15. November 2009

Form follows function

„Programme einfacher und verständlicher machen“

Von Rouben Bathke und Anne Götz



18. Juni 2007 
Anders als der Name vermuten lässt, geht es dem IT-Designer bei seiner Arbeit nicht ums Ästhetische, sondern um Funktionalität. Oder anders gesagt: In seinen Augen ist eine Software erst dann schön, wenn sie einfach und verständlich zu bedienen ist. Wer sich dafür begeistern kann, muss nicht unbedingt Informatik studiert haben. Viele Software-Hersteller nehmen sogar lieber Quereinsteiger für diese Aufgabe.

Anne Dressler-Benad arbeitet in einem SoftwareUnternehmen - doch mit dem Programmieren hat sie nichts am Hut. Stattdessen kümmert sie sich um das Veredeln der Programme. Seit einem Dreivierteljahr arbeitet Dressler-Benad bei der Potsdamer Firma D-Labs. Das Unternehmen berät IT-Firmen bei der Entwicklung von Software-Produkten. Und Dressler-Benad unterstützt sie als „Design-Consultant“ bei der Gestaltung ihrer Programme.

„Wir entwerfen das spätere Design des Programms“, berichtet die Berufseinsteigerin, die an der Technischen Universität Dresden Medieninformatik und Psychologie studiert hat. Der Bedarf ist groß: „Software wird immer komplizierter, dadurch entstehen Probleme bei der Bedienbarkeit“, berichtet sie. „Da kommen wir ins Spiel. Unser Job ist es, Programme einfacher und verständlicher zu machen.“
Experten sprechen von IT-Design, wenn sie Aufgaben wie die von Dressler-Benad beschreiben wollen. Dabei hat die Arbeit weniger mit Ästhetik als mit Funktionalität zu tun. „Wir schauen vor allem nach dem Sinn hinter den Funktionen und nicht so sehr, ob das Design wirklich schön ist“, sagt Dressler-Benad. Bedienbarkeit - in der Fachsprache Usability genannt - ist einer der zentralen Faktoren in der Software-Entwicklung geworden.

„Wir schauen vor allem nach dem Sinn hinter den Funktionen und nicht so sehr, ob das Design wirklich schön ist.“

Ähnlich wie andere Fachkräfte in der Software-Branche sind auch IT-Designer rar. Weil hier neben Informatikkenntnissen auch viele weitere Fähigkeiten gefragt sind, haben es Quereinsteiger besonders leicht. „Das ist überhaupt nicht ungewöhnlich“, weiß Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beraters Harvey Nash. „Solche Quereinsteiger bringen häufig Qualifikationen mit, die reine Informatiker nicht haben.“

Idealerweise kennen Neulinge schon die Branche, für die die Software gedacht ist. „Solche Menschen kennen die Arbeitsprozesse beim Kunden und können IT-Lösungen einfach an dessen Bedürfnisse anpassen“, sagt Nadolski. Entsprechend gern gesehen sind sie als Bewerber bei Beratungshäusern und Software-Entwicklern.

Auch IT-Designerin Dressler-Benad fiel der Berufseinstieg leicht. Mit ihrem Medieninformatik-Studium ist sie zwar keine klassische Quereinsteigerin, doch ihr zweites Fach Psychologie kommt ihr bei ihrer heutigen Tätigkeit zugute. „Die Interviewtechniken aus meinem Studium kann ich auch bei unseren Kunden anwenden, um herauszufinden, was sie brauchen und was nicht.“

Die Arbeitsabläufe im IT-Design bestehen immer aus drei Schritten. Zuerst müssen die Designer herausfinden, was der Auftraggeber von einem Programm verlangt. „Dazu fahren wir direkt zum Kunden und schauen ihm ein wenig bei der Arbeit über die Schulter, um Arbeitsplätze und Abläufe genau zu erfassen“, berichtet Dressler-Benad. Im nächsten Schritt werden die Erkenntnisse ausgewertet und ein grobes Design geplant. Das Software-Unternehmen, das mit der eigentlichen Programmierung beauftragt ist, hat dann meist seine Arbeit schon abgeschlossen. Jetzt fehlt nur noch die Benutzeroberfläche, mit der sich das Programm möglichst bequem bedienen lässt. „Am Anfang entwerfen wir mit ein paar Skizzen einen ersten Prototyp auf Papier. Wenn wir den haben, gestalten wir mit Grafikanwendungen wie Photoshop oder Flash die einzelnen Bedienelemente, zum Beispiel Eingabefelder und die Buttons“, berichtet die IT-Designerin. So entsteht langsam der sogenannte „Click Dummy“, eine Oberfläche ohne Funktionen. Die Verknüpfung übernimmt später die Software-Firma, die das eigentliche Programm entwickelt hat.

Manchmal brauchen alte Programme auch nur einen neuen Schliff. Dann müssen die IT-Designer herausfinden, wie der Kunde sein Programm eigentlich nutzt. Bei manchen Funktionen stellt sich dabei heraus, dass sie überflüssig sind. Dressler-Benad kennt dann kein Pardon: „Die schmeißen wir einfach raus.“

Aufbaustudiengänge für IT-Designer an deutschen Hochschulen

Fachhochschule Heidelberg
Studiengang Multimediainformatik (berufsbegleitend)
www.fbi.fh-heidelberg.de



Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven
Online-Studiengang Medieninformatik (Master)
www.technik-emden.de



Fachhochschule Furtwangen
Studiengang Medieninformatik
www.fh-furtwangen.de



Technische Universität Hamburg-Harburg
Masterstudiengang Information and Media Technologies
www.tu-harburg.de



Technische Fachhochschule Berlin
Masterstudiengang Medieninformatik
http://www.tfh-berlin.de



Fachhochschule München
Masterstudiengang Informatik (auch berufsbegleitend)
http://www.cs.fhm.edu/m_inf



RWTH Aachen
Masterstudiengang Software Systems Engineering www-i5.informatik.rwth-aachen.de/msc/

Universität Hamburg

Masterstudiengang Informatik
www.informatik.uni-hamburg.de/Info/Studium/MSc

Text: Hochschulanzeiger Nr. 91, 2007