Drei Sätze, sagte ihr eine Bekannte, solle sie mit ja beantworten. Dann könne sie nicht mehr krank werden: Ich liebe, was ich tue. Ich liebe, wo ich bin. Und ich liebe, mit wem ich bin. Es gab Jahre, da hätte ich alle drei Aussagen mit nein beantworten müssen, sagt Andrea Sixt aus München. Das ist heute anders. Die 47-Jährige lebt so, wie sie sich das seit Teenagerzeiten gewünscht hat. Sie verfasst Drehbücher, Sachbücher, arbeitet an einem Roman.
Ihren ungeliebten Job als Ingenieurin für Versorgungstechnik hat sie hinter sich gelassen. Nach einer Brustkrebserkrankung hat die sportliche Regensburgerin das Drehbuch ihres Lebens neu geschrieben und das Muster Erst die Arbeit, dann das Vergnügen durchbrochen. Zunächst aber folgt ihre Berufsbiographie einem verbreiteten Muster: Als tüchtige Tochter soll sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten. Die diplomierte Ingenieurin wird Geschäftsführerin im Familienunternehmen, plant Technik, Heizung, Klima, Sanitär für Wohnungsbaugesellschaften und Hotels.
Sie ist erfolgreich und unglücklich. Erst als der Körper rebelliert, wagt sie den Sprung in die Selbständigkeit und kündigt. Nun besucht sie Drehbuchseminare und erobert mit großem Fleiß solides Handwerk. Das sind 90 Prozent vom Erfolg. Gleich ihr erstes Drehbuch (Workaholic), das sie mit ihrer Freundin Sharon von Wietersheim schreibt, wird ein Kinohit. Ihr Mut hat sich ausgezahlt.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.03.2007, Nr. 11 / Seite V17
Bildmaterial: Jan Roeder