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Die größten Familienunternehmen

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Von Georg Giersberg




03. Juli 2007 
Keine Wirtschaft der Welt ist so eng mit Familienunternehmen verbunden wie die deutsche. 95 Prozent aller 3,2 Millionen deutschen Unternehmen hierzulande sind mittelständische Familienunternehmen. Die Tabelle der Familienunternehmen, die die F.A.Z. erstmals in ihrer jährlichen Beilage „Die 100 größten Unternehmen“ veröffentlicht, zeigt, wie viele namhafte und bekannte Firmen jeder Größenordnung eigentümergeführt sind.

Wenn man berücksichtigt, dass in Deutschland insgesamt nur 0,3 Prozent aller Unternehmen Großunternehmen sind, dann versteht es sich fast von selbst, dass die Begriffe Familienunternehmen und Mittelstand ziemlich synonym sind. Probleme der Familienunternehmen sind in der Regel Mittelstandsprobleme.

Die meisten Beschäftigten arbeiten für Familien


Die 95 Prozent Familiengesellschaften (etwa 3 Millionen Unternehmen) stehen für 41 Prozent der gesamten deutschen Unternehmensumsätze und für 57 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Nach einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen haben die 500 größten Familienunternehmen ihre inländische Belegschaft zwischen 2003 und 2005 um 10 Prozent auf 2,2 Millionen Mitarbeiter ausgebaut, während die gesamte Wirtschaft um 3 Prozent reduziert hat.

Die 30 Dax-Unternehmen haben in diesem Zeitraum ihre Belegschaften sogar um 3,5 Prozent auf 1,6 Millionen Beschäftigte reduziert. Familienunternehmen haben also in rezessiven Phasen eine beschäftigungsstabilisierende Wirkung. Volkswirtschaftlich besteht ein Interesse daran, diese Unternehmen im Familienbesitz zu behalten. Das ist allerdings immer schwerer.

Mangels Nachfolge schließt kaum ein Unternehmen


Viele Unternehmen haben Nachfolgeprobleme. Vielfach wird von einer Nachfolgelücke gesprochen. Gemeint ist aber, dass es oft nicht zu einer Nachfolge innerhalb der Eigentümerfamilie kommt. Carsten Lünnemann von Deutsche Bank Research sagt deshalb, dass die sogenannte Nachfolgelücke eine Schimäre sei. Die gebe es nicht. Im Rahmen einer Nachfolge würden nur 9 Prozent der mittelständischen Unternehmen stillgelegt. Und das seien meist die kleinen Unternehmen, die wegen Unrentabilität keinen Nachfolger fänden.

Mehr als 90 Prozent aller Familienunternehmen finden eine Nachfolgeregelung. Diese finde allerdings immer seltener innerhalb der Eigentümerfamilie statt. Eine Auswertung der Deutsche Bank Research hat sogar ergeben, dass von 71 000 übergabereifen Unternehmen mit 678 000 Mitarbeitern nur 44 Prozent innerhalb der bisherigen Eigentümerfamilien weitergegeben wurden. „Die Nachfolge in der Familie ist heute auch für Familienunternehmen nicht mehr die Regel“, schließt Linnemann daraus.

Unternehmertum ist schwer vererbbar


Gut jedes fünfte (21 Prozent) der übergabereifen Unternehmen wird an andere Unternehmen verkauft, 16 Prozent gehen an externe Führungskräfte und 10 Prozent an die Beschäftigten. Die Gründe für eine Nachfolgeregelung außerhalb der Eigentümerfamilie sind vielfältig. In fast jedem dritten Fall, so die Ergebnisse der Deutsche-Bank-Research-Studie „Deutscher Mittelstand vom Aussterben bedroht?“, liegt es daran, dass die Kinder in anderen Branchen beschäftigt sind.

Nur in jedem fünften Fall liegt es daran, dass der Inhaber keine Kinder hat. Genauso häufig lehnen die Kinder eine Übernahme auch ab, weil die wirtschaftlichen Bedingungen des Unternehmens nicht gut sind, und in fast jedem sechsten Fall haben die Kinder einfach kein Interesse am elterlichen Betrieb. Die Neigung zur Selbständigkeit ist offenbar schwer vererbbar.

Damit korrespondiert die Aussage, wonach die Zahl der Unternehmensgründer mit 4 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland im internationalen Mittelfeld anzusiedeln ist. Besorgniserregend für die Deutsche Bank ist die Tatsache, dass vor allem in den jüngeren Jahrgängen die Zahl der Gründer niedrig ist und weiter zurückgehen wird.

Erhalt ist wichtiger als Geld

Das wichtigste Motiv bei der Auswahl der Nachfolgeregelung ist für die Alteigentümer die Erhaltung des Unternehmens. Die meisten Inhaber sind zuallererst am Fortbestand ihres Unternehmens interessiert, dann am Erhalt des guten Rufs, der Wahrung von Unternehmenskultur und Eigenständigkeit sowie an der Sicherung der Arbeitsplätze. Die Erzielung eines möglichst hohen Verkaufspreises steht erst an neunter Stelle der Auswahlkriterien und spielt somit eine eher untergeordnete Rolle.

Familienunternehmen sind überhaupt in Finanzfragen eher konservativ. Das ist auch das Ergebnis der Studie „Aktive Globalisierung - Chancen für deutsche Familienunternehmen?“ durch die European Business School, Schloss Reichhartshausen, gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Dort kommt zwar zum Ausdruck, dass die Familiengesellschaften in Sachen Globalisierung und Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland nicht nur keinen Nachholbedarf haben, sondern sogar Vorreiter sind. Bei der Finanzierung versucht man aber, Risiken zu meiden.

Alle Listen und Rankings der F.A.Z.-Beilage
„Die 100 größten deutschen Unternehmen“
gibt es auch digital für Ihren PC. Die Tabellen haben wir auf www.faz-archiv.de/100 in die gängigen Dateiformate für MS-Excel und MS-Access gepackt. Die kompletten Daten als Zip-Datei für 19,90 Euro.

Text: F.A.Z., 03.07.2007, Nr. 151 / Seite U5
Bildmaterial: F.A.Z.
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Rückgrat der deutschen Wirtschaft 03.07.2007, 17:36
 
   
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