21. Januar 2008
Mit zwei Studien zur Situation von Ingenieuren hat der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) die Situation für Studierende und Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik abgefragt. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.
Wie beurteilen Ingenieure in Deutschland ihre Situation?
Hochschullehrer und Young Professionals sind der Ansicht, dass Deutschland politisch, gesellschaftlich und infrastrukturell ein hervorragendes Umfeld für den technischen Fortschritt bietet. Über 75 Prozent beurteilen das allgemeine Interesse in der Bevölkerung und die Förderung von Innovationen durch Wirtschaft und Politik als gut oder sehr gut. Fast 40 Prozent der Befragten beschreiben Deutschland sogar als das Land mit dem besten Umfeld für den technologischen Fortschritt und Innovationen (gefolgt von den USA mit 36 Prozent und Japan mit 9 Prozent).
ntsprechend positiv beurteilen Young Professionals ihre Situation: Neun von zehn Ingenieuren sehen sich im Vergleich zu Absolventen anderer Studienfächer als eher besser gestellt durch ihr Studium. Vier von fünf Befragten beurteilten ihre gegenwärtigen Karriereaussichten als gut beziehungsweise sehr gut. Auch ihre berufliche Zukunft beurteilen die jungen Ingenieure zu 95 Prozent als positiv. Allerdings stimmten nur rund 40 Prozent der Young Professionals der Aussage voll zu, dass ihr Beruf krisensicher ist.
Wie schätzen Ingenieure die Bedeutung ihrer Aufgaben ein?
Nahezu alle Young Professionals beschreiben ihre beruflichen Aufgaben als abwechslungsreich und kreativ. Neun von zehn Befragten beurteilen das Image ihres Berufs zusätzlich als gesellschaftlich nützlich, sehr kommunikativ, international und mit guten Karriereaussichten. Ein Unterschied zu dieser positiven Selbsteinschätzung zeigte sich allerdings bei der Frage, wie die Ingenieure die Meinung ihrer Bekannten und in der Öffentlichkeit beziehungsweise in den Medien einschätzen: Während sich fast 100 Prozent aller Ingenieure für kreativ und nützlich für die Gesellschaft halten, glauben sie, dass nur rund 75 Prozent ihres Umfeldes dies so sehen.
Wie interessant ist das Ausland für Ingenieure?
Rund ein Drittel der Ingenieure hat während des Studiums Auslandserfahrungen gesammelt: Jeder Fünfte hat im Ausland studiert, jeder Vierte hat dort ein Praktikum absolviert. Beliebteste Länder für ein Auslandsstudium sind europäische Länder (50 Prozent Zustimmung) und hier vor allem Frankreich und Russland (je 10 Prozent Zustimmung) und die USA (19 Prozent). Jeder zehnte Auslandspraktikant hat sein Praktikum in Asien absolviert. Auch nach dem Einstieg ins Berufsleben sind Ingenieure stark an Auslandserfahrungen interessiert: 90 Prozent können sich vorstellen, in anderen europäischen Staaten zu arbeiten, 50 Prozent wären bereit, einige Berufsjahre in Asien zu verbringen.
Wie lange studieren Ingenieure?
Fachhochschüler melden sich in der Regel deutlich früher zur Diplomprüfung an als ihre Kommilitonen an den Universitäten: Während die Diplom-Studiendauer bei Universitätsabsolventen zwischen elf und zwölf Semestern liegt, waren dies bei Studenten der Fachhochschule nur zwischen acht und neun Semestern. Bei den Bachelorstudiengängen liegt die Studiendauer bei sechs bis sieben Semester, bis die Studierenden einen Abschluss an einer Fachhochschule oder Universität machen. Fast jede dritte Hochschule plant die Einführung einer Eignungsprüfung zum Bachelor/Diplom oder hat dies bereits umgesetzt. Wichtig ist dies, weil Studierende es in der Regel erst spät erkennen, wenn sie für ein ingenieurwissenschaftliches Studium ungeeignet sind: Die Hälfte der Universitätsstudenten verlässt den Studiengang erst im dritten oder vierten Semester. Bei den FH-Studenten fällt der Entschluss im Schnitt ein Semester früher.
Wie beurteilen Ingenieure ihre Ausbildung?
Young Professionals sind mit ihrer ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung in der Regel sehr zufrieden. Knapp 70 Prozent beurteilten ihr Studium im Hinblick auf die Berufsvorbereitung als gut oder sehr gut. Vielleicht liegt es auch daran, dass Studierende ingenieurwissenschaftlicher Fächer ihrer jeweiligen Hochschule in der Regel treu bleiben: Nur jeder Vierte hat während des Studiums seine Hochschule gewechselt. Trotzdem gibt es Kritik bei der Qualität der Vermittlung von Fertigkeiten, die von jungen Ingenieuren für besonders wichtig erachtet werden: So bewerten fast 80 Prozent anwendungsbezogenes Können und rund 60 Prozent Soft Skills, Fremdsprachen sowie Methoden- und Systemkompetenz als sehr wichtig für ihr Berufsleben. Aber nur jeder Zweite ist mit der hochschulischen Vermittlung von Kenntnissen in diesen Bereichen zufrieden. Insbesondere Ingenieure mit Personalverantwortung empfinden die Diskrepanzen zwischen beruflicher Anforderung und Vermittlung entsprechender Fähigkeiten im Studium als problematisch. Generell lässt sich sagen, dass das Studium nach wie vor als eher zu theorielastig empfunden wird - insbesondere, wenn man es an der Nützlichkeit der vermittelten Inhalte im Beruf misst, so VDE-Pressesprecherin Melanie Mora.
Wie leicht war der Berufseinstieg?
Ingenieure tun sich leicht damit, einen beruflichen Einstieg zu finden: Knapp 80 Prozent der jungen Experten haben weniger als zehn Bewerbungen geschrieben, um eine Stelle antreten zu können. Etwa die Hälfte aller Befragten haben dabei nur ein oder zwei Vorstellungsgespräche beziehungsweise Auswahltests absolviert. Nur jeder Fünfte benötigte mehr als fünf Vorstellungsgespräche.
Ein Praktikum beziehungsweise eine Studienarbeit ist dabei der wichtigste Erstkontakt zum späteren Arbeitgeber junger Ingenieure. Für über ein Drittel hat sich auf diese Weise die Tür zum späteren Arbeitgeber geöffnet. Rund ein Fünftel aller Ingenieure haben Internet-Stellenbörsen oder die Firmenhomepage eines Unternehmens für den Erstkontakt zu ihrem späteren Arbeitgeber gewählt. Eine Stellenanzeige in den Printmedien, den Kontakt über einen Bekannten oder Studienkollegen beziehungsweise den Besuch einer Recruiting-Messe nutzten 10 Prozent.
Welchen Technikfeldern gehört die Zukunft?
Die Informations- und Kommunikationstechnik, die Automatisierungstechnik sowie der Bereich Automobilelektronik und Antriebstechnologie bleiben nach Einschätzung der Hochschullehrer ingenieurwissenschaftlicher Fakultäten die wichtigsten technischen Innovationsfelder Deutschlands. Die Bereiche Energieerzeugung und Umwelttechnologie, Medizintechnik sowie Mikro- und Nanotechnologien werden aber hinzukommen und teils deutlich an Bedeutung gewinnen. Nachhaltige Zukunftschancen für die Forschung und Entwicklung in Deutschland ergeben sich zudem für den Bereich Vernetzung und Elektronik im Gebäude (Smart Home) und in der Verkehrstelematik.