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Jobs der Woche

Die „neuen Paare“

Schnell zurück auf die Karriereleiter



Wie schön: Am 15. Mai ist der "Internationale Tag der Familie"
15. Mai 2008 
Manchmal muss Bozica Niermann innerlich schmunzeln. Morgens feilscht sie mit Geschäftsleuten um Vertragsklauseln, nachmittags hockt sie mit ihrer 15 Monate alten Tochter Klara in der Krabbelgruppe und singt „Zehn kleine Krabbelfinger“. Die Frankfurter Diplom-Ingenieurin für Raumplanung und ihr Mann waren sich immer einig, dass sie beides unter einen Hut bringen wollen: Kind und Karriere. Schön sei das, sagt sie. Aber manchmal auch stressig. Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und des Bundesfamilienministeriums gibt ihr Recht. Familien, in denen Vater und Mutter Karriere machen, brauchen gute Nerven und Organisationstalent - sind aber erstaunlich häufig mit sich und der Welt zufrieden.

Die am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studie „Kinder und Karrieren: Die neuen Paare“ gibt Auskunft über die Situation von knapp 1200 Doppelkarrierepaaren mit Kindern und ist damit die bislang umfangreichste Untersuchung zu diesem Familienmodell, für das sich immer mehr junge Menschen entscheiden. Die Unternehmen, so zeigt die Studie, sind gut beraten, auch junge Frauen nach einer Geburt schnell wieder auf die Karriereleiter zu locken.

Niermann, die an der Neuplanung eines Stadtteils in Offenbach mitarbeitet, ist rund ein halbes Jahr nach der Geburt wieder in ihren Beruf eingestiegen, erst mal in Teilzeit. „Ich würde jeder Mutter raten, schnell in den Job zurückzukommen. Dann sind noch die Kontakte da, und man muss sich nicht neu in die Themen einarbeiten“, sagt sie.

Gesellschaftliche Vorurteile

Auch die finanzielle Unabhängigkeit bringt der Untersuchung zufolge viele Frauen dazu, kurz nach der Geburt dem Wickeltisch wieder den Rücken zu kehren. Der Partnerschaft tue das gut, stellen die Autoren fest. So können sich Mütter in die Berufswelt des Vaters hereinversetzen und umgekehrt. Langfristig, so heißt es, könnten Eltern die Herausforderungen moderner Lebens- und Erwerbsverhältnisse ohnehin nur gemeinsam schultern.

Doch gesellschaftliche Vorurteile, wonach der Mann das Geld nach Hause bringen und die Frau sich um Haus und Hof kümmern muss, sitzen laut Studie tief. Auch leiden Doppelkarrierepaare darunter, dass es nicht genügend Betreuungsplätze für Kinder gibt und Arbeitszeiten oft überhaupt nicht mit den Bedürfnissen des Nachwuchses zusammenpassen. Von „extremen Herausforderungen“ sprechen die Verfasser. Kein Wunder, dass laut der Untersuchung bei solchen Familien viel Geld für Kinderfrauen, Babysitter und Haushaltshilfen draufgeht.

Dass bei Bozica Niermann der Wiedereinstig in den Job so reibungslos klappte, lag auch an ihrem Chef, der ihr bei der Suche nach einem Kita-Platz half und sich flexibel zeigt. „Ich bin in der guten Situation, dass ich die Unterstützung meines Arbeitgebers habe. Im Gegenzug werde ich auch mal auf dem Spielplatz angerufen“, erzählt sie.

Steine in den Weg gelegt

Viele berufstätige Eltern bekommen hingegen vom Arbeitgeber Steine in den Weg gelegt. Fast jeder zweite der für die Studie befragten Frauen und Männer sieht familiäres Engagement als Karrierekiller. Knapp ein Drittel der Befragten beklagte, dass der Arbeitgeber nach einer Geburt Zweifel an ihrer Leistungsbereitschaft geäußert habe.

Damit die Fähigkeiten junger Mütter und Väter nicht zwischen Kinderzimmer und Spielplatz verloren geht, muss laut Studie noch viel passieren. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die berufstätigen Eltern das Leben leichter machen könnten. So wünschen sich viele berufstätige Eltern, dass Kitas, Ärzte und Behörden nicht um Punkt 16 Uhr dicht machen. Vor allem muss nach Ansicht der Autoren aber in die Bildung und die Betreuung von Kindern investiert werden. Ein durchgängiges Konzept der Ganztagsbetreuung vom Kleinkindalter bis hin zur weiterführenden Schule könne Eltern „enorm entlasten“, heißt es. Allerdings müsse auch die Qualität der Betreuung stimmen.

Doch selbst bei optimalen Betreuungsangeboten - Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen, bleibt ein anstrengender Spagat. Trotzdem sind laut Studie Paare, die ein partnerschaftliches Familienmodell leben, häufig zufriedener als Paare, bei denen eine traditionelle Rollenaufteilung herrscht - also die Frau eher für Haus und Kind zuständig sind. Auch Bozica Niermann mag es, zwischen Kinderzimmer und Büro hin- und herzupendeln. „Das ist eben die Bandbreite des Lebens“, sagt sie.

Für die Studie „Kinder und Karrieren“ hat die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin (EAF) den Angaben zufolge rund 1.200 Frauen und Männer befragt. Es sei die bislang umfangreichste Untersuchung dieser Art in Deutschland. Befragt wurden Paare, die als Selbstständige oder Angestellte in Führungspositionen tätig sind oder diese anstreben. Das Jahresbruttoeinkommen der Mehrheit liegt jeweils zum Teil deutlich über 100.000 Euro. Die Paare berichten in der Studie von flexiblen Arbeitszeiten, einem partnerschaftlichen Miteinander bei der Kinderbetreuung und häufig von einem strikten Zeitmanagement auch in der Freizeit. Viele beschäftigen Kinderfrauen und nehmen andere Dienstleistungen in Anspruch. Die Paare machten keinen Hehl daraus, dass ihr Berufs- und Lebensmodell nur auf Grund ihrer privilegierten finanziellen Situation möglich sei.

Bildmaterial: AP
 
 
   
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