15. Dezember 2009

Praktikant bei PwC zu werden ist nicht einfach

Student sucht Praktikum

Von Silvia Wirth



Thomas Teetz
14. Mai 2009 
Denn die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft siebt ordentlich aus. Von jährlich 8.000 Interessenten bekommen nur 600 den ersehnten Platz. Thomas Teetz ist Leiter des Personalmarketings und Recruitings beim Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse-Coopers. Von ihm wollten wir wissen, was man als Student machen muss, um einen der begehrten Praktikumsplätze zu bekommen.

? Herr Teetz, was sollte ein Praktikant mitbringen, der bei Ihnen anfangen will?
:
Er sollte zeigen, dass er an den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung besonders interessiert ist. Außerdem sind Team- und Kommunikationsfähigkeit für uns besonders wichtig.

Marcel Smieszkowski

? Worauf achten Sie bei den Bewerbungen besonders?
:
Wir suchen Studenten aus den Wirtschaftswissenschaften oder aus Fachrichtungen mit wirtschaftswissenschaftlichem Bezug, aber auch Jura. Entscheidend ist das Gesamtpaket des Kandidaten. Wir bevorzugen Bewerber mit guten bis sehr guten Noten. Entscheidendes Kriterium ist jedoch auch soziales Engagement, beispielsweise in Studenteninitiativen, im Sport oder in Debattierclubs.

? Und worauf sollten dementsprechend Studenten bei ihrer Bewerbung achten?
:
Wir haben festgestellt, dass die Funktion des Anschreibens immer mehr vergessen wird. Die Kandidaten sollten darin überzeugend darstellen, warum sie für uns die richtige Wahl sind, und reflektieren, warum sie ihr Praktikum bei uns absolvieren möchten. Jährlich bewerben sich bei uns etwa 8.000 Interessenten, von denen 600 genommen werden.

? Wer in die engere Auswahl kommt, muss als letzte Hürde das Vorstellungsgespräch meistern. Wie läuft das ab?
:
Das Vorstellungsgespräch führen Personalreferenten und Partner oder Manager. Es geht darum, zu klären, ob der Bewerber zum Unternehmen passt. Er sollte ehrlich interessiert sein an dem Beruf des Wirtschaftsprüfers und das Praktikum nicht nur wegen des Renommees von Pricewaterhouse-Coopers machen wollen. Da wir ein Praktikum bereits als Vorstufe für eine Weiterbeschäftigung betrachten, kann das Gespräch durchaus bis zu einer Stunde dauern. Ein Drittel unserer Beschäftigten rekrutieren wir aus früheren Praktikanten. Deshalb lohnt es sich für uns, schon hier darauf zu achten, wer gut in unser Profil passt.

Der Wirtschaftsprüfer-Praktikant Marcel Smieszkowski hat es geschafft. Acht Wochen lang war der 23-jährige Student als Praktikant bei Pricewaterhouse-Coopers und konnte während dieser Zeit testen, ob der Beruf des Wirtschaftsprüfers etwas für ihn ist. Sein Fazit heute: „Ich bin mir sicher, dass ich das machen will.“

Sein Praktikum bei PwC in Düsseldorf absolvierte Marcel Smieszkowski im September und Oktober 2008, mitten in der „busy season“, wenn fast alle Konzerne ihre Jahresabschlüsse zusammenstellen. „In der Zeit ist viel zu tun, weil die Vorprüfungen stattfinden“, erklärt der Wuppertaler. Das sind die Vorarbeiten für die Hauptprüfungen im Frühjahr. Während des gesamten Praktikums war Smieszkowski bei einem Kölner Mandanten im Einsatz. Er arbeitete in einer Gruppe mit vier Wirtschaftsprüfern zusammen und unterstützte sie bei der Erstellung von Prüfungsberichten. Acht Stunden am Tag analysierte Smieszkowski Bilanzen, bewertete die Angaben zum Anlage- und Umlagevermögen, prüfte Forderungen und Verbindlichkeiten - und war erstaunt, wie selbständig er arbeiten durfte. „Man wird hier nicht zum Kaffeekochen abgestellt, sondern bekommt wirklich Verantwortung übertragen“, sagt er.

Um das Praktikum zu bekommen, musste Smieszkowski unter anderem ein einstündiges Testgespräch mit Fachfragen überstehen. „Das dauert wahrscheinlich nicht immer so lange“, sagt der Student und grinst: „Aber ich rede eben viel.“ Nicht nur seine Persönlichkeit überzeugte PwC, auch sein Lebenslauf kann sich sehen lassen. Drei Sprachen spricht Smieszkowski fließend: Englisch, Spanisch und Italienisch. An der Uni lernt er seit einem halben Jahr außerdem noch Mandarin. Seit 2006 ist Smieszkowski Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung. Er war Dozent in der Erwachsenenbildung und gibt mittlerweile bei einem Sprachlehrinstitut Grundkurse in Englisch und Kurse in Businessenglisch. Seit der 11. Klasse gibt er für Migranten Sprachkurse in Deutsch und Englisch. An der Uni ist er Tutor.

Smieszkowski kann sich gut vorstellen, die dreijährige Berufspraxis für das Wirtschaftsprüferexamen bei PwC zu absolvieren und auch langfristig für das Unternehmen zu arbeiten. Sein Ziel ist es, später ins Ausland zu gehen. „Ich würde gerne im englisch- oder spanischsprachigen Raum arbeiten, damit ich meine Sprachkenntnisse auch anwenden kann.“ Damit auch alle seine Wünsche in Erfüllung gehen, hat Smieszkowski nach dem Praktikum seinen Studienschwerpunkt erst einmal auf internationale Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung verlegt.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 102, 2009, Seite 54
Bildmaterial: ptivat, Zeitenspiegel, Kathrin Harms