16. Oktober 2008

Postbank

Was macht eigentlich ein Treasury-Manager?

Von Andreas Kunkel




12. Mai 2008 
Die Treasury-Manager der Postbank arbeiten im vielleicht sensibelsten Bereich des Geldinstituts. Sie müssen die finanziellen Risiken absichern und zugleich das Eigenkapital vermehren. Eugen Hamann ist seit zwei Jahren für den Kauf und Verkauf von Publikumsfonds verantwortlich. Dafür erarbeitet er Strategien und empfängt regelmäßig die Manager großer internationaler Fonds.

Als „Schatzmeister“ lässt sich Eugen Hamann nur ungern bezeichnen. Das sei bestenfalls eine Annäherung an die Aufgaben, die er als Treasury-Manager bei der Postbank übernommen hat. „Natürlich steht Treasury für Schatz, die Funktionen unserer Abteilung beschränken sich aber bei weitem nicht darauf, die Gelder der Bank zu verwalten, wie das ein Schatzmeister tun würde“, erklärt der 32 Jahre alte Volkswirt. Vielmehr gehe es darum, das Bankbuch, also das Eigenkapital der Postbank ebenso intelligent wie risikoarm zu investieren. Die Treasury-Manager der Postbank arbeiten dafür in mehreren kleinen Teams mit Spezialisten beispielsweise für quantitative Analyse, OTC-Derivate, Liquiditätsmanagement, Kundenprodukte oder Portfolioanalyse. Gemeinsam mit sechs Kollegen ist Hamann für den Bereich Global Markets verantwortlich und entwirft seit seinem Einstieg vor zwei Jahren Strategien für Investments in internationale Publikumsfonds. „Während ein Kollege sich vor allem auf die technische Analyse konzentriert und beispielsweise aus den vergangenen Performances eines Charts die weitere Entwicklung ableitet, arbeite ich an fundamentalen Analysen. So versuche ich beispielsweise, die Entwicklungen in einzelnen Märkten oder einer ganzen Volkswirtschaft mit in meine Betrachtung einzubeziehen“, erklärt der gebürtige Kasache. Dafür ist der Experte ab acht Uhr an seinem Arbeitsplatz, wo er aktuelle Meldungen der Wirtschaftsdienste bewertet und in Informationssystemen wie von Bloomberg oder Reuters gezielt nach weiteren Informationen sucht.

„Die Entscheidung aber, ob und welche Fonds gekauft oder verkauft werden sollen und wie das Portfolio sich zusammensetzt, fällt bei uns stets im Team“, sagt Hamann. Deshalb seien regelmäßige Treffen auch mit den anderen Treasury-Teams so wichtig. Jeden Morgen beispielsweise diskutieren alle „Schatzmeister“ die wirtschaftlichen Trends rund um den Globus und auf welche Weise Krisen wie etwa die Liquiditätsengpässe vieler internationaler Großbanken in der eigenen Strategie berücksichtigt werden können. Aber die Finanzexperten tauschen sich nicht nur intern aus. Jedes Telefon im Treasury-Management verfügt über mehrere Leitungen, die Eugen Hamann und seine Kollegen regelmäßig nutzen. Beispielsweise für die Aussprache mit Analysten von Partnerbanken der Postbank in London oder der Schweiz. Dabei geht es nicht nur um Kennzahlen und die Frage, welche Position in einem Fonds wie zu gewichten ist. „Das Entscheidende unserer Arbeit ist, die Daten und Fakten, die wir hereinbekommen, zu überprüfen und zu analysieren, ob Aussagen und Tendenzen zutreffen könnten oder nicht.“ Deshalb liest Hamann jeden Tag bis zu zehn Analystenpapiere, die teils mehr als 30 Seiten umfassen und sich mit Fragen wie etwa der Inflation, der Konjunkturdaten einzelner Länder und Regionen oder auch der Situation einzelner Banken auseinandersetzen. „Ich muss die kritische Distanz wahren und mir eine eigene Meinung bilden“, bringt es Hamann auf den Punkt. So überprüft er beispielsweise derzeit eine Analysten-These, nach der sich der Dax stets konträr zum Ölpreis entwickelt. Oder er sucht einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Rohstoffpreise und der Inflation. Weil die Treasury-Manager in der Regel nur mit Fonds arbeiten, die ein Volumen von mindestens 50 Millionen Euro haben, ist die Postbank für viele Fondsmanager aus Europa, Asien und den Vereinigten Staaten ein so wichtiger Handelspartner, dass sie regelmäßig nach Bonn reisen, um ihre Produkte vorzustellen und sich den Fragen der Experten zu stellen.

Dass die Treasury-Manager ihre Arbeitsplätze im ehemaligen Handelsraum des Postbank-Gebäudes haben, empfindet Hamann als „idealen“ Ort. Noch allerdings, so meint er, sei der Raum für die insgesamt 24 Treasury-Manager fast zu groß. „Wenn es nach mir ginge, könnten noch ein paar weitere Experten dazu- kommen“, meint er. „Genügend Platz hätten wir ja.“

Die Postbank sucht derzeit acht qualifizierte Einsteiger für die Bereiche Treasury, Controlling, Revision und Rechnungswesen. Die Bewerber sollten ein Wirtschafts- oder für eine Zielposition im Rechnungswesen auch mathematisches Studium mit gut oder sehr gut abgeschlossen haben. Der Einstieg erfolgt direkt, Absolventen sollten deshalb neben Praktika in dem jeweils angestrebten Bereich auch Erfahrungen im Rahmen eines drei bis sechs Monate dauernden Praktikums bei der Postbank gesammelt und dort möglichst auch die Diplomarbeit geschrieben haben.

Bewerbungen unter:
http://www.postbank.de/karriere

Text: Hochschulanzeiger Nr. 96, 2008, Seite 81
Bildmaterial: Postbank