Richtig, betriebliche Ausbildung und Akademikermangel haben keinen Bezug. Trotzdem ist die Verwantwortung der Unternehmen an der jetzigen Lage kaum zu verleugnen. Kurzfristig denkende Manager und Unternehmensberater haben in schlechten Zeiten ja nichts besseres zu tun als vor allem Personal, und in der Regel erfahrene (ältere) Mitarbeiter abzubauen, und jetzt beklagt sich die Wirtschaft. Wer Wind sät, erntet Sturm. Oder: Wie man in den Wald hinreinruft, so schallt es hinaus. Zukünftige Arbeitnehmer (abgehende Schüler, Studenten) denken eben auch in den Kategorien von Angebot und Nachfrage. Man hat sich für die Zukunft kaputtgespart.
Wo bitte sind denn die Jobs und wer sind die Unternehmen? Meine Erfahrung (800 verschickte Bewerbungen = 0 Job) zeigt mir als 49 jährige IT Spezialistin ein ganz anderes Bild !!!
Gruss Heike
Was haben die "Lehrerinnen und Lehrer", die in der Regel noch nicht einen einzigen Tag in der freien Wirtschaft tätig waren, die Industrie zu schulmeistern?
Abgesehen davon, daß betriebliche Ausbildung und Akademikermangel nichts miteinander zu tun haben, wie hier schon in einem Kommentar bemerkt wurde: Die Lehrer wissen ganz genau, warum sie gleich ungefragt der Industrie die Schuld geben.
Die Realität in der Schule ist nämlich folgende: In der ersten Klasse lernen die Kinder schreiben, aber man soll als Eltern nicht (die Lehrerin sowieso nicht) auf Fehler aufmerksam machen (um die Kleinen nicht zu frustrieren). So prägen sie es sich falsch ein und werden ein paar Jahre später zu Legasthenikern erklärt. Solche superfortschrittlichen "Konzepte" setzen sich fort, auch im Gymnasium (selbst dort die Legasthenikerquote oft schon ein Drittel). Dazu wird den Schülern ein Technik- und Naturwissenschaftshaß von bestimmten Lehrern (die in den "Laberfächern") nahegebracht, was zur entsprechenden Bildung nicht grad motiviert.
Am Ende hat man viele (nicht alle) studierunfähige Legastheniker und Desinteressierte mit Abitur, die kaum akademische Fachkräfte werden.
... was verbessert werden müsste:
In den Unternehmen:
- Den Entwicklern Freiräume gewähren, in denen Kreativität gedeihen kann.
- Spezialisten angemessen bezahlen, es kann nicht sein, dass ein Kaufmann
mit 08/15 Job mehr verdient, nur weil er näher an der Quelle sitzt.
- Und vor allem: Nicht letzteren als Chef von ersteren einsetzen, das ist
i.d.R. das Ende jeder Kreativität.
In der Schule:
- Zukünftige Berufsbilder positiv herausstreichen, mehr Interesse an den technischen Fächern vermitteln, vor allem auch den Mädels. Der Frauenmangel in diesen Fächern schadet Deutschland doppelt: Zum einen durch das Fehlen der Frauen selbst, welches wiederum das negativ besetzte Geek-Image dieser Fächer verstärkt.
In der Gesellschaft allgemein:
- Den "MINT" Berufen zu einem Ansehen verhelfen, das der Bedeutung für das Land und den Fähigkeiten dieser Spezialisten angemessen ist.
Was hat die Menge an Lehrstellen, mit der Menge von Akademikern zu tun?
Man lasse sich mal diese Zahlen auf der Zunge zergehen - 230.000 Stellen, die nicht besetzt werden können, 18,5 Milliarden Schaden, bei 4/5 sind mangelnde Qualifikationen der Bewerber die Ursache.
Und das bei den Arbeitslosenzahlen die wir haben !
Es ist natürlich einfacher die Bezugsdauer für ALG 1 zu erhöhen, es ist einfacher einen anderen Teil der Wirtschaft mit 1 Euro Jobs zu schädigen und es ist einfacher nichts zu tun, enorme Überschüsse zu erwirtschaften statt etwas für eine Qualifikation der Arbeitslosen anzubieten und das im ausreichenden Umfang.
Aber wer diese Maschinerie aus eigener Erfahrung kennt der weiß darüber besser Bescheid als die "beamteten" Politiker, kennt das Arbeitsamt als "Hühnerhaufen" von dem man nicht wissen kann, ob man beim nächsten Gespräch den gleichen "Gockel" gegenübersitzt.
Der weiß das heute ein "Hühnchen" etwas von einer Umschulung als SAP - Fachmann gackert, der nächste Gockel etwas von - in der Planung verkündet und dann hat man ein Kücken vor sich (das 3 Wochen vorher noch selbst arbeitslos war und vorher Friseuse) das sagt - nichts ist möglich mangels Geld.
Das zum Thema Qualifikation - wo wenig ist, kann nicht viel folgen - Geld genug ist vorhanden und Interessierte ebenfalls.
Es hat lange gedauert, bis der Fachkräftemangel hinreichend Gehör gefunden hat... Dabei sah man schon im vergangenen Aufschwung, 1999/2000, dass Informatiker fehlen und Ingenieure und andere Naturwissenschaftler auch nicht gerade im Überfluss da sind. Dann kam der Abschwung, und unzählige Unternehmen haben den Mangel in kaum fassbarer Ignoranz schnell vergessen - Folge: Arbeitgeber mit Stellen in Deutschland haben sich bei Bewerbern in Europa einen denkbar schlechten Ruf "erarbeitet".
Traurig: Gerade das US-Unternehmen Microsoft erzählt uns seit Jahren in Werbespots, dass kreative Köpfe das wichtigste Kapital der Unternehmen sind.
Gerade Deutschland mit den nicht erst seit Kurzem bekannten demographischen Problemen hätte da mitdenken müssen - etwa die Regierung hätte die Unternehmen von langfristigen Personalstrategien überzeugen können.
Aber die Unternehmen sind zu großem Teil auch selbst schuld.
Dennoch: Am Mangel an Hochschulabgängern in den MINT-Fächern sind sie nicht der Hauptschuldige - denn für Hochschulbildung (und dass genug junge Menschen dorthin kommen) ist der Staat verantwortlich, der genau dieses Gebiet seit 15 Jahren hat vollkommen schleifen lassen. Da muss man ansetzen, und zwar schnell und zielstrebig.