ich hatte meine Worte bewusst gewählt und bei der Aufzählung der Anforderungen zuerst "zuverlässig" und "arbeitswillig" angeführt. Also einfach jemanden, der auch wirklich jeden Morgen auf der Arbeit erscheint. Einen, auf den man zählen kann, auch wenn der Wind mitunter etwas rauer weht. Einen, der geistig beweglich ist. Einen, der nicht permanent krank feiert, weil ihm sein Hausbau wichtiger als alles andere ist. Selbstverständlichkeiten? Mit nichten!
Die so gern von Ihnen zitierten Phrasen wie "passende Umgebung", "interessantes Entwicklungsfeld", "entgegengebrachter Respekt vor der Arbeit" gibt es nur in Stellenanzeigen. Die können Sie sich vorformuliert aus dem Internet laden. Das Leben ist hart und die Realität sieht, wie so oft, anders aus. Oder glauben Sie etwa immernoch, dass Anti-Aging-Creme Falten reduziert. Oder dass in der Milchschnitte Milch drin ist?
Und was die c't Gehaltsspiegel angeht, so verstehe ich beim besten Willen nicht, warum die eine "Dokumentation der Erbärmlichkeit" sein sollen. Bei uns liegen Einstiegsgehälter bei 4000 Euro, nach ein paar Jahren im Unternehmen bewegt man sich, auch wenn man kein grelles Licht ist, zwischen 5000 und 6000 Euro. Was ist daran erbärmlich? Lebe ich auf einem anderen Stern?
Lassen sie mich raten: Sie suchen einen Softwareentwickler, der so ziemlich alles kann, selbstlos flexibel ist, vor langweiligsten Aufgaben nicht zurückschreckt und möglichst nichts kostet.
Die sind ungefähr so selten wie der Yeti.
Wenn Sie eine kompetente Fachkraft suchen, dann müssen sie halt auch eine für eine kompetente Fachkraft angemessene Umgebung bieten. Geld gehört dazu, aber auch Aufstiegschancen (und die werden bei Ingenieuren meistens anders gesehen als bei Managertypen), entgegengebrachter Respekt vor der Arbeit (sehr wichtig, aber in den meisten Firmen nicht vorhanden).
Und wenn Sie nicht selbst vom Fach sind, werden Sie sowieso kaum ein Chance haben, jemand passendes zu finden, weil Sie eine Menge notwendiger Randparameter nicht verstehen werden.
Leute, die Bits und Bytes voneinander unterscheiden können, gibt es zuhauf. Bieten sie eine passende Umgebung, ein interessantes Entwicklungsfeld und einen ANGEMESSENEN Lohn, dann werden diese Leute Sie schon finden...
Und was den c't-Gehaltsspiegel angeht: das ist eine Dokumentation der Erbärmlichkeit, die erklärt, warum viele Profis sich entweder selbständig machen oder ins Ausland gehen. Mehr nicht.
... sieht leider genau so aus, wie sie die nüchternen Zahlen wiederspiegeln. Daran ändern auch fragwürdige Meldungen auf dem intellektuellem Niveau der BILD-Zeitung nichts.
Ich war selbst mehrmals in der Situation, Bewerber für Ingenieurstellen aussuchen zu dürfen (konkret: Softwareentwickler). Und ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich behaupte, dass der Markt im Moment einfach nichts hergibt. In unserer Zeit, in der (im Westen) praktisch Vollbeschäftigung unter Ingenieuren herrscht, ist es auch mit vielen Abstrichen unheimlich schwer, einen zuverlässigen, arbeitswilligen und fachlich wenigstens in Ansätzen kompetenten Ingenieur zu finden. Das heißt einen, der wenigstens ein Bit von einem Byte unterscheiden kann und der vielleicht sogar noch ein "Hallo Welt" Programm zustande bekommt.
Die IT-Gehaltsspiegel können Sie regelmäßig der c't entnehmen.
Wenn es darum geht, irrsinnige Managergehälter schönzureden, dann heißt es: "für weniger gibt es halt keine Spitzenkräfte". Einem Ingenieur werden aber ohne mit der Wimper zu zucken Jobs angeboten, die kaum über Facharbeiterniveau bezahlt werden. Im Heise-Forum erzählte einer, ihm sein bei einem Vorstellungsgespräch allen Ernstes 1300€ Brutto als Anfangsgehalt angeboten worden (Er hat laut lachend das Gespräch verlassen).
Wen wundert es dann, wenn die guten das Land verlassen und im Ausland arbeiten? Deutsche Ingenieure werden überall gesucht, und dort deutlich besser bezahlt als hier.
Aber die Industrie WILL nicht mehr zahlen. Im Gegenteil, das Gejammer soll die Politik dazu bringen, großzügigere Regelungen für Billigkräfte aus dem Ausland zu schaffen, die hier dann die Preise endgültig verderben.
Und dieses Gejammer kommt immer wieder. Zur Cebit jammern sie über zu wenig Informatiker und Programmierer (nachdem sie festgestellt haben, dass Indien nicht nur vom Preis, sondern auch fachlich eher uninteressant ist), und zur Hannovermesse sind es dann die Ingenieure.
Die Industrie sucht also nicht Ingenieure, Programmierer oder Informatiker (von allen dreien gibt es nämlich genug), sondern nichts als BILLIGE Arbeitssklaven.
Das Beste kommt erst noch: All die Eltern, die unter Aufbietung aller Kräfte und Mittel ihre Kinder erfolgreich durch unsere Bildungseinrichtungen lotsen, bereiten sie jetzt schon mit Volldampf auf fremde Arbeitsmärkte vor. Der ganze Kraftaufwand soll ja schließlich Früchte tragen. Nur wer's nicht schafft, bleibt hier.
Es ist traurig, pervers, schlimm, verrückt, ...!
Haben viele Entscheider immer noch nicht kapiert, dass dieser Wahn in ein unsagbares Tief führt?
Nichts gegen ein durchmischtes Mitarbeiterkontingent! Nichts gegen viele Altersgruppen in einem Unternehmen! Aber die Einstellung, mit über 50 ist man nicht mehr beweglich, ist KRANK !!!
Aus meiner Erfahrung im betrieblichen Alltag höre ich öfters Personalvorstände, Geschäftsführer und andere Entscheider, die im vertraulichen Gespräch untereinander behaupten, Menschen über 50 wären nicht mehr beweglich. Nicht nur Ingenieure, sondern in allen Berufen werden Leute dezent aus dem Berufsleben heraus befördert.
Entweder lagert man diese Arbeit an Externe, sprich Subunternehmer aus oder andere Dinge passieren.
Am liebsten würde ich diesen Verantwortlichen zurufen: Geht doch nach China, stellt nur junge Chinesen für einen Hungerlohn ein und schaut, wie weit Ihr damit kommt!
Mit solchen Jammerorgien fehlender Spezielkräfte, dem Verjüngungswahn und Auslagerungen an unkontrollierbare Sub oder SubSub-Unternehmer gefährdet Ihr den Standort Deutschland!
Ich bin 38 Jahre und stelle fest, dass selbst in meiner Generation gesiebt wird!!
Beispielsweise in der Sozialwissenschaft. Dort haben die Unis 1995 800 Absolventen auf den Arbeitsmarkt geschickt. 2005 waren es bereits 1.700.
Das beweist doch, dass die Zukunft nicht im Ingenieurwesen, sondern in der Sozialwissenschaft liegt. Die wird bereits am dem Jahr 2010 eine höhere Wertschöpfung erwirtschaften.
Auch anderes hat sich zum guten gewendet. Ministerin Schavan hat gerade eben 150.000.000€ für Professorinnenstellinnen locker gemacht (keine Angst, nicht ihr eigenes Geld, nur Steuermittel).
Wer jetzt noch jammert, dem ist wirklich nicht zu helfen.