Wissenschaftsrat fordert

1,1 Milliarden Euro für bessere Hochschullehre

Die Lehre verbessern! Hörsaal der Universität Leipzig

Die Lehre verbessern! Hörsaal der Universität Leipzig

05. Juli 2008 Die deutschen Hochschulen müssen nach Auffassung des Wissenschaftsrates zur Verbesserung von Lehre und Ausbildungsqualität 1,1 Milliarden Euro pro Jahr mehr erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt das Expertengremium in seinen neuen „Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium“, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Vor allem in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen müsse die Betreuung der Studierenden dringend verbessert werden - um einen Studienabbruch zu vermeiden, die Studienzeiten weiter zu verkürzen „und das Kompetenzniveau der Hochschulabsolventen deutlich zu verbessern“.

Professoren als Autodidakten

In dem 112-Seiten-Papier wird scharfe Kritik an der Lehrqualität in den deutschen Hochschulen geübt. Die Professoren seien bei der Organisation ihrer Seminare wie auch bei der Art ihrer Vorlesungen „weitgehend Autodidakten“. Sie bedürften einer „professionell durchgeführten Aus- und Weiterbildung“, heißt es in den Empfehlungen, die am Montag in Berlin vorgestellt werden sollen. Der Wissenschaftsrat berät als unabhängiges Expertengremium Bund und Länder in der Hochschul- und Forschungspolitik.

Mit knapp 360 Millionen Euro pro Jahr sollen nach Auffassung des Wissenschaftsrates zusätzliche Professorenstellen finanziert werden, um die Betreuungsrelationen von Studierenden zu Professoren zu verbessern. Weitere 480 Millionen Euro halten die Experten für Tutorien, Beratung, zusätzliche Betreuung und Fortbildung der Professoren für nötig. Hinzu kommen weitere Sachmittel. Auch schlägt der Wissenschaftsrat den Aufbau eines Fachzentrums für die Hochschullehre vor.

Einstellung von Lehr-Professoren

Mehr Professorenstellen hält der Wissenschaftsrat besonders in den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften für nötig. Die Experten bekräftigen zugleich ihre frühere Forderung nach Einstellung von Lehr-Professoren, die sich zwölf Stunden pro Woche der Lehre widmen - statt der üblichen acht oder neun Stunden. Diese Lehr-Professoren sollten aber nicht von der Forschung ausgegrenzt werden.

Nach Auffassung des Wissenschaftsrats wird der Lehre an den Universitäten viel zu wenig Beachtung geschenkt. „Selbst eine offensichtliche Vernachlässigung der Lehre und der Studentenbetreuung wird allenfalls in Ausnahmefällen sanktioniert“, heißt es in dem Papier. „Erfolgreiche Forschung verhilft zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, größeres Engagement in der Lehre hingegen führt häufig zu höherer Arbeitslast durch mehr Studierende und mehr Prüfungen.“

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa

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