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Vertrauen in den Aufschwung schwindet

Unternehmen streichen mehr Stellen als sie schaffen

Von Sven Astheimer und Hanno Mußler




21. Juli 2008 
Die Unternehmen in Deutschland setzen auf eine vorsichtige Personalpolitik. Dies geht aus einer Auswertung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervor, für die öffentlich angekündigte Personalveränderungen von mehr als 100 Unternehmen im ersten Halbjahr berücksichtigt wurden. Demnach sollen 45.000 Arbeitsplätze wegfallen, während etwas mehr als 38.000 neue Stellen geschaffen werden. Allerdings fällt der Saldo nach sechs Monaten mit minus 7000 Stellen deutlich niedriger aus als noch nach dem ersten Quartal (minus 17.000). Große Restrukturierungsprogramme der Telekom, der Pin-Group und von BMW hatten die Statistik in den ersten drei Monaten in die Höhe getrieben.

Während sich viele Abbauprogramme über die kommenden Jahre strecken, sollen die Einstellungen fast alle noch in diesem Jahr erfolgen. Arbeitsmarktfachleute werten dies als Zeichen dafür, dass in den Unternehmenszentralen das Vertrauen in den Aufschwung schwindet. Besetzt werden demnach zwar aktuelle Vakanzen, damit vorhandene Aufträge abgearbeitet werden können. Für den Fall eines heraufziehenden Abschwungs sollen die Personalkosten jedoch nicht stärker erhöht werden als unbedingt nötig. So will Siemens noch bis zum Jahresende 4200 Jobs in der Elektrotechnik besetzen. DHL sucht für das neues Frachtdrehkreuz in Leipzig 1500 neue Mitarbeiter, der Automobilhersteller Porsche plant die gleiche Anzahl neuer Arbeitsplätze.

Banken haben nach wie vor auch offene Stellen


In einer besonderen Situation ist die Bankbranche. Sie ist von Konjunkturabschwächung und Finanzkrise betroffen. Auf Bankmitarbeiter in Deutschland hat die verschärfte Lage bislang noch eher geringe Auswirkungen. In der zum Unicredit-Konzern gehörenden Hypo-Vereinsbank in München werden bis zum Jahr 2011 rund 2500 Stellen gestrichen. Die Italiener wollen insgesamt im Konzern rund 9000 Stellen abbauen, im Gegenzug jedoch 1500 neue Arbeitsplätze im wachsenden Osteuropageschäft schaffen. Die West LB in Düsseldorf, die nur durch eine staatliche Rettungsbeihilfe der Insolvenz entgangen ist, muss 1500 Mitarbeiter abbauen. Die Deutsche Bank, die im ersten Quartal 2008 zum ersten Mal seit fünf Jahren eine Verlust erlitt, will 450 Stellen streichen. Und die Bayern LB in München hat sich auch wegen der Finanzkrise vorgenommen, 430 Arbeitsplätze abzubauen.

Allerdings haben die Banken nach wie vor auch offene Stellen. Nach Auskunft der Pressesprecher gibt es zum Beispiel in der Landesbank Hessen-Thüringen derzeit 150 offene Stellen, in der Dekabank 100. Die Deutsche Bank will nach Angaben von Georg Johann Bachmaier, dem Leiter Nachwuchsrekrutierung für Deutschland und Kontinentaleuropa, in diesem Jahr 1100 Hochschulabsolventen, davon rund 200 in Deutschland, einstellen. Auch die Commerzbank plant die Einstellung von mehr als 1000 Nachwuchskräften.

Weitreichende Personalkürzungen bei ausländischen Banken


Auffällig ist allerdings, dass ausländische Banken, die im Zuge der Finanzkrise unter milliardenschweren Belastungen leiden, schon sehr viel weiter reichende Personalkürzungen angekündigt haben als die deutschen Institute. Seit Beginn der Kreditkrise waren es mehr als 100.000. Spitzenreiter ist die Citigroup mit 15.500 vor der Bank of America mit mehr als 11.000 Stellen, die zusammen für rund ein Viertel der Kürzungen stehen. JP Morgan plant 8000 Streichungen, allein 6000 davon entfallen auf den übernommenen Wettbewerber Bear Stearns, der im Zuge der Krise in eine existenzbedrohende Schieflage geraten war. Auch in europäischen Geldhäusern wie der UBS (8000) und der Royal Bank of Scotland (7000) drohen Einschnitte.

Auch in den deutschen Banken dürften daher in den kommenden Monaten noch weitere Stellenstreichungen angekündigt werden – vor allem dann, wenn es wie erwartet zu Fusionen kommt. Falls die Dresdner Bank von der Commerzbank gekauft wird, sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi 16.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Einen Stellenabbau in diesem Ausmaß hatten im Jahr 2001 Deutsche Bank und Dresdner Bank für ihr Zusammengehen vereinbart, das aber schließlich nicht zustande kam. Die für 2009 geplante Fusion der genossenschaftlichen Zentralbanken DZ und WGZ wird dem Vernehmen nach rund 500 Arbeitsplätze in Frankfurt und Düsseldorf kosten. Und Fusionen unter den Landesbanken, auf die die Sparkassen als Eigner mit Vehemenz dringen, haben nicht zuletzt das Ziel, Mitarbeiter einzusparen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [12]
Kommt nun die Lüge raus? 22.07.2008, 23:30
Es liegt in der Natur der Sache, 21.07.2008, 09:48
Na, wer hätte das gedacht ... 21.07.2008, 08:51
 
   
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