Von Jens Kemle
Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET
Studien haben ermittelt, daß 80 Prozent aller von ihren Firmen ins Ausland Entsandten in einer festen Partnerschaft leben. Davon nehmen wiederum 90 Prozent ihre Familie mit ins Ausland. Wer gebunden ist, für den spielt ein Entsendungsvertrag eine wichtige Rolle.
Diese Verträge regeln nicht nur die Einkommens- und Lebensbedingungen im Zielland, sondern auch den späteren Wiedereintritt in das Unternehmen nach der Rückkehr. Wenn Expatriates ins Ausland gehen, wird der Arbeitsvertrag ruhig gesetzt, erklärt Frederike Ruch von Convinus. Das Züricher Beratungsunternehmen betreut Firmen bei der Entsendung ins Ausland und arbeitet unter anderem Entsendungsverträge aus oder prüft sie im Auftrag von Firmen.
In den Entsenderegularien werden die Zulagen, Zusatzvergütungen, die Wohnregelung, die Steuersätze oder die Aufwendungen für die Sozialversicherung festgeschrieben. In den letzten Jahren hat sich das Entsendungsmanagement professionalisiert, alle Dax-Unternehmen verfügen heute über entsprechende Abteilungen. Die meisten Unternehmen verfügen auch über spezielle Expat-Policies für die Entsendung von Mitarbeitern, sagt die Geschäftsführerin von Convinus. Manche Unternehmen lassen bei den Vertragsinhalten auch mit sich handeln, allerdings sollten Sie sich gut überlegen, wie weit Sie gehen. Die Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter möglichst alle gleich behandeln, ein zu forsches Auftreten und zu hohe Forderungen, könnten Ihnen eventuell schaden - spätestens nach der Rückkehr vom Auslandseinsatz.
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Italien ist recht ambivalent. Einerseits ist die Arbeitslosenquote geringer, als in Deutschland, aber vor allem für Berufseinsteiger ist eine Festanstellung schwer zu bekommen. Recht gute Aussichten haben hingegen Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler. Folgende Branchen suchen nach Arbeitskräften: IT/Telekommunikation, Forschung, Erziehung und Bildung. An Sprachen wird Italienisch - selbst im deutschsprachigen Südtirol - vorausgesetzt, wer zusätzlich gutes Englisch spricht, kann seine Chance deutlich erhöhen.
Wie überall in Südeuropa liegt auch in bella Italia der Verdienst mit 20 bis 40 Prozent deutlich unter dem deutschen Niveau - allerdings bei gleich hohen Lebenshaltungshaltungskosten. Die Industrie konzentriert sich vor allem auf den reichen Norden, namentlich das Dreieck Mailand, Turin, Genua. Diese Städte gehören neben Rom und Florenz auch zu den teuersten Pflastern in Italien. Der Süden ist hingegen agrarisch geprägt und weist kaum Infrastruktur auf.
2005 schaffte es Spanien nach einem kleinen Jobwunder erstmals die durchschnittliche Arbeitslosenquote der EU zu unterbieten. Das Land auf der Iberischen Halbinsel hat im Gegensatz zu Mittel- und Nordeuropa kaum Bedarf an Akademikern. Überproportional sind der Dienstleistungssektor, die Verarbeitenden Industrien und die Bauwirtschaft ausgeprägt. Vor allem im gewerblich-technischen Bereich (Metallverarbeitung, Kfz) werden Facharbeiter gesucht. Deutsche haben mit einer ordentlichen Ausbildung keine schlechten Chancen.
Das durchschnittliche Bruttoeinkommen ist für deutsche Verhältnisse eher gering. Für Deutsche ist Spanien eher einer schlechte Partie: Die Lebenshaltungskosten sind fast genauso hoch wie hierzulande, obwohl das Einkommensniveau rund 30 Prozent niedriger ist. Zentren für den Industrie- und Dienstleistungssektor ist die Hauptstadt Madrid, Barcelona ist das Zentrum für Architektur, Design, Mode und Film.
Die Situation in Portugal ist für deutsche Arbeitssuchende diffizil. Hemmend für die Arbeit erweisen sich das geringe Monatseinkommen (durchschnittlich 700 Euro im Monat) und die sprachlichen Voraussetzungen. Praktisch alle Ausschreibungen finden nur in der Muttersprache statt, ohne fließende Kenntnisse sind die Chancen grundsätzlich gering. In der Tourismusbranche wird neben der Basissprache Portugiesisch auch Englisch erwartet. Andere Branchen die Bedarf anmelden sind das Baugewerbe und das Gesundheitswesen. Ausländische Führungskräfte haben sehr geringe Chancen, wenn sie sich von Deutschland aus bewerben.
Trotz des geringen Einkommens ist das Preisniveau unwesentlich geringer, als in Deutschland, sagt Grit Lüderitz vom Europa-Job-Center in Magdeburg. Auch Immobilien, die vor dem EU-Beitritt sehr günstig zu bekommen waren, sind mittlerweile kein Schnäppchen mehr. Lüderitz empfiehlt Portugal vor allem für Studenten und Berufseinsteiger. Die Außenhandelskammer Portugal bietet etwa zweisprachige Ausbildungsgänge an. Neben der Hauptstadt Lissabon können Fachkräfte vor allem an der Küste in Faro, Portimao oder in Porto im Tourismus oder in der Autoindustrie Arbeit finden.
Die griechische Wirtschaftsstruktur ist stark von kleinen Betrieben (90 Prozent) mit wenig Technologieeinsatz geprägt. Dennoch prosperiert die Wirtschaft und wächst im EU-Vergleich überdurchschnittlich. Der Dienstleistungssektor sowie Tourismus und Schiffahrt sind die stärksten Branchen in dem Land. Interessant für eine Tätigkeit ist vor allem der Bereich Tourismus. Ansonsten werden vor allem Fachkräfte (Küchenhilfe, Bäcker) gesucht, Akademiker aus dem Ausland findet man in Hellas selten.
Der Einstieg für Ausländer gestaltet sich nicht einfach. Die Arbeitsmarktverwaltung in Griechenland ist sehr stark staatlich reguliert. Neben dem Gesundheitsbereich wird teilweise sogar die freie Wirtschaft (Betriebswirte) staatlich kontrolliert. Für Ausländer ist es allerdings in der Regel kein Problem, die notwendigen Bescheinigungen zu bekommen. Da viele Stellen über private Netzwerke vermittelt werden, ist eine Initiativbewerbung aus Deutschland fast aussichtslos. Zudem werden gute Griechischkenntnisse vorausgesetzt.
Wegen seiner geographischen Randlage wird die Mittelmeerinsel oft übersehen. Mit einer Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent hat Zypern fast Vollbeschäftigung. Arbeitskräfte werden trotzdem gesucht, vor allem in den Branchen Bau (Architekten, Bauzeichner), IT (Programmierer, Fachinformatiker, Techniker) und Tourismus (Servicekräfte, Physiotherapeuten). Vereinzelt sind auch Stellen für Chemiker, Apotheker und Callcenter-Mitarbeiter frei.
Zypern ist für all jene interessant, die in eine Affinität zum Englischen haben. Da die Insel bis 1960 britische Kolonie war, sprechen die meisten Zyprioten Englisch. Im Job kommt es auf die Stelle und den Einsatz an, oft reichen Englischkenntnisse nicht alleine aus. Das Gehalt liegt etwa 60 Prozent unter dem deutschen Niveau, es gibt aber eine schrittweise Anpassung, so Ralph Adams vom Europaservice der Bundesanstalt für Arbeit in Erfurt.
Eine problemlose Rückkehr in das Unternehmen findet nach dem Auslandseinsatz leider nicht immer statt. Deshalb sollten Sie diesbezüglich schon auf die Formulierung im Entsendungsvertrag achten: Früher war es eigentlich Standard, daß im Vertrag festgehalten war, daß der Mitarbeiter nach der Entsendung wieder übernommen wird, sagt Friederike Ruch. Mittlerweile sind die Unternehmen aber vorsichtiger geworden. Heutzutage gäben die Unternehmen in den meisten Fällen keine Garantien mehr ab, es werde lediglich der gute Wille und die Absicht dazu geäußert, mehr nicht. Das Problem ist: Es gibt oft nicht genug Rückkehrerpositionen, erläutert Brigitte Hild von der Agentur Going Global die Lage.
Vielfach ist es nicht sofort möglich, eine bessere Position zu bekommen. Hild verweist auf die komplexen Strukturen in den Führungsschichten von Unternehmen und die Verringerung des Personalbedarfs in höheren Managementsphären beziehungsweise der geringen Fluktuation. Oft müsse man darauf hoffen, daß das Engagement belohnt wird. Es kann dann schon mal zu Frust kommen, wenn ein Mitarbeiter mit einem Projekt abgespeist wird, das seinen Qualifikationen nicht entspricht. Man müsse sich darauf einstellen, eine Durststrecke zu überbrücken. Um das zu vermeiden, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer schon frühzeitig darüber sprechen. Was Expatriats angeht, so rät Hild: Sie müssen Selbstmarketing betreiben.
Ein Trost für alle Expatriates ist, daß die Auslandsentsendungen selbst für große Unternehmen nicht billig sind und als Investment betrachtet wird. Das erhöht Ihre Chancen, einen erfolgreichen Widereinstieg zu finden oder sogar aufzusteigen. Eine wichtige Bedingung dafür ist ein intaktes Netzwerk. Wenn Sie bereits während Ihrer Auslandstätigkeit, die alten Verbindungen pflegen oder sogar neue Kontakte knüpfen, fällt Ihnen die Rückkehr leichter. Etwa der Heimaturlaub - meist auf Firmenkosten - ermöglicht es Ihnen, den Akku in der Heimat aufzuladen und sich gleichzeitig mit Kollegen, Mentoren oder Abteilungsleiter über aktuelle Projekte auszutauschen. Ruch empfiehlt: Man sollte einen Homeleave effizient nutzen.
Um mögliche Komplikationen bei der Rückkehr zu vermeiden, sollten Sie, so früh wie möglich an die Rückkehr denken und daran zusammen mit Ihren Vorgesetzen arbeiten: Am ersten Tag der Abreise sollten am besten schon die Vorbereitungen für die Rückreise beginnen, rät Sabine Seidler von der Bundesagentur für Arbeit. Eine erfolgreiche Widerintegration in das Unternehmen fördert abschließend eine positive Grenzerfahrung und entschädigt für so manche Entbehrungen. Andererseits ist es gerade die Erweiterung des Erfahrungshorizonts, die Ihnen niemand mehr nehmen kann. Das ist gut für den Lebenslauf, sagt die Convinus-Expertin. Ein Auslandsaufenthalt nützt Ihnen in dieser Hinsicht also in jeder Hinsicht.
Hilfreiche Links:
http://www.europaserviceba.de/
http://www.ec.europa.eu
http://www.europa-job-center.de/
http://www.ccila-portugal.com/
http://www.convinus.ch
http://www.goingglobal.de
http://www.germanexpats.com
http://www.justlanded.com
Text: FAZ.NET