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08. Oktober 2008

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Im Gespräch: Henning Kagermann

„Immer auf der Suche nach kreativen Köpfen“



Der SAP-Vorstandsvorsitzende Henning Kagermann
Wie wichtig ist SAP als Arbeitgeber für den IT-Standort Deutschland?

SAP beschäftigt in Deutschland über 14 700 Mitarbeiter, das ist der mit Abstand größte Standort bei weltweit knapp 44 000 Mitarbeitern. Die Bedeutung von SAP für den deutschen Arbeitsmarkt geht aber weit über unsere eigene Belegschaft hinaus. Mit Dienstleistungen rund um SAP-Produkte sind zusätzlich viele Arbeitsplätze geschaffen worden. Wir haben unser Partnernetzwerk seit Gründung des Unternehmens kontinuierlich ausgebaut. So kommen etwa auf einen SAP-Mitarbeiter im Durchschnitt noch mal fünf oder sechs, wenn nicht sogar sieben Beschäftigte bei anderen Unternehmen. Letztlich ist mit SAP eine ganz neue Industrie entstanden.

Die Branche klagt über Nachwuchsmangel. Was tut SAP dagegen?

Wir haben uns schon immer um Aus- und Weiterbildung gekümmert, pflegen viele Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen im In- und Ausland. Ein Schwerpunkt liegt auch auf Doktorandenprogrammen. Zusätzlich hat SAP mehrere Stiftungslehrstühle initiiert.

Hat SAP also keine Nachwuchssorgen?

Wir sind immer auf der Suche nach kreativen Köpfen. Und wir finden sie meist, wegen des Fachkräftemangels allerdings zunehmend auf dem globalen Arbeitsmarkt. Wir sind als Weltmarktführer in Unternehmenssoftware ein sehr attraktiver Arbeitgeber in einer zukunftsorientierten Branche. SAP hat seit seiner Gründung 1972 in jedem Jahr neue Arbeitsplätze geschaffen, in Deutschland und anderen Ländern.

Sie meinen die „SAP-Berater“, die es wie Sand am Meer gibt.

(lacht) Ja, es gibt sehr viele. Genaue Zahlen kenne ich aber nicht. Die müsste man wirklich mal zählen.

Was macht SAP so attraktiv?

Wir fordern und fördern eine Kultur des "Unternehmers im Unternehmen", so dass der Mitarbeiter von Beginn an Eigenverantwortung übernimmt - junge Menschen wollen etwas bewegen, und das können sie bei uns. Dazu kommen eine individuelle Karriereplanung und Weiterentwicklung sowie jährliche Feedback-Gespräche, in denen über Qualifikationen und Weiterbildungsoptionen der Mitarbeiter gesprochen wird. Auch bieten wir ein attraktives, am Unternehmenserfolg orientiertes Vergütungssystem und außergewöhnliche Zusatzleistungen. All das zusammen macht uns als Arbeitgeber attraktiv, und dafür sind wir auch mehrfach ausgezeichnet worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung ganz oben auf die IT-Agenda gesetzt. Wieso ist "E-Government" so wichtig für Deutschland?

E-Government ist ein ganz wichtiger Aspekt, um Deutschland als IT-Standort voranzubringen und die von politischer Seite geforderte Marke "IT made in Germany" zu stärken. Derzeit belegt Deutschland Platz 10 im IT-Vergleich der Länder, Österreich ist wiederholt führend. Hier besteht noch viel Aufholbedarf, wenn man im internationalen Wettbewerb bestehen will. Eine moderne, IT-gestützte Verwaltung entlastet die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen und erleichtert Bürgern und Unternehmen den Zugriff auf staatliche Dienstleistungen. Der Staat kann hier mit innovativen Dienstleistungen viel erreichen und den Weg ebnen für einen barrierefreien Wirtschaftsstandort Deutschland.

Wie kann eine Förderung der deutschen IT-Industrie aussehen? Lässt sich ein zweites Silicon Valley aufbauen?

Wir haben in Deutschland mit Dresden, München oder der Region um Darmstadt und Karlsruhe sicherlich attraktive Standorte, die als Exzellenzcluster genutzt werden können. Aber es ist immer schwierig, etwas zu kopieren. Das gilt auch für das amerikanische Modell. Wir sollten uns vielmehr auf die eigenen Stärken konzentrieren. Die liegen vor allem in Deutschlands gehobener Gebrauchsgüter-Industrie, zum Beispiel dem Werkzeug- und Maschinenbau, der Medizintechnik oder der Automobilindustrie. In diesen Branchen werden Innovationen in hohem Maße von der Informationstechnik getrieben. Hier ist Deutschland führend. Unsere Chance als deutsche IT-Branche liegt in der Verzahnung von Informationstechnik und Anwendungsprodukten. Nur so kann die notwendige Transferleistung von der Idee zum Produkt ermöglicht werden. Die erforderlichen Netzwerkstrukturen werden zum Beispiel in der Metropolregion Rhein-Neckar gezielt gefördert.

Wann wird das Problem des IT-Fachkräftemangels gelöst sein?

Das ist ein kontinuierlicher Prozess, an dem wir arbeiten müssen. Zum Beispiel, indem wir junge Menschen für ein technisches Studium begeistern. Beispielsweise haben sich über 2000 Studienanfänger bei der Universität Mannheim um einen Studienplatz in der Fächergruppe Sozialwissenschaften beworben, während es weniger als 500 in der Informatik beziehungsweise Wirtschaftsinformatik waren. Vor allem müssen wir mehr Frauen für Technikberufe gewinnen. Laut Schätzungen sind von den rund 800 000 Beschäftigten in der IKT-Branche nur 30 000 bis 50 000 Frauen. Umso wichtiger ist es, mehr Frauen zu einem IKT-Studium und zu einer Karriere auf diesem Gebiet zu bewegen.

Was noch?

Neben dem Handlungsbedarf bei der Bildungspolitik benötigen wir auch eine gezielte und aktivere Zuwanderungspolitik für Hochqualifizierte, wenn wir uns weiter im internationalen Vergleich behaupten möchten. Angesichts der demographischen Entwicklung besteht hier dringender Handlungsbedarf. Wenn wir weltweit zu den Besten zählen wollen, brauchen wir auch die besten Köpfe.

Das Gespräch führte Uta Bittner



Text: F.A.Z., 01.03.2008, Nr. 52 / Seite C16
Bildmaterial: REUTERS
 
 
   
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