12. Dezember 2009

Reichlich Jobs für Doppelbegabte

Technische Redakteure

Von Peter Trechow




20. November 2006 
Für Technische Redakteure ist Arbeitslosigkeit ein Fremdwort. Denn die Fähigkeit, komplexe Technik in gut lesbare und exakte Anleitungen und Dokumentationen zu übersetzen, ist so selten wie gefragt.

Es ist leichter, als Techniker oder Ingenieur die nötigen kommunikativen Fähigkeiten zu erwerben, als mit rein geisteswissenschaftlichem oder journalistischem Background in die Technische Redaktion einzusteigen“, steckt Tekom-Sprecher Gregor Schäfer gleich zu Beginn des Gesprächs das Feld ab. Denn es geht immer auch um Quereinstiege, wenn von Technischen Redakteuren die Rede ist. Eine Studie seines Fachverbands brachte 2002 an den Tag, daß 93 Prozent der circa 70.000 vollberuflichen Technischen Redakteure auf Umwegen in diesen vergleichsweise jungen Beruf fanden.

Zwar gibt es inzwischen diverse Studiengänge an Hochschulen und private Bildungsinstitute, die gut ausgebildete Technische Redakteure in den Arbeitsmarkt entlassen. Doch laut Schäfer herrscht noch immer Fachkräftemangel. Auf tausend Stellen jährlich kämen nur drei- bis vierhundert Absolventen. Deshalb nimmt sich Tekom mit einigen Mitgliedsfirmen selbst der Aus- und Weiterbildung an. Unter anderem bietet der Verband Volontariate an, in denen der Nachwuchs in Betrieben mitarbeitet und nebenher außerbetriebliche Schulungen erhält.

Das Angebot richtet sich an Absolventen und Abbrecher technischer Studiengänge. Außerdem können sich technisch interessierte Medienfachleute und Fremdsprachenübersetzer bewerben. Entsprechend ihrer Vorkenntnisse dauert die Ausbildung ein bis zwei Jahre. Feste Starttermine gibt es nicht - je nach Bedarf der Unternehmen fangen Volontäre individuell an. Die Plätze sind laut Schäfer begehrt: „Auf jede der jährlich 20 Stellen kommen fünf Bewerber“, berichtet er.

Daneben versprechen auch die Studiengänge an Fachhochschulen und Unis gute Jobperspektiven. Ihre Absolventen sind bei Unternehmen verschiedenster Industriezweige und bei Dienstleistern gefragt, die Outsourcing technischer Dokumentationen anbieten. Einer davon ist die bundesweit aktive Tanner AG mit 180 Mitarbeitern. Sieben externe Geschäftsstellen bedienen Kunden verschiedener Branchen, von Auto bis Software und von Medizintechnik bis Luft- und Raumfahrt. Um permanenten Austausch mit den Entwicklern der Kunden pflegen zu können, arbeiten die Mitarbeiter in der Regel direkt vor Ort - oft basiert die Zusammenarbeit auf Arbeitnehmerüberlassung.

Tanner erstellt technische Dokumentationen und Produktkataloge oder implementiert Redaktions- und Katalogsysteme, mit denen die Kunden ihre technischen Informationen managen. Die Auftragslage ist so gut, daß das Unternehmen ständig Technische Redakteure sucht. Gerade am Lindauer Hauptsitz sind laut Personalchef Frederic Sent Berufseinsteiger gefragt, die hier von erfahrenen Kollegen an selbständiges Arbeiten herangeführt werden. „Technische Redakteure müssen präzise arbeiten und klar formulieren, um komplexe technische Zusammenhänge begreifbar zu machen“, sagt er. Ein Großteil der Einsteiger komme mittlerweile von den Unis Karlsruhe oder Furtwangen, die Bachelor- und Masterstudiengänge in Technischer Dokumentation bieten, doch sei man auch für Quereinsteiger aus dem Ingenieurwesen offen. Voraussetzung: mindestens gutes Englisch, gerne auch Französisch.

Kommt es wegen einer fehlerhaften technischen Anleitung zu einem Produktrückruf, drohen haftungsrechtliche Konsequenzen.

Sprachkenntnisse hält auch Schäfer für den Schlüssel zu einem erfolgreichen Einstieg als Technischer Redakteur. „Wir sind die Vermittler in der Globalisierung“, erklärt er. Denn letztlich brächten exakte Anleitungen Kunden rund um den Globus nahe, wie sie Maschinen und Anlagen bedienen oder wie sie Komponenten und Ersatzteile finden und einbauen. Neben Sprachkenntnissen bräuchten Technische Redakteure vor allem ein fundiertes Wissen über Normen, Richtlinien und Maße im In- und Ausland. Dabei dient normgerechtes Arbeiten nicht zuletzt auch der eigenen Sicherheit. Denn kommt es wegen einer fehlerhaften technischen Anleitung zu einem Produktrückruf, drohen haftungsrechtliche Konsequenzen.

Gerade für Freiberufler sind solche Szenarien bedrohlich. Tekom versucht deshalb, Qualitätsstandards in Ausbildungsleitlinien zu etablieren, und hat ein Zertifizierungssystem für Technische Redakteure entwickelt - Angebote, die sich nicht nur, aber besonders an Freie wenden. Laut Sent setzt Tanner vor allem bei Aufträgen in exotischen Sprachen oder Nischenbranchen auf freie Mitarbeiter. In der Regel versuche man aber, Aufträge mit eigenen Leuten zu erfüllen. Das deckt sich mit Schäfers Beobachtung: „Freie agieren vor allem in Nischen. In der Regel sind Technische Redakteure fest angestellt.“

Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten hat der Fachverband Tekom auf seiner Homepage aufgelistet, zudem gibt es hier eine gut gefüllte Jobbörse sowie eine Dienstleisterdatenbank mit potentiellen Auftraggebern für Freie: http://www.tekom.de

Das verdienen Technische Redakteure*

Bruttomonatseinkommen

< 2.500
5,0 %

2.500 - 4.000
56,7 %

4.000 - 5.500
28,3 %

5.500 - 7.000
7,6 %

7.000 - 8.500
1,4 %

8.500 - 10.000
0,4 %

> 10.000
0,4 %

*Befragung unter 820 Tekom-Mitgliedern Gehaltsspiegel 2003
Quelle: Tekom-Gehaltsumfrage

Text: Hochschulanzeiger Nr. 87, 2006
Bildmaterial: Jörg Mühle, Labor