25. November 2009 Der Krise am deutschen Arbeitsmarkt fallen zunehmend mehr Vollzeitarbeitsverhältnisse zum Opfer. Im dritten Quartal dieses Jahres sank deren Zahl auf 23,51 Millionen. Das waren 1,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal hatte das Minus noch 0,8 Prozent betragen, im Zeitraum von Januar bis März fand sogar noch ein ganz leichter Stellenaufbau statt.
Dies geht aus einem aktuellen Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, dem wissenschaftlichen Arm der Bundesagentur für Arbeit. Im Durchschnitt arbeitet eine Vollzeitkraft knapp 38 Stunden in der Woche.
Männlich, südwestdeutsch und im Verarbeitenden Gewerbe
Der typische Krisenverlierer ist männlich, arbeitet Vollzeit im Verarbeitenden Gewerbe und wohnt im Südwesten“, fasst IAB-Mitarbeiter Eugen Spitznagel die Entwicklung zusammen. Denn vor allem die exportorientierten Industriebranchen mit Schwerpunkten in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch in Nordrhein-Westfalen bekommen die schwache Weltkonjunktur zu spüren.
Als relativ stabil erweisen sich dagegen viele Dienstleistungsbranchen. Dort sind deutlich mehr Frauen beschäftigt, häufig auf Teilzeitbasis. Dementsprechend stieg die Zahl der Teilzeitkräfte im dritten Quartal sogar um 1,9 Prozent auf 12,4 Millionen. Damit arbeitet mehr als jeder dritte Beschäftigte mittlerweile in Teilzeit. In Europa hat Deutschland damit hinter den Niederlanden die zweithöchste Quote.
Zahl der Kurzarbeiter gesunken
Die Zahl der Kurzarbeiter sank von 1,5 auf 1,15 Millionen, die Produktivität je Arbeitsstunde sank zum fünften Mal in Folge. Allerdings fiel der Rückgang mit 1,3 Prozent deutlich geringer aus als in den Vorquartalen. Für IAB-Forscher Spitznagel ist das ein Zeichen dafür, dass das Arbeitskräfthorten auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit abnimmt“.
In vielen Unternehmen herrsche mittlerweile Klarheit über die Auftragslage im kommenden Jahr; entsprechend werde die Belegschaft reduziert. Deshalb rechnet das IAB mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr um rund 600.000 auf 4,1 Millionen im Jahresdurchschnitt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp