10. Dezember 2007
Es gibt zwar keine Jobmesse, die sich nur auf Geisteswissenschaftler konzentriert, dafür gibt es aber Jobmessen, auf denen sich Unternehmen präsentieren, die explizit auf der Suche nach Geisteswissenschaftlern sind: Dazu zählen beispielsweise:
Talents in München
http://www.talents.de
Absolventenkongress in Köln
http://www.absolventenkongress.de
Job & Master Messe in Bochum
http://www.einstieg.com
Warum verkaufen sich Geisteswissenschaftler so schlecht?
Geisteswissenschaftler befinden sich nach wie vor häufig im Rechtfertigungszustand gegenüber Eltern, der Gesellschaft, sich selbst, wenn es um Zukunftsperspektiven und die Frage nach der Verwertbarkeit geht. Die Folgen: ein mangelndes Selbstbewusstsein hinsichtlich ihrer beruflichen Fähigkeiten. Vor allem aber im Vergleich zu Kollegen aus den vermeintlich harten Studienfächern fehlt es Geisteswissenschaftlern an der nötigen Eigen-PR. Sich selbst tendenziell unter Wert zu verkaufen gilt daher unter Karriereberatern als eines der größten Mankos vieler Geisteswissenschaftler.
Warum sollte man sich als Geisteswissenschaftler nicht auf seine Soft Skills verlassen? Geisteswissenschaftler haben gelernt, dass die Pfunde, mit denen sie bei Personalern wuchern können, ihre Soft Skills sind. Doch keinem Personaler reicht die Behauptung, man habe in seinem Studium ganzheitliches Denken, Kommunikationsstärke und Problembewusstsein gelernt - Personaler wollen Beweise. Deshalb lautet die Hausaufgabe vor jeder Jobmesse: Alle Ferienjobs, ehrenamtlichen Tätigkeiten und Praktika auflisten und zu jeder Tätigkeit überlegen, welche Fähigkeiten man hier unter Beweis stellen konnte. Wer es dann noch schafft, seine Formulierungen in gepflegtes BWLer-Deutsch zu übersetzen, hinterlässt garantiert bleibende Eindrücke.
Warum sollten Personaler Geisteswissenschaftler einstellen?
Wer jahrelang Vorurteilen und Rechtfertigungsdruck ausgesetzt ist, entwickelt besondere Fähigkeiten und Stärken, die im Berufsalltag im Unternehmen von hoher Bedeutung sein können. Versuchen Sie es bei Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch doch mal mit diesen Argumenten:
Selbstmotivation: Was sonst hat einen bis zum Ende des Studiums getrieben?
Selbständigkeit: Wie hätte man sonst ohne Vorgaben seine Scheine, die Hausarbeiten, die Magisterarbeit und all die Vorlesungen, in denen einen niemand erwartet, besucht und bestanden?
Unabhängigkeit: Warum sonst hat man trotz aller Vorurteile über die Geisteswissenschaften sein Studium nicht geschmissen?
Selbstbewusstsein und Glaube an sich selbst: Käme man sonst als Geisteswissenschaftler auf eine Jobmesse?
Mut zum Zweifeln und die Fähigkeit, Zweifel zu überwinden: Wie hätte man ansonsten länger als ein Semester studiert?
Allgemeine Jobsituation
45 Prozent aller Geisteswissenschaftler brechen ihr Studium vorzeitig ab.
55 Prozent aller Geisteswissenschaftler haben ein Jahr nach Beendigung ihres Studiums einen festen Job; das sind laut Hochschul-Informations-System mehr als doppelt so viele wie noch vor zwölf Jahren.
Das Einstiegsgehalt für Geisteswissenschaftler liegt (laut Umfrage von McKinsey) mit durchschnittlich 1.700 Euro brutto im Monat fast 50 Prozent unter dem von Informatikern, Wirtschaftswissenschaftlern oder Ingenieuren.
73 Prozent aller Geisteswissenschaftler haben fünf Jahre nach Beendigung ihres Studiums einen festen Job (Durchschnitt: 87 Prozent).
Jobinfos speziell für Geisteswissenschaftler im Internet
http://www.ba-bestellservice.de
Unter dieser Adresse kann man den Arbeitsmarkt Kompakt 2007 für Geisteswissenschaften der Bundesagentur für Arbeit herunterladen. Die Broschüre gibt einen Überblick über die aktuelle Arbeitsmarktsituation von Geisteswissenschaftlern, über die Erwartungen von Arbeitgebern und Chancen im Ausland.
http://www.abc-der-menschheit.de
Informative Homepage zum Jahr der Geisteswissenschaften mit vielen Tipps und Veranstaltungshinweisen. Herausgeber ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
http://www.unternehmensgeist.net
Die Homepage beschäftigt sich mit Berufschancen von Geisteswissenschaftlern in der Wirtschaft mit aktuellen Beiträgen, Tipps und Job-Blogs.
http://www.career-service-network.de
Studentisches Netzwerk für Geistes und Sozialwissenschaftler, die Kontakt zu Unternehmen und Wirtschaft suchen.
http://www.uni-hamburg.de/ fachbereiche-einrichtungen/astub Internetseite der Arbeitsstelle Studium und Beruf der Uni Hamburg, die Geisteswissenschaftlern beim Einstieg in den Arbeitsmarkt helfen soll.
Buchtipps
Marc Daniel: Sie haben also überhaupt keine Ahnung. Berufswahl-, Studien- und Bewerbungsstrategien für Geistes-, Sozial- und Sprachwissenschaftler
Books on Demand, 2007, 108 Seiten, 9,90 Euro
Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader: Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch Eichborn Verlag, 2007, 576 Seiten, 19,90 Euro
Frank Schneider, Bettina König, Susanne Rinecker: Vom Praktikum zum Job
Haufe, 2006, 209 Seiten, 16,80 Euro
Simone Janson: Der optimale Berufseinstieg. Perspektiven für Geisteswissenschaftler Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006, 126 Seiten, 14,90 Euro
Uwe Scheler: Erfolgsfaktor Networking
Piper, 2005, 274 Seiten, 9,90 Euro
Florian Keisinger, Steffen Seischab: Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte
Campus Verlag, 2003, 197 Seiten, 15,90 Euro