Praktisch und ganz konkret landen auf seinem Schreibtisch Fragen, wie etwa welche Gebäude auf welchen Flächen in welcher Zeit zur Verfügung gestellt werden sollen - Infrastruktur im weitesten Sinne. Auch die geplante Nordwest-Landebahn hat er mitentworfen. Leicht einsichtig ist, dass zusammen mit der neuen Bahn ein neues Terminal gebaut werden muss, um die steigenden Passagierzahlen abfertigen zu können. Genauso erforderlich sind aber eine neue Feuerwache und eine weitere Kühlanlage - beides braucht zukunftsfähigen Platz. Die dürfen nachher nicht etwas anderem im Weg sein. Beinahe wichtiger noch ist die Entwicklung des Immobilienbestands. Der verteilt sich derzeit auf 21 Quadratkilometer. Für sich genommen ist das ein beachtliches Areal, für den Flughafen jedoch die wirksamste Wachstumsbremse. Die Grundfläche ist bei uns der limitierte Faktor. Vergleichbare Großflughäfen zumal im arabischen Raum verfügten über das Vier- bis Fünffache an Boden. Deshalb verwendet der studierte Bauingenieur, der das Fraport-Programm für werdende Führungskräfte angehängt hat und nebenbei Master of Business Administration wurde, einen Großteil seiner Arbeitszeit auf die Konzeption der Bestandszukunft. Darin müssen auch künftige für den Flughafenbetrieb relevante gesellschaftliche Trends durch das Ergebnis ausgedrückt werden. Deshalb ist Kreutel nicht nur Immobilienpuzzler, sondern auch Marktforscher. Momentan beschäftigt ihn, dass Kunden ihren Flughafen nicht nur als Abflugstelle in den Urlaub wahrnehmen wollen, sondern eine Erlebniswelt erwarten, in der Wartezeit kürzer empfunden wird, als sie tatsächlich ist. Dazu sollen die Geschäfte in den bestehenden Terminals mehr Warenvielfalt anbieten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Tobias Schmitt