01. Juni 2008
So wollte ich nie sein. Erwachsene, die ihre Kinder anschnauzen, mag ich nicht. Und jetzt ertappe ich mich, wie ich meinen eigenen Nachwuchs wegen Nichtigkeiten zur Schnecke mache. Das ist der bisherige Tiefpunkt meiner kurzen Karriere als Vollzeitvater.
Alle drei Kinder – Johanna (1), Jurek (3) und Miriam (5) – allein zu versorgen, das mache ich natürlich nicht zum ersten Mal. Auch vorher gab es Tage, an denen meine Frau nicht da war. Aber es ist ein Unterschied, ob man den Laden für ein Wochenende übernimmt und Schwierigkeiten mit einem Bestechungseis löst oder ob man die Schlacht über Wochen schlagen muss. Denn dann ist der Dreikäsehoch, der nackig vor der Zahnbürste flieht, nicht mehr süß und putzig. Dann wird er zur Gefahr für den Zeitplan.
Wenn die beiden Großen nicht rechtzeitig gebadet und bettfertig sind, ist auch das Abendessen nicht pünktlich parat und dann kennt die Kurze keinen Spaß. Sie wird brüllen, was bei mir innerhalb von Sekunden zu einem Schweißausbruch führt. Also brülle ich lieber selbst. Bringt natürlich nichts. Meine große Tochter geht damit routiniert um: Papa, sei nicht so zickig.“
Wie machen das nur Alleinerziehende?
Wie machen das nur Alleinerziehende? Die können sich ja nicht einmal vertreten lassen und sind ihren Jungterroristen tagaus, tagein ausgeliefert, über Jahre. Erstaunlicherweise verschafft mir so ein ganz allein durchgestandener Hochleistungstag, wenn am Ende auch noch die Wohnung einigermaßen aussieht, ein Gefühl der Befriedigung. Ich hab mich nicht unterkriegen lassen. Und: Was meine Frau kann, kann ich schon lange. Vielleicht nicht perfekt, aber abgesehen von meinem Nervenzusammenbruch, ganz ordentlich.
Schön ist, dass ich in der Gunst meiner Kinder aufgeholt habe. Mitunter werde ich schon als Assistent beim Klogang bevorzugt. Auch Johanna wählt trotz starker Konkurrenz gelegentlich ihren Vater, wenn sie auf den Arm will. Sie hat übrigens die ersten eigenen Schritte gemacht, sich dann aber vorerst doch fürs Krabbeln entschieden.