Weltraumarchitektur

Wenn der Astronaut sich wohl fühlt

Barbara Imhof kümmert sich um die Bedürfnisse der Astronauten

Barbara Imhof kümmert sich um die Bedürfnisse der Astronauten

13. April 2007 „Besuchen sie den Mond. Erleben sie die unendliche Weite aschgrauer Staubfelder und bis zu 100 Meter tiefer vulkanischer Krater. Sie werden die Welt wahrhaft mit einem ganz anderen Blick sehen und die Ausgasungen von Wasserstoff und Helium sowie die 500 Mondbeben im Jahr werden Ihnen ein außergewöhnliches Lebensgefühl vermitteln. Genießen sie tagsüber Temperaturen von bis zu 130 Grad Celsius und machen sie es sich, wenn es sich nachts auf minus 160 Grad abkühlt, in unserer Hotellobby gemütlich.“

So oder so ähnlich könnten irgendwann die Werbeprospekte der Hotelkette Sheraton aussehen, die bereits begonnen hat, Konzepte für Hotels auf dem Mond zu entwickeln. Sollte der Weltraumtourismus irgendwann tatsächlich solche Ausmaße erreichen, würde Barbara Imhofs Berufsgattung wohl bald nicht mehr so exotisch anmuten, wie sie es jetzt tut: Die 37 Jahre alte Wienerin ist Weltraumarchitektin. Entwürfe für Orbit-Hotels gibt es von ihr zwar noch keine, sie hat jedoch bereits an Projekten zur Gestaltung des Interieur von Raumschiffen und Raumstationen mitgearbeitet.

Anregende Umgebung im Orbit

Wenn man so will, war sie bei diesen Projekten Dolmetscherin zwischen Mensch und Maschine. „Die Raumfahrt ist fest in den Händen von Ingenieuren und somit stark vom technischen Denken geprägt. Auf die Menschen wurde bei ihrer Konstruktion kaum Rücksicht genommen“, sagt Imhof. Insbesondere bei längeren Weltraummissionen seien jedoch die psychosozialen Faktoren für den Erfolg der Mission genauso wichtig wie die Abstimmung der Technik. Als Architektin kennt Imhof die Bedürfnisse der Bewohner, die beim Bau eines Hauses berücksichtigt werden müssen. Da für Astronauten das Raumschiff ihr zu Hause ist, muss sie ihr Wissen auf die Bedingungen der Schwerelosigkeit übertragen.

Wo hat der Astronaut seine Kajüte? Wo kann er sich festhalten, wenn er in der Schwerelosigkeit aus dem Fenster schauen will? Wie verhindert man einen Lagerkoller, wenn mehrere Astronauten bei einer bemannten Marsmission zwei Jahre lang auf engem Raum zusammenleben? Dies sind nur einige Fragen, mit denen sich Imhof beschäftigt. Bei den Bemühungen, den Astronauten eine anregende Wohn- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen, muss Imhof auch die Sprache der Ingenieure beherrschen. „Ich muss wissen, wie die Maschinen zusammenspielen, wie die Elektrizitätsversorgung in einem Raumschiff funktioniert“, sagt sie.

Wohnen auf dem Mars

Im Jahre 2003 hat sich Imhof gemeinsam mit einer Partnerin selbständig gemacht. Die Liquifer Systems-Group arbeitet gemeinsam mit Ingenieuren an Projekten unter anderem für die europäische Raumfahrt-Behörde ESA. Zuvor war Imhof nach ihrem Architektur-Studium in Wien und London sowie einem Aufbau-Studium mit dem Namen „Space-Studies“ in Straßburg 1997 in das Projekt Bioplex der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA eingestiegen, das sich mit ersten Simulationen für eine bemannte Marsmission beschäftigte. Damals hat sie viel Pionier-Arbeit leisten müssen, sagt sie. Es habe zwar zuvor schon vereinzelt Architekten gegeben, die sich mit der Inneneinrichtung eines Raumschiffes beschäftigt haben. Dort sei es jedoch eher um die Dekoration gegangen, die Architekten seien weniger in die Gesamtkonstruktion eingebunden gewesen.

Der Zeitpunkt der ersten bemannten Marsmission steht noch in den Sternen. Die Konstruktion vorab im Weltraum ist schwierig, weshalb Imhof in ihrem Beruf vor allem an Simulationen arbeitet, die die Verhältnisse auf dem Mars und auf dem Weg dorthin möglichst realitätsnah darstellen sollen. In diesem Zusammenhang hatte Imhof bei der NASA Zugang zu einem simulierten Wohnkomplex, in dem künftige Astronauten 500 Tage lang für das Leben auf dem Mars trainiert werden.

Profitieren sollen von Imhofs Arbeit jedoch nicht nur die Astronauten, sondern auch Europas Bürger. Ungefähr 600 Millionen Euro kostet sie das unbemannte Erkundungsfahrzeug „ExoMars“, das 2008 den roten Planeten befahren soll. Imhof und ihre Kollegen verpassten dem Fahrzeug ein ansprechendes Äußeres, was Imhof wiederum als Dolmetscherin zwischen Mensch und Maschine erklärt: „Mit einer solchen Mission identifiziert sich nicht nur das Konstruktionsteam, sondern auch eine Vielzahl von Menschen. Mit einem ansprechenden Design kann man diese Identifikation verstärken.“

Text: mbol
Bildmaterial: Stickler

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Neuer Job, neues Zuhause! Unter immobilien.faz.net finden sicher eine Immobilie, die Ihren Wünschen entspricht! Wählen Sie aus über 960.000 Angeboten.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche