Umstrittenes Lehrerbewertungsforum: spickmich.de

Virtueller Pranger

Triff diesen Typen besser nicht!

Wer am virtueller Pranger steht, muss ein dickes Fell haben. Juristen streiten, was in den Bewertungsportalen für Lehrer, Professoren, Ärzte und Handwerker erlaubt sein soll. Wann ist die Grenze zur Persönlichkeitsverletzung überschritten? Von Milos Vec

Lesermeinungen zum Beitrag

06. November 2008 15:22

Actio = reactio

Franz Josef Neffe (F.J.Neffe)

Wer in seiner Kritik ausfallend wird, in den muss, was da herauskommt, auch hineingekommen sein. Ganz offensichtlich werden PEINlichkeiten befürchtet von dem, was man aus Über- und Fehlreaktionen von Kritikern über sich selbst und das, was man getan hat, herauslesen könnte. Würden wir Pädagogik nicht grundsätzlich mit DRUCK anwenden, so könnte - actio = reactio - gar nichts zurückdrücken. Durch Re-Erpressung kommt Erpressung heraus. Wäre man geistig in der Lage, statt der Du-musst-Schule eine Ich-kann-Schule zu gestalten, so käme das SOG-Prinzip zur Wirkung. Werden Talente nicht mehr in hyperperfekte Schablonen gelockt bis gepresst sondern tatsächlich so behandelt, dass sie davon wachsen, hätten wir es mit gewachsenen Persönlichkeiten zu tun, und die haben nicht nötig, jemand sich an jemand mit Gleichem zu revanchieren und ihn abzuwerten. Das Ich-kann-Schule-Prinzip "Persönlichkeitswachstum geht vor Sachproblembearbeitung" könnte der Du-musst-Schule einen Weg pädagogischer Nachreifung zeigen. In der Ich-kann-Schule wüsste nicht nur der Lehrer sondern jedes Kind: "Wenn ich Deine Talente besser behandle als Du, mögen sie mich und folgen mir lieber als Dir." Was bliebe dann von den genannten Problemen noch übrig? Franz Josef Neffe

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06. November 2008 12:49

Bewertung ohne Wert...

Hans-Dieter Zorn (hdzorn)

... jeder Schüler/ Student weiß, welcher LehrerIn ihn wie bewertet / benotet hat, der LehrerIn hat das im Zweifel auch zu begründen.Diese anonymen Plattformen erziehen zu "Denuzianten-, Duckmäusertum"und Feigheit. Man kann unkontrolliert Personen gegebenenfalls beleidigen und diffamieren, ohne dass diese Personen sich verteidigen oder rechtfertigen können. Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet. Man kann hier wunderbar und anonym "alte Rechnungen begleichen" . Wenn schon bewertet wird, dann bitte nicht anonym. Vielleicht wird dann auch die heute häufig fehlende Zivilcourage und Ehrlichkeit wieder etwas gestärkt.

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06. November 2008 11:20

Der öffentliche Raum wächst

Philipp Kaehlitz (p-a-x)

Dass Menschen die öffentlich arbeiten auch öffentlich bewertet werden können, ist selbstverständlich. Auch dass die Art der Bewertung möglichst sachlich erfolgen sollte, dazu sind nun die Nutzungsbedingungen der Veröffentlicher geschaffen worden. Da unterscheidet sich das Interesse von faz.net bei Kommentaren nicht von anderen Kommentierungsseiten. Der interessante Punkt kommt zum Schluss : Offenbar sieht man in Deutschland immer noch das Böse überall herauf ziehen, wenn es um das liebe Geld geht. Der Konflikt zwischen Produktqualität und Rentabilität ist die Würze unseres Systems. Da gibt es keinen Unterschied zwischen dem Bäcker um die Ecke oder der Lehrerbewertungsseite. Man könnte mal thematisieren , wie denn die FAZ dieses Problem gelöst hat ? Brauchte es dazu auch Gerichte um Richtlinien für die Beitragsveröffentlichung zu setzen ?

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06. November 2008 10:36

Nicht alles was geht, sollte auch gemacht werden...

Klaus-Peter Menzing (theblueyonder)

Ich finde es langsam aber sicher unerträglich im Internet. Das 1000. "soziale Netzwerk" in dem man sich aus lauter Eitelkeit präsentiert und sich künstlich wichtig macht, seine Privatsphäre aufgibt und für jedermann durchleuchtbar macht und am Ende in der beruflichen Karriere fürchten muss, wegen der flüchtigen Bekanntschaft zu einem unsteten Charakter oder dem peinlichen Durchschnitt seines Freundeskreises in Zukunft benachteiligt zu werden. Und dann die 10000. Bewertungsplattform. Es wird alles bewertet, erst vom Abwaschschwamm bis zur Zahnbürste, dann auch noch einzelne Personen. Aber auch wenn ich kein Advocatus diaboli sein möchte: Diese Plattformen werden allesamt moderiert und kein User ist vollkommen anonym. Und neutrale Bewertungsplattformen für Professoren sind durchaus sinnvoll, gerade wenn man für seine Bildung in Deutschland neuerdings STUDIENGEBÜHREN bezahlen muss. Ich möchte dann aus dem Anspruch heraus, Kunde zu sein auch den optimalen Anbieter auswählen können- und das nicht aufgrund von Hochglanzprospekten der Universitäten oder kostenpflichtiger Berater. Und wen stört es schon, wenn er durchweg sehr gute Bewertungen bekommt und er einen exzellenten Ruf genießt, weil die Lehre einfach am besten ist? QED.

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06. November 2008 10:35

Die Zauberlehrlinge

Irene Henning (Ganzweitvorn)

Insbesondere auch aus dem Pädagogikbereich kamen ab Ende der 60-er Jahre jede Menge übelster Angriffe gegen Lehrende - garnicht so wenig verbreitet, wie man hier glauben machen will. Da wurden einzelne über Zeitschriften, Flugblätter und Fernsehen recht massiv weit sichtbar an den Pranger gestellt. Wer sich dagegen auflehnte wurde verhöhnt und als undemokratisch dargestellt. Eine wesentliche Forderung war, daß sich die Lehrenden beurteilen zu lassen hätten. Nun ist dieses Ziel erreicht. Ich sehe keinen Grund zu jeglicher Art von Mitleid oder Mitgefühl. Man kann unseren heutigen Schülern nur sagen: "Seid moderne Schüler und gebt den Lehrern reichlich von dem, was sie selbst gefordert haben!"

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06. November 2008 09:07

Triff die Schmierwand nicht

Maurice Hauss (MauriceH)

Eine anonyme Äusserung ist keine Mitteilung: es fehlt der Mitteilende. Eine anonyme "Beurteilung" wie oben erwähnt, ist Geschmier an der Wand einer öffentlichen Toilette oder in einem Hinterhof und keine Beurteilung, die ein nachvollziehbares Urteil enthält. Das Internet ist aus kommerziellen Gründen partiell zum Mülleimer der elendesten Situationen und Reaktionen geworden. Wohlgemerkt: es gibt keinen Anlass zu sagen ein Mülleimer sei nicht nötig. Wohl aber: das Ding da ist ein Mülleimer und nichts weiter. Diverse Geschäftemacher im Internet gehören eben zum Reinigungspersonal: sie freuen sich über jeden Dreck.

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06. November 2008 08:53

Manchmal wie im Mittelalter

Harry Hain (zx10)

nur mit einem modernen Anstrich überzogen. Wie gut, daß ich nicht nachdenken muß. Für mein Wissen habe ich ein Buch, für meine Gesundheit einen Arzt und für den rechten Glauben einen Pastor. (so ähnlich frei nach Kant) Jedem sollten, neben den vermeintlichen Vorteilen, auch die Nachteile (objektiv? ehrlich? rational? fair?) solcher Portale klar sein.

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