Familienfreundliche Betriebe

"Es rechnet sich"

Von Henrike Rossbach

Nur wenn es mit der Familie klappt, stimmt auch die Leistung der Beschäftigten

Nur wenn es mit der Familie klappt, stimmt auch die Leistung der Beschäftigten

09. Mai 2007 

Um ihre Politik in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken, sucht Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) auch in der Wirtschaft Verbündete. Gemeinsam mit Liz Mohn, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann-Stiftung, stellte sie in Berlin das Buch "Familie gewinnt" vor. Darin erklären Unternehmer, Manager, Wissenschaftler und Verbandsvertreter, warum Familienfreundlichkeit ein lohnendes Geschäft sein kann.

"Nur wenn es keine familiären Probleme gibt, kann das Unternehmen mit der vollen Leistungsfähigkeit seiner Beschäftigten rechnen", schreibt beispielsweise Claus Hipp, Geschäftsführer des gleichnamigen Babynahrungsproduzenten. Die Familienförderung ist Teil einer Ethik-Charta, die das Unternehmen aufgestellt hat. Ein Element davon ist, dass Führungskräfte in der Arbeitszeitgestaltung auf die familiären Belange der Mitarbeiter eingehen - ob durch Teilzeit, Einteilung der Schichten, Urlaubsplanung oder Arbeit von zu Hause aus.

Innovativer und seltener krank

Auch nach Meinung von Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung von Roland Berger, gibt es einen "handfesten Grund" für mehr Familienfreundlichkeit im Betrieb: "Es rechnet sich." In familiengerechten Unternehmen seien die Mitarbeiter innovativer, sorgfältiger und seltener krank. Hinzu komme eine größere Attraktivität des Unternehmens auf den Märkten, sowohl bei der Suche nach Personal als auch in den Augen der Kunden. Angesichts der demographischen Entwicklung sei Familienfreundlichkeit eine zentrale Voraussetzung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern sei "kein unternehmerischer Luxus, sondern eine unternehmerische Notwendigkeit".

Einiges sei schon erreicht worden in den vergangenen Jahren, schreibt Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), und berichtet von Aktionen der Gewerkschaften. Für "Selbstzufriedenheit" seitens der Unternehmen sei es aber zu früh. Dass flexible Arbeitszeiten die Rangliste der familienfreundlichen Maßnahmen anführen, macht Sommer nicht glücklich. Flexibilisierung könne in manchen Fällen zwar Zeitsouveränität bedeuten, umgekehrt aber auch leicht eine gesteigerte Abhängigkeit. Sommer kritisiert besonders die "Unkultur grenzenloser Verfügbarkeitsanforderungen" in den Führungsebenen.

Nicht nur Sache der Politik

Das von Mohn und von der Leyen vorgestellte Buch "Familie gewinnt" liest sich als Fortsetzung der Ministeriumsstrategie, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema zu machen. Sie soll nicht bloß Sache der Politik, sondern auch Sache der Wirtschaft sein. Aus diesem Grund hatten Bertelsmann-Stiftung und Familienministerium schon vor vier Jahren die "Allianz für die Familie" ins Leben gerufen, ein Bündnis von Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft im Dienste einer familienfreundlicheren Arbeitswelt. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, bestätigt diese Entwicklung. Er schreibt in seinem Beitrag: "Wir reden heute über Familienfreundlichkeit und Wirtschaft als selbstverständliches und gutes Doppel - vor fünf Jahren war das noch anders."

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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