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| Fabian Stehle |
14. April 2009
Wir stellen vier Mediziner und ihre Jobs vor:
Der promovierte Mediziner Fabian Stehle absolvierte ein Fernstudium in BWL und arbeitet heute bei der Allianz als Versicherungsmediziner.
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| Jan Liebeneiner |
Diagnose: Herzinfarkt. Der Patient, noch relativ jung, wird nach drei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Da wird man natürlich sofort aufmerksam, stellt Fabian Stehle fest. Doch so einfach sind die Fälle nur selten. Im Leistungsmanagement der privaten Krankenversicherung der Allianz füllt der promovierte Mediziner Rechnungen mit Leben. Welche Behandlungsschritte sind plausibel? Ist es möglich, dass ein Infarktpatient nach drei Tagen das Krankenhaus schon wieder verlässt? Einige Kliniken versuchen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die das System der diagnoseorientierten Fallpauschalen bietet, so Stehle. Die Einführung der sogenannten DRGs zur Rechnungsstellung hat er als Student in seinem Praktischen Jahr hautnah miterlebt: Die Verwirrung war groß. Gerade deshalb reizte ihn das Thema. Heute ist Fabian Stehle Experte in puncto Fallpauschalen. Ein BWL-Fernstudiengang für Ärzte rundete die Sache ab. Direkt nach dem Studium vor vier Jahren stieg er als Referent bei der Allianz Private Krankenversicherungs AG ein und arbeitet seitdem in einem Team mit zwei weiteren Medizinern. Wir bilden eine Art Back Office zum Thema DRG, um den Sachbearbeitern vor Ort die Einschätzung zu erleichtern. In Schulungen vermitteln die Ärzte medizinisches Hintergrundwissen, und sie geben Tools an die Hand, um Unstimmigkeiten mit Hilfe spezieller Software herauszufiltern. Zu den Kollegen im weißen Kittel pflegen die Versicherungsmediziner weiterhin regen Kontakt. Wir entwickeln zum Beispiel umfassende sogenannte Managed-Care-Programme und verhandeln dabei mit Kliniken und Ärzten, mit denen wir diese Konzepte umsetzen können. Soeben hat der Dreißigjährige ein großes Projekt zur Integrierten Versorgung geleitet, das sich um eine stärkere Verzahnung der Angebote von Krankenhäusern und Ärzten bemüht. Dinge voranzubringen und neue Lösungen zu kreieren, das ist das Spannende an meinem Job, stellt Fabian Stehle fest. Zum Wohle des Patienten und im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit.
Jan Liebeneiner hat nach seinem Medizinstudium noch einen Master drangehängt und stieg anschließend ins Krankenhausmanagement ein.
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| Tina Kaffenberger |
Zwei Jahre lang hatte Jan Liebeneiner fast kein Wochenende frei. Neben der Facharztausbildung in der Unfallchirurgie in Celle absolvierte der promovierte Mediziner ein berufsbegleitendes Studium zum Master of Hospital Management in Kiel. Anstrengend - aber das Beste, was mir je passiert ist, stellt er rückblickend fest. Die schwierigen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus kannte ich sehr gut, aber was betriebswirtschaftlich und organisatorisch sonst noch alles im Argen liegt, habe ich erst in diesem Studium gelernt. Sein Ziel: die zusätzlich erworbenen Kenntnisse im Management von Krankenhäusern einzusetzen und an leitender Stelle dafür zu sorgen, dass sich die Arbeitsbedingungen der Ärztekollegen verbessern. Als Referent des Vorstands Krankenversorgung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) steht der 36 Jahre alte Chirurg am Anfang dieses Weges. Seine Aufgabe ist es, den medizinischen Vorstand in allen organisatorischen Fragen zu unterstützen. Sein Chef, der Anästhesist Andreas Tecklenburg, gehört zu den Vorreitern einer neuen Generation von Ärzten, die zunehmend in die Leitung von Kliniken drängt. Damit ist er ein gefragter Fachmann, quer durch die Republik. Sein Referent stellt ihm wichtige Informationen zusammen, bereitet Vorträge vor, handelt Kooperationsverträge mit Rehakliniken aus, kümmert sich um Patienteninformationssysteme und organisiert Veranstaltungen wie den Innovationsgipfel der MHH. Jan Liebeneiner hat mit allen Themen zu tun, die eine Krankenhausverwaltung in Schach halten, vom Personalschlüssel über vertragsarztrechtliche Fragen bis hin zu Patientenbeschwerden. Als Facharzt kennt er das System auch von der anderen Seite sehr genau und weiß, was es im Stationsalltag bedeutet, wenn in einer Abteilung Personalkosten eingespart oder Fallzahlen gesteigert werden sollen. Man bringt ein Bewusstsein dafür mit, wie sich Zahlenspielereien in der Realität auswirken können - und dass sie oft gar nicht den erwünschten Effekt erzielen.
Tina Kaffenberger arbeitet als Assistenzärztin an einer Klinik in der Schweiz. Die Arbeitsbedingungen sind dort um einiges besser als in Deutschland.
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| Sandra Jahn |
Bessere Ausbildung, attraktivere Arbeitsbedingungen, mehr Personal - drei Gründe, die Assistenzärztin Tina Kaffenberger in die Schweiz gelockt haben. Seit einem Jahr arbeitet die Medizinerin an der Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie der Universität Zürich. Ihr Alltag auf der Akutaufnahmestation wird von vielen Gesprächen mit Patienten geprägt, die unter Psychosen, Manien und Suchtproblemen leiden.
Bereits während des Studiums hatte sie Praktika und Teile des Praktischen Jahres in der Eidgenossenschaft absolviert. Eine engere Betreuung der Assistenzärzte durch die Oberärzte ist typisch für die Schweizer, sagt die 28-Jährige, die an der Universität Heidelberg/Mannheim studiert hat. Es gibt viel mehr bedside-teaching. Auch die Rahmenbedingungen insgesamt sind deutlich angenehmer. Kein Kampf um Kugelschreiber oder Arbeitsplätze am PC, um für die zeitaufwendigen Dokumentationen Zugang zum Computer zu bekommen. An deutschen Kliniken ein täglich Brot. Auch ganz wichtig: Die 50-Stunden-Woche ist vertraglich festgeschrieben. Das Arbeitspensum ist zwar ähnlich wie in Deutschland, aber hier werden die Stunden auch bezahlt. Der Nettoverdienst fällt für die Assistenzärztin in der Schweiz deutlich besser aus. Allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten hoch, gerade hier in Zürich, so dass im Endeffekt nicht mehr übrig bleibt. Der Andrang ist dennoch groß - auch die Berglandschaft lockt. Und so kann es sich das kleine Land leisten, weniger Studienplätze als statistisch nötig anzubieten. Besonders in der Psychiatrie werden Ärzte händeringend gesucht, stellt Tina Kaffenberger fest. Der starke Zuzug führt in Schweizer Kliniken zunehmend zu anderen Strukturen, auch zu einer weniger intensiven Betreuung der Assistenzärzte. An unserer Klinik sind nur noch wenige Ärzte Schweizer, die meisten sind Deutsche.
Sandra Jahn ist Medizinerin in der Arzneimittelsicherheit. Ihre Aufgabe: das Aufspüren von Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten.
Der Klinikalltag gefiel ihr nicht. Das habe ich schon im Praktischen Jahr festgestellt, sagt Sandra Jahn. Aber den Bezug zur Medizin wollte ich auf keinen Fall verlieren. Seit einem Jahr arbeitet die promovierte Medizinerin in der Arzneimittelsicherheit der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH am Standort Frankfurt-Höchst - die Pharmakologie hatte es ihr schon im Studium angetan. Wir bearbeiten Verdachtsfälle zu Neben- und Wechselwirkungen, erklärt die 27-Jährige. Kommt es nach Einnahme eines Medikaments zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen, werden Sandra Jahn und ihre Kollegen aktiv. Dazu nehmen wir Kontakt zu Ärzten und Apothekern auf und sammeln möglichst viele Informationen: Was genau ist passiert, wie sah die Reaktion aus, gab es vielleicht schon vorher Symptome, welche anderen Arzneimittel wurden gegeben? Was der Medizinerin daran besonders gut gefällt, ist die Arbeit an echten Fällen. Auch wenn wir nur selten direkten Kontakt zum Patienten haben, sprechen wir über real existierende Menschen und ihre Probleme. Ein gewisses Faible für die Arbeit am Computer sollten Mediziner in der Arzneimittelsicherheit mitbringen. Unsere Tätigkeit spielt sich vor allem am Bildschirm ab. Sandra Jahn arbeitet in einem Team aus Medizinern und Apothekern. Wir tauschen uns untereinander sehr stark aus, zugleich ist jeder für einen bestimmten Bereich zuständig - ich betreue Teile der Onkologie und die Rheumatologie. Mit den verschiedenen Präparaten musste sich die Ärztin anfangs ebenso intensiv beschäftigen wie mit den Feinheiten des Arzneimittelrechts und der Datenbank: Es ist ein learning by doing, kombiniert mit internen und externen Fortbildungen. Schwieriger gestaltet sich gelegentlich der Austausch mit den Kollegen im Krankenhaus. Klinikärzte haben wenig Zeit, sagt Sandra Jahn. Sie braucht deshalb Geduld und Hartnäckigkeit, um die vielen kleinen Puzzlestückchen für eine Diagnose zusammenzutragen. Man kann aber viel leichter auf die Ärzte zugehen, wenn man weiß, wie ihr Alltag aussieht.