Wer ist die Laus im Pelz der deutschen Universität? (Diese Aufnahme gewann den dritten Preis des Fotowettbewerbs “Bilder der Forschung 2007“)

Universitätsreform

Die Lehrsklaven kommen

Trotz der an deutschen Universitäten vielfach aufgebrochenen Einheit von Forschung und Lehre wird das Humboldtsymbol weiter wie eine Monstranz vorangetragen. Aber wie lange noch - und wie könnte die Zukunft der Lehre aussehen? Von Jürgen Kaube

Lesermeinungen zum Beitrag

28. November 2007 20:06

Fachhochschulen

Zeit Kommi (zeitkommi)

Warum nicht die FHs ausbauen für die akademische Basisversorgung?

Unis sollten zu Forschungsunis umgebaut werden, die eine im Vergleich zu heute viel geringere Anzahl an Studenten forschungsnah (in kleinen Seminaren und Laborpraktika) ausbildet.

Das wäre ehrlicher und wahrscheinlich auch kostengünstiger, denn FHs sind sowieso schon verschult. Dazu müsste man nicht neue Studienordnungen erfinden.

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27. November 2007 13:18

@Der Staat muß Prioritäten setzen, weil nichts mehr zu verteilen ist.

Marcus Kaiser (ausgewandert)

Der Staat (hier: eher die Länder) setzt schon Prioritäten: In den letzten Jahren wurde die Anzahl der Lehrstühle in den Naturwissenschaften um 5% und in den Ingenieurwissenschaften um 13% verringert, d.h. durch Pensionierung freiwerdende Stellen werden kaum noch wiederbesetzt.

Das Problem ist jedoch das selbst vorhandene Stellen im Vergleich zu Stellen im Ausland nicht mehr konkurrenzfähig sind sowohl vom Lehr- und Verwaltungsaufwand, Gehalt, als auch von der (fehlenden) kritischen Masse an Kollegen mit denen man diskutieren oder zusammenarbeiten kann her.

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27. November 2007 12:17

Der Elite-Wettbewerb war der Anfang

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Man konnte es kommen sehen. Der Staat bestimmte, welche Unis sich als Elite bezeichnen können. Damit wurden alle übrigen Unis automatisch als zweitklassig kategorisiert. Die Elite-Unis werden ab sofort mit Forschungsgeldern bevorzugt. Das war der erste Schritt. Später erklärt man dann die Elite zu Forschungs-Unis und den Rest zu Lehr-Unis. Indem man den letzteren die Forschungsgelder vorenthält, ergibt sich das von selbst.

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27. November 2007 11:55

Staatlich bewirtschafteter Geist oder W. v. Humboldt reloaded?

Ludwig Paul Häußner (wittigofranko)

Das geschilderte Problem wurzelt noch tiefer. Solange die Hochschulen vom Kultus- und Wissenschaftsministerien aus reglementiert werden können, sind sie nicht autonom. Wie sagte doch Wilhelm vom Humboldt?

"Öffentliche Erziehung scheint mir daher ganz außerhalb der Schranken zu liegen, in welchen der Staat seine Wirksamkeit halten muß" in seiner Schrift <<Ideen zu einem Versuch die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen.

Deshalb sind frei-öffentliche Hochschulen erforderlich mit einer konsequenten Subjektförderung durch staatlich finanzierte Bildungsgutscheine.

Nur wenn wir Hochschulen als selbständige Unternehmungen - nicht Unternehmen -denken können, werden sich innovative Lehr- und Forschungskonzepte entwickeln in einem Qualitätswettbewerb zwischen den Hochschulen. Damit soll nicht einem CHE nach dem Mund geredet werden, sondern einem wirklich freien Geistesleben.

Kultur, Staat und Wirtschaft entfalten sich nach unterschiedlichen Ordnungsprinzipien, nach je eigenen Gesetzmäßigkeiten in einer gewissen Trennung voneinander. Aber sie sind auch aufeinander angewiesen. Nur von einem blühenden Kulturleben können dem Staat und der Wirtschaft immer wieder neue Ideen und befähigte Mitarbeiter zuströmen.


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27. November 2007 09:34

Wissenschaftler sollten den Ärzten, Flugkapitänen und Lokführern folgen

Ingo Hertrich (hertrich)

Das Problem ist, dass die deutschen Tarifsysteme nicht mehr zu einer gerechten Einkommensverteilung beitragen und dass deshalb der Wert von Arbeit prinzipiell neu definiert werden muss. Hierfür müssen sich einzelne Berufsgruppen, bei denen die Fehlbewertung offensichtlich ist, neu organisieren und ihre Forderungen stellen. Nach den Flugkapitänen, den Medizinern und den Lokführern dürften jetzt die Wissenschaftler und Dozenten an der Reihe sein. Hoffentlich gelingt es ihnen eine hinreichend schlagfertige Solidargemeinschaft aufzubauen.

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27. November 2007 02:07

Etikettenschwindel

Marcus Kaiser (ausgewandert)

Die Bezeichnung 'lecturer' ist irreführend da in Großbritannien die Lehrverpflichtung weniger als 4 SWS und nicht 12 SWS beträgt. Weiterhin gibt es im Ausland ein Dozenten:Studierenden-Verhältnis von 1:20 statt 1:60 wie in Deutschland. Statt unabhängige Wissenschaftlerstellen zu schaffen werden eher massiv (halbe) Doktorandenstellen geschaffen die kaum noch besetzt geschweige denn betreut werden können (mir sind Lehrstühle mit 15 Doktoranden und Null PostDocs bekannt). Zumindest ist die Voraussetzung der Habilitation nur konsequent: Wer verzweifelt genug ist in Deutschland zu habilitieren, wird wohl auch eine Lehrprofessur annehmen. Die große Mehrheit wird wie bisher Deutschland rechtzeitig verlassen...

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27. November 2007 01:57

Ein Lied davon singen

Hans Zimmer (uniter)

Ich habe diese Erfahrungen selber teilen müssen. Als Tutor bekam ich 7,14€ die Stunde brutto ohne irgendwelchen Arbeitschutz. Im Kontrast die alten Professorenbeamten mit ihren unkündbaren, lebenslangen Verträgen ohne jegliche Qualitätskontrolle. Dazwischen die wiss. Mitarbeiter, sie nach drei Jahren lustig aussortiert werden ohne Ausssicht auf Verlängerung unabhängig von der Leistung. Auch diese zählen eher ihre Zeit runter.

Die Lehre steht und fällt mit den Lehrkräften und diese werden in Deutschland nicht gut behandelt. Ich würde die Forschung nicht von der Lehre abkoppeln, weil sonst die "stressfreien" Forschungsposten an Begünstigte weggemauschelt werden und nur der "Rest" in die Lehre muss.

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26. November 2007 22:37

Warum nicht gleich Zeitarbeit?

Herrmann Mueller (Herbie_2005)

Die Zeitarbeit ist sowieso im Kommen. Und die Zeitarbeitsfirmen suchen händeringend nach gut ausgebildeten, möglichst akademischen Arbeitstieren.

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26. November 2007 22:18

hinzu kommt,...

Michael Hackl (hackl_m)

..dass noch studiengebühren erhebt werden, wobei das die situation der lehrenden und auch die qualität der universität leidet. fürchterlich.
lieber das arbeitslosengeld verlängern, als in die zukunft investieren. weiter so!

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26. November 2007 19:34

Schlechte Behandlung von Wissenschaftlern durch ihren Arbeitgeber

Seliger Weise (Seligerweise)

Da kommen wirklich die besten Ideen zusammen:
<br>* Habilitation beibehalten
<br>* Bezüge absenken
<br>* Lehrdeputat erhöhen
<br>* Verträge auf 2 Jahre oder darunter kürzen
<br>
<br>Das ist nicht nur im internationalen Vergleich beschämend, sondern auch im Vergleich mit anderen Staatsbediensteten. Lecturer in Großbritannien sind typischerweise unbefristet angestellt und haben ein Deputat von 2 bis 4 Stunden. Ähnliche Verhältnisse findet man in den Niederlanden. Nach meist 5-10jähriger Weiterbildung und Berufstätigkeit nach dem Studienabschluss, die eine Promotion, Auslandsaufenthalte und in der Regel Wochenarbeitszeiten von 50 Stunden und mehr beinhalten, ist eine befristete Einstellung nach TVL 12 verwunderlich. Wie steht es mit der Leistungsgerechtigkeit z.B. im Vergleich zu einem Gymnasiallehrer, der direkt nach Studium und kurzem Referendariat noch immer oft in ein A13 Beamtenverhältnis auf Lebenszeit übernommen wird und dabei dann deutlich mehr verdient? Mir scheinen diese Maßnahmen ein probates Mittel, den Brain-Drain weiter anzufachen. Rette sich wer kann!

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