
Für mich gehört zur Begabung immer auch Interesse. Das Kind muß sein Ziel selbst entdecken und darauf zusteuern. Im günstigen Fall muß es auch noch Widerstände überwinden, etwa die Ignoranz der Eltern. Sind das eifrige Förderer (der berühmte Klavierunterricht), hindern sie das Kind eher daran, seine wahren Interessen zu finden. Der größte Fehler von Lehrern und Eltern ist heutzutage, das Kind darauf hinzuweisen, wie intelligent oder begabt es angeblich wäre. Damit stärken sie nur sein Ego oder die Beschäftigung mit sich selbst. Nichts stört Talent mehr, als wenn das Ego vor die Sache tritt. Zur Begabung gehört eben das lebenslange Hin und Her zwischen Begeisterung und Selbstzweifel. Förderung besteht für mich darin, dem Kind zu sagen, wo es einen Bibliotheksausweis bekommt. Aber selbst das muß es eigentlich selbst herausfinden, wenn es doch so hochbegabt ist.

Prof. Rost liegt einerseits richtig, wenn er die Förderhysterie anprangert, andererseits bietet unser Schulsystem kaum die Chance, daß Hochbegabte erkannt und ihre Bedürfnisse respektiert werden. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Begabten versagt in der deutschen Schule, da Schule langweilt, keine wirklichen Anreize bietet, weil sie einfach unterfordert. Das Resultat ist entsprechend unterdurchschnittlich. Im Saarland gab/gibt es eine große Diskussion über den diesjährigen Schulabschluß der Haupt- und der Realschüler in Mathematik. Gut 81% der Hauptschüler haben mit den Noten 4 bis 6 abgeschlossen, über 50% der Realschüler ebenso. Die Eltern fordern eine Anhebung der Noten durch das Kultusministerium. Das Ganze zeigt nur, daß die Anforderungen sinken und sinken, die Anlagen, die in unseren Schüler stecken, aber nicht gehoben werden. Mehr Differenzierung im Schulwesen ist notwendig. Wir brauchen die Förderung von Hochbegabten, der durchschnittlich Begabten und der weniger Begabten. Doch das will man nicht, es kostet zu viel. Frau Merkels Bildungsrepublik wird wohl an den Finanzen scheitern. Alle haben ein Recht auf eine ihren Anlagen entsprehende Förderung!