Die Betriebe müssen aus Sicht der IG Metall bei ihrer Personalentwicklung umdenken. Nach einer Umfrage unter den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten hätten nur 20 Prozent angegeben, sich Gedanken über die Altersstruktur der Belegschaft zu machen, sagte Bezirksleiter Jörg Hofmann in Leinfelden-Echterdingen nahe Stuttgart. Wegen des stark wachsenden Anteils der 55- bis 64jährigen in der Bevölkerung dürfen sich die Arbeitgeber aber nicht aus ihrer Verantwortung für Ältere flüchten, sondern müßten systematisch Maßnahmen für altersgerechtes Arbeiten entwickeln.
Der Gewerkschafter forderte außerdem, es müsse auch in Zukunft Ausstiegsmodelle vor der gesetzlichen Rente geben. Wir können das Auslaufen der Altersteilzeit 2009 nicht akzeptieren, wenn kein wertgleicher Ersatz auf den Tisch kommt“, betonte Hofmann. Eine Erhöhung des Rentenzugangsalters erteilte der Bezirksleiter ebenfalls eine klare Absage: Die Rente mit 67 ist und bleibt ein Irrweg.“ Hofmann kündigte an, daß das altersgerechte Arbeiten zwar noch nicht 2007, aber in späteren Tarifrunde ein Thema werden kann.
Nach Angaben des Arbeitsmarkt- und Demographie-Experten Ernst Kistler vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes) wird sich der Anteil der 55- bis 64jährigen in der Bevölkerung bundesweit um rund ein Drittel in den nächsten 20 Jahren erhöhen. In Baden-Württemberg sei sogar ein Zuwachs um 45 Prozent zu erwarten. Der Professor sprach von einem Jugendwahn am Arbeitsplatz und einer mangelnden Akzeptanz von älteren Arbeitnehmern. Unter den gegenwärtigen Bedingungen müsse bei einer Rente mit 67 Jahren von einer breiten Front von Altersarmut ausgegangen werden. Auf dem IG-Metall-Kongress Altersgerechtes Arbeiten – Humane Arbeit für Jung und Alt“ in Leinfelden-Echterdingen wurde auch die Broschüre Tatort Betrieb“ vorgestellt. Darin werden Analysen und Hintergründe rund um das Thema humanere Arbeitsbedingungen dargestellt.
Text: dpa
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