Commerzbank kauft Dresdner

12.000 Banker müssten um Arbeitsplatz fürchten

Von Hanno Mußler

Viele werden gehen müssen

Viele werden gehen müssen

29. August 2008 Warum der Betriebsrat der Dresdner Bank auf die Chinesen als Käufer hofft, ist nachvollziehbar: Der konkurrierende Bieter, die Commerzbank, hat dieselben Geschäftsschwerpunkte - Verkauf von Anlageprodukten an Privatkunden und das Ausreichen von Krediten an mittelständische Firmen - wie die Dresdner Bank. Entsprechend groß sind die Überschneidungen. Und jetzt läuft tatsächlich alles darauf hinaus, dass es zu einer deutschen Lösung kommt (Commerzbank kurz vor dem Zuschlag für die Dresdner Bank).

Besonders bedrückend für die insgesamt 26.000 in der Dresdner Bank Beschäftigten ist, dass beide Banken ihre Zentrale in Frankfurt haben - nur wenige Meter voneinander entfernt. Obwohl die Dresdner Bank kaum kleiner ist als die Commerzbank, stünde die eindeutige Machtverteilung zugunsten der Commerzbank außer Frage: Schließlich wäre das Zusammengehen keine Fusion unter Gleichen, sondern eine Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank.

Hinzu kommt: Die Commerzbank hat mit dem Immobiliengeschäft (Eurohypo), dem Fondsgeschäft (Cominvest) und umfangreichen Aktivitäten in Osteuropa weitere starke Geschäftsfelder, die die Dresdner Bank nicht hat. Im Immobiliengeschäft sind 1700 Mitarbeiter der insgesamt 37 000 Mitarbeiter tätig, deren Arbeitsplatz wohl durch ein Zusammengehen mit der Dresdner Bank so gut wie nicht berührt würde. Dem einzigen Alleinstellungsmerkmal der Dresdner Bank, dem Kapitalmarktgeschäft Dresdner Kleinwort, stünde indes im Commerzbank-Konzern sicher keine florierende Zukunft bevor (Dresdner Kleinwort hofft auf die chinesische Lösung).

Zürückhaltend mit Zahlen

Doch ganz besonders in den Zentralen der beiden Banken in Frankfurt müssten wohl die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten. Wie viele Mitarbeiter dort arbeiten, wollen die Pressesprecher der Commerzbank und der Dresdner Bank nicht sagen. Bekannt ist lediglich, dass für die Commerzbank in Frankfurt 8000 Menschen tätig sind, für die Dresdner Bank 6000. Einige hundert davon dürften in Filialen arbeiten.

Laut Geschäftsbericht der Dresdner Bank arbeiten 8000 Mitarbeiter in den Geschäftsfeldern "Business Services" und "Corporate Functions" - also kundenfern. Doch nicht alle arbeiten in Frankfurt. Mehrere hundert zum Beispiel sind regional in der Vertriebssteuerung angesiedelt. Ähnlich schwierig ist die Abgrenzung in der Commerzbank. Im Geschäftsfeld "sonstige und Konsolidierung" arbeiten 9600 Menschen. Dort sind aber auch rund 1000 Auszubildende erfasst.

Überschlägig gerechnet dürften in beiden Banken jeweils 7000 Menschen mit zentral für den gesamten Konzern zu erfüllenden Aufgaben befasst sein. Mehr als 1000 Mitarbeiter beider Banken sind jeweils im Risikomanagement, im Controlling und in der Informationstechnik tätig. Mehrere hundert legen Eigenmittel (Treasury) an, auch in der Konzernsteuerung, in der Revision, der Kommunikation, im Marketing, in der Personalabteilung und in sonstigen den Vorstand unterstützenden Bereichen ("Stäbe") sind mehrere hundert Mitarbeiter angesiedelt.

Ein Verwaltungsapparat zuviel

Durch ein Zusammengehen von Dresdner Bank und Commerzbank ließe sich zumindest auf dem Papier einer von zwei Verwaltungsapparaten einsparen. Zwar sind bis Ende 2009 betriebsbedingte Kündigungen in der Dresdner Bank durch eine Vereinbarung von Vorstand und Betriebsrat ausgeschlossen, selbst wenn die Dresdner Bank den Besitzer wechselt. Die vor kurzem bis 2011 verlängerte Vereinbarung steht indes ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass betriebsbedingte Kündigungen nur im Fall unveränderter Eigentumsverhältnisse ausgeschlossen sind. Und angesichts der Machtverhältnisse zweifelt kaum jemand, dass die Dresdner-Bank-Mitarbeiter die Hauptlast tragen müssten. Schließlich ist die teurere Variante der Kündigung, der Aufhebungsvertrag, immer möglich.

Unklar erscheint indes, wie stark die Mitarbeiter im Vertrieb um ihren Arbeitsplatz fürchten müssten. Durch die Übernahme der Dresdner Bank käme die Commerzbank auf einen Schlag zu 1000 zusätzlichen Filialen. Schätzungen gehen dahin, dass trotz der nach Jahren der Internet-Euphorie wieder gestiegenen Wertschätzung für die Bankfiliale jeder fünfte Standort geschlossen würde - also rund 400 Filialen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer anderen Filiale der fusionierten Bank liegen. Dies hätte dann wohl auch einen Arbeitsplatz im Vertrieb von rund 2000 Mitarbeitern zur Folge. Zum Vergleich: Deutsche Bank und Dresdner Bank hatten im Jahr 2000 vorgehabt, im Zuge ihrer - später gescheiterten - Fusion 800 Filialen im Inland zu schließen und 16 000 Stellen zu streichen.

Diesmal könnte alles in allem, sollte die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank an diesem Wochenende doch vereinbart werden, ein Arbeitsplatzabbau von rund 12 000 Mitarbeitern bevorstehen - 7000 davon in den zentralen Bereichen, 3000 im Investmentbanking, vor allem in London, und im Vertrieb weitere 2000. Ein Kauf durch die Chinesen hingegen ließe zumindest die Hoffnung für die Mitarbeiter der Dresdner Bank noch nicht sofort dahin gehend sterben, dass die Zeichen einmal wieder auf Expansion stehen könnten. Denn was die Chinesen mit der Bank vorhaben, ist weitgehend unklar.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Felix Seuffert

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