|
![]() |
Karrieresprung Mein Haus, mein Auto, mein Trainer Von Birgit Obermeier
Lange Arbeitstage, üppige Geschäftsessen und kaum Bewegung haben Thorsten Pilgrim zu einem sichtbaren Bäuchlein verholfen. Das soll nun weg. Aber bitte nicht mit freudlosen Reistagen, Schwitzen in der Muckibude oder gruppendynamischen Diät-Zirkeln. Fixe Termine kann der viel reisende Geschäftsmann ohnehin kaum einhalten. Pilgrim hat dem Speck per Handy den Kampf angesagt. Alle zwei Wochen telefoniert er mit Olga Fröscher - oder sie mit ihm, falls er sich nicht meldet. Die ausgebildete Diätassistentin informiert ihn über gesunde Ernährung und lotet Spielräume mit ihm aus: Ein großes Glas Wasser vor jedem Essen und einmal pro Woche Schwimmen ist für Pilgrim machbar, auf Steaks und ein Glas Rotwein will er jedoch nicht verzichten. Eine telemetrische Körperwaage übermittelt sein Gewicht jeden Morgen per Funk an seinen Ernährungscoach, die mit den Daten - wie aus dem Job gewohnt - Verlaufskurven erstellt, diese mit den getroffenen Zielvereinbarungen abgleicht und sich empathisch über jedes verlorene Gramm freut. Das braucht man als Mann, sagt Pilgrim schmunzelnd. Manchmal wird er auch ermahnt, aber auch das sehr freundlich. Zwei Drittel der Männer in Deutschland sind übergewichtig. Viele davon haben wenig Zeit, aber 700 Euro im Jahr für ein telefonisches Diät-Coaching übrig, hofft der medizinische Thieme-Verlag mit seinem Programm Califit. Ein Coach für alle Fälle Ob Gesundheit, Wellness, Haushalt oder Sozialleben - Karrieremenschen mit dem nötigen Kleingeld finden mittlerweile für alle Lebenslagen persönliche Helfer. Wem eine Zugehfrau nicht reicht, um das häusliche Chaos zu beherrschen, kann ganze Convenience-Pakete buchen, inklusive Einkaufsservice und Tiersitter. Im Flugzeug bemerkt, daß der Laptop noch auf dem Büroschreibtisch liegt? Kein Problem, die Notfall-Logistik der Lufthansa holt ihn ab und läßt ihn mit der nächsten Maschine zum Geschäftstermin nachfliegen. Um die knappe Freizeit kümmern sich so genannte Concierge Services. Der Frankfurter Dienstleister Agent CS bietet sich etwa an, den kurzfristigen Wochenendtrip inklusive Opernkarten und Tisch in einem angesagten Restaurant zu buchen. Wem die Zeit fehlt, stundenlang auf dem Golfplatz an seinem Handicap zu arbeiten, kann bei der Hamburger Firma Golf BioDynamics in einem Magnetfeld schwingen und den Bewegungsablauf anschließend am Rechner gemeinsam mit einem Trainer analysieren. Kostenpunkt: 1.500 Euro inklusive Gesundheits-Checkup. Luxusmärkte der Zukunft Effiziente Einkaufserlebnisse und kompetente Stilberatung verspricht ein Personal Shopper. Die freiberufliche Stylistin Maria Hans zieht seit Jahren durch Hamburger Boutiquen, im Schlepptau Kunden, die weder auf ihren eignen Geschmack noch das Urteil der Verkäuferinnen vertrauen wollen. Auf Wunsch durchforstet Hans auch den häuslichen Kleiderschrank nach Untragbarem. Wie immer steht auch hier am Anfang die Frage: Welches Ziel wollen Sie (mit Ihrem Auftreten) erreichen? Spezialisierte Dienstleitungen, die den Alltag outsourcen und damit ein Mehr an Lebensqualität versprechen, sind die Luxusmärkte der Zukunft, prognostizierten Trendforscher des Kelkheimer Zukunftsinstitut bereits vor zwei Jahren. Der ganz persönliche Luxus in einer Gesellschaft, in der Zeit Geld und Optimierung alles ist. Und das eigene Wohlbefinden wie nie zuvor im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Angebote, die sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken, haben in Zukunft Hochkonjunktur, orakeln die Trendforscher. Endlich jemand, der zuhört Dazu zählen zweifellos auch exklusive sportliche Betätigungen. Weil sich durchgetaktete Manager oft nicht aufraffen können, frühmorgens ein paar Runden im Park zu laufen, floriert das Geschäft der Personal Trainer. Sie kommen nach Hause, im Gepäck ein Theraband, Handeln und jede Menge motivierende Worte. Zwei bis drei Mal pro Woche trainiert die Münchner Sporttherapeutin Kirsten Renner im Durchschnitt mit ihren Klienten. Die meisten fühlen sich müde, unwohl und seien am Anfang wirklich unfit. Renner bringt sie für stramme 110 Euro pro Stunde wieder auf Touren. Personal Training sei nun mal eine exklusive Dienstleistung, so die Trainerin. Ihr Kollege Eginhard Kieß, Gründer eines Premium-Trainernetzwerks, versteht seine Zunft gar als Unternehmensberater für das Unternehmen Körper. Neben Entspannung und Kräftigung der Muskeln sorgt er sich auch um die seelische Gesundheit seiner Klienten - und schenkt ihnen stets sein offenes Ohr: Viele Manager haben in ihrem Umfeld ja niemanden, der ihnen zuhört, begründet Kieß, dessen längste Trainingsbeziehung neun Jahre währt. Trainerin Renner bestätigt: Manchmal bin ich eher Gesprächstherapeutin. Das klingt freilich etwas problembeladen. Besser, man versteht die persönlichen Dienstleistungen als Luxusmarkt. Text: FAZ.NET |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||


