12. Dezember 2009

Auslandsstipendium

Powered by ...

Von Gunda Achterhold




31. Januar 2005 
Verschiedene Stifter-Firmen beteiligen sich mit unterschiedlichen Projekten am Hölderlin-Programm, das es exzellenten Studierenden ermöglicht, elternunabhängig ein Jahr lang im Ausland zu studieren. Zu den Besonderheiten zählt hierbei das Frauenförderprogramm der Beraterfirma Booz Allen Hamilton.

„Es war eine wichtige Erfahrung, die Bedingungen in einem so armen Land hautnah mitzuerleben", sagt Katharina Röhl. Nach einem Jahr in Costa Rica hat die Berlinerin dort mit dem Master in „International Law and Human Rights Studies" abgeschlossen. Ohne das Hölderlin-Programm der Studienstiftung des deutschen Volkes hätte sich die Studienstiftlerin den Auslandsaufenthalt nicht leisten können. Ihr Wunsch war es, die University for Peace in San José zu besuchen, den weltweit einzigen Campus der UNO. „Wir waren eine Gemeinschaft aus über 30 Ländern wie Mexiko, Island, Eritrea und Jordanien", erzählt Röhl. Nicht nur die Studenten kamen aus der ganzen Welt. Auch die Fakultäten waren international besetzt. „Viele der Professoren und Professorinnen hatten jahrelange Erfahrungen in der Arbeit bei der UNO oder in Entwicklungsprojekten gesammelt."

Zurück in Berlin arbeitet die Politologin an ihrer Diplomarbeit und bereitet sich auf ein Praktikum bei der UNO in Genf vor. Ein ganz besonderes Plus ihres Hölderlin-Stipendiums kommt ihr gerade bei der Zukunftsplanung gelegen: Das in Zusammenarbeit mit der internationalen Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton Deutschland (BAH) entwickelte Stipendienprogramm stellt Katharina Röhl eine Mentorin aus dem Unternehmen an die Seite. Auch über das Förderjahr hinaus hilft ihr die Unternehmensberaterin bei allen Fragen zur Karriere und zur Studienplanung weiter. „Während meiner Zeit in Costa Rica haben wir uns per Mail geschrieben", erzählt die Stipendiatin. Aus einem ganz persönlichen Blickwinkel habe sie einiges über die Projekte erfahren, mit denen ihre Mentorin beschäftigt war. Daraus ist ein enger Kontakt entstanden. „Ich kann mich jederzeit an sie wenden, wenn ich zum Beispiel Fragen zu Bewerbungsunterlagen oder Vorstellungsgesprächen habe", sagt Röhl. „Ein zusätzlicher Vorteil ist: Meine Mentorin ist Politikwissenschaftlerin wie ich."

Das Hölderlin-Programm wurde 1999 ins Leben gerufen, zunächst mit Unterstützung der Krupp-Stiftung. „Exzellenten Studierenden" soll die Möglichkeit gegeben werden, elternunabhängig ein Jahr lang im Ausland studieren zu können. Über ehemalige Studienstiftler kamen Kontakte zu Partnerfirmen wie der Allianz AG, der SAP AG, Siemens Management Consulting und der Sutor-Stiftung zustande und damit ein Netz unterschiedlichster Angebote zusätzlich zur finanziellen Förderung. Sie sind fakultativ und variieren von Firma zu Firma. Während es andere Programme der Studienstiftung gibt, die sich auch an Nicht-Stipendiaten wenden, steht das Hölderin-Programm ausschließlich Studienstiftlern offen. Die Verbindung von „Wissenschaft und Praxis" werde inzwischen sehr gut angenommen, beobachtet Margrit Lichtschlag, Referentin der Studienstiftung des deutschen Volkes. „Anfangs gab es durchaus Berührungsängste", erklärt sie. „Unsere Studenten genießen eine extrem große Freiheit, über ihren akademischen Weg zu entscheiden. Sie mußten erst die Erfahrung machen, daß sie sich über die Teilnahme an den Stipendien-Programmen nicht von einer Firma vereinnahmen lassen, sondern von den Kontakten profitieren können."

„Ein zusätzlicher Vorteil ist: Meine Mentorin ist Politikwissenschaftlerin wie ich."

Das Frauenförderprogramm mit BAH, das im Mai 2005 in die vierte Runde geht, ist eine Besonderheit innerhalb des Programms. Weil es Mentoren bereitstellt, weil es sich ausschließlich an Frauen richtet und weil es Studienstiftlerinnen aller Fachrichtungen offensteht. „Das macht das Stipendium auch attraktiv für Frauen, die sich zwar für wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen interessieren, aber aus einer ganz anderen Richtung kommen. Etwa aus den Medienwissenschaften oder aus dem Design", so Lichtschlag. Auch die Permanentbetreuung durch erfahrene Berater und Beraterinnen komme sehr gut an. „Manche der Stipendiatinnen sind erst im fünften Semester - da sind noch viele Fragen offen."

„Die Stipendiatinnen der Studienstiftung bewerben sich sehr gezielt auf dieses Programm", stellt Roman Friedrich, Partner bei BAH, fest. „Sie wissen ganz genau, welche persönlichen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten mit dem Studium und dem Kooperationspartner verknüpft sind." Wie die Branche insgesamt arbeitet auch Booz Allen Hamilton daran, den Frauenanteil im Unternehmen zu steigern. Als Alumni lag es für Friedrich nahe, sich über die Zusammenarbeit mit der Studienstiftung für die Besten der Besten zu engagieren. Das Hölderlin-Förderprogramm ist auch für den Wirtschaftspartner ein Erfolg. So stehen fünf der bislang zwanzig Stipendiatinnen bei BAH Deutschland im Auswahlprozeß für eine Praktikantenstelle oder den Direkteinstieg als Beraterin.

Jeweils zehn junge Frauen werden in den Tandem-Gesprächen im Mai ausgewählt und beginnen ihr einjähriges Auslandsstudium im Herbst. Die Kommission besteht zu gleichen Teilen aus Mitarbeitern der Studienstiftung und Unternehmensberatern. Erstaunt sind die Prüfer aus Wirtschaft und Wissenschaft immer wieder über die Einhelligkeit ihrer Voten. Ausschlaggebend seien zwei Aspekte, da sind sich Berater und Akademiker trotz unterschiedlicher Herangehensweise völlig einig: „Fachliche Exzellenz und ein ausgeprägtes Interesse über das eigene Fach hinaus".

Text: Hochschulanzeiger Nr. 76, 2005
Bildmaterial: Moni Port, Labor