Von Pia Blankenburg
08. Dezember 2006 Die Mehrheit der deutschen Führungskräfte (94 Prozent) hat erkannt, daß junge Mitarbeiter anders kommunizieren und Technologien auch anders nutzen als die ältere Generation. Dennoch stellen nur wenige Unternehmen der neuen Generation von Mitarbeitern, den ab 1980 geborenen und im digitalen Zeitalter aufgewachsenen sogenannten Millennials, die geeigneten Kommunikationswerkzeuge und eine IT-Infrastruktur zur Verfügung, die sie für effektives Arbeiten brauchen. Dies ergab die Studie Ist Europa bereit für die Millennials? des Marktforschungsunternehmens Forrester, die von Xerox in Auftrag gegeben wurde. Somit nutzen die Unternehmen oft nicht die Chance, von der Arbeitsweise und Erfahrung der Millennials zu profitieren.
Unzureichende Ausstattung
Unternehmen, die es versäumen, die grundlegenden Bedürfnisse der nachrückenden Arbeitnehmer-Generation zu erkennen und zu befriedigen, werden benachteiligt sein. Sie werden Schwierigkeiten haben, die Wünsche von Partnern und Kunden zu verstehen sowie neue Hochschulabsolventen als Mitarbeiter zu halten, erklärt Jo van Onsem, General Manager von Xerox Global Services in Deutschland. Die Millennials werden die Art und Weise revolutionieren, auf die Produkte und Serviceleistungen ausgewählt, entwickelt und angeschafft werden. Deutsche Unternehmen müssen sich die Arbeitsweise der neuen Arbeitnehmer-Generation aneignen, um mit den geschäftlichen Umgangsformen ihrer Kunden und Partner mithalten zu können.
Zwar gaben 77 Prozent der befragten deutschen Manager an, bereits auf die veränderten Bedürfnisse zu reagieren. Allerdings zeigen die Resultate der Studie, daß zum Beispiel die Arbeitsmethoden der Mitarbeiter oder Prozesse zur Kunden-, Lieferanten- und Partnerzusammenarbeit vernachlässigt werden und nicht den Bedürfnissen der Millennials entsprechen. Grundlegende Hilfsmittel wie zum Beispiel Mobiltelefone (57 Prozent) oder Laptops (38 Prozent) stehen den Mitarbeitern in vielen deutschen Unternehmen zur Verfügung. Allerdings bietet nur eine Minderheit der Unternehmen den Millennials neue Kommunikationstools wie Web-Casts, Blogs, Videokonferenzen oder auch den Fernzugriff zu Internet und E-Mail an. Nur 35 Prozent der befragten Führungskräfte arbeiten zur Zeit online mit ihren Lieferanten und Partnern in den Bereichen Produkt- und Serviceentwicklung zusammen. Hingegen wollen 45 Prozent auch zukünftig keine Informationen auf gemeinschaftlichen Seiten oder Blogs austauschen. Darüber hinaus werden 58 Prozent der Unternehmen in Zukunft keinen zusätzlichen Mehrwert in Form von Musik, Spielen und Videoclips anbieten.
Mit Technik Nachwuchs gewinnen
Der Studie zufolge werden die neuen Technologien eine bedeutende Rolle spielen, um die Millennials für ein Unternehmen oder eine Marke zu gewinnen. Die Millennials können sich gar nicht mehr an die Zeit erinnern, als die Welt noch nicht digital vernetzt war, erläutert Jo van Onsem. Sie sind es gewohnt, mit anderen in Social Computing-Netzwerken zu kommunizieren, wo Daten ohne Zeitverlust übertragen werden. Sie möchten ihre Meinung über Produkte kundtun. Das wird einen enormen Einfluß darauf haben, wie Marken und Unternehmen wahrgenommen werden.
Die in der Studie als Millennials bezeichneten Arbeitskräfte zeichnen sich durch folgende Arbeitsplatzcharakteristika aus: Sie sind es gewohnt, Informationen aus vielen verschiedenen Quellen zu erhalten und rasch zu verarbeiten. Das Bewältigen mehrer Aufgaben gleichzeitig (Multitasking) ist für sie einfach. Sie haben eine flexible Vorgehensweise, bevorzugen gemeinsame Räumlichkeiten, verlangen schnellen Zugang zu Informationen und arbeiten gerne in nicht-hierarchischen Gruppen.
Für die Studie wurden 1250 Führungskräfte in 16 europäischen Ländern befragt, in Deutschland waren es 100 Manager unterschiedlicher Unternehmensgrößen und Branchen. Es zeigte sich, daß einige Länder stärker auf die Millennials vorbereitet scheinen als andere: Mehr als drei Viertel der befragten Führungskräfte in Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und der Schweiz glauben, daß ihre Unternehmen bereits auf die sich verändernden Mitarbeiteranforderungen eingehen. Allerdings glauben dies weniger als zwei Drittel der Befragten in Dänemark, Finnland, Irland und Großbritannien. Insgesamt führt Portugal dabei die Rangliste an, den letzten Platz belegt Finnland.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa