22. Juni 2009
Wer das Ruhrgebiet wie seine Westentasche kennt, sehnt sich vielleicht auch mal nach einem Tapetenwechsel im Ausland. Doch solche Einsätze zu bekommen ist nicht ganz einfach. Unternehmen schicken vor allem ihre erprobten Mitarbeiter in die Welt und obendrein nur solche, die über sehr gute Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenz und diplomatisches Geschick verfügen. Einer von ihnen ist Florian Bankoley. Er vertritt die Firma Bosch in Schweden, wo er schnell viel mehr Verantwortung bekommen hat als zu Hause.
In Schweden endet ein BusinessMeeting durchaus schon mal um vier Uhr nachmittags, weil ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin die Kinder pünktlich von der Tagesstätte abholen will. Das wird von allen einfach akzeptiert, sagt Florian Bankoley, und findet es gut. Die Familie hat hier einen hohen Stellenwert. So unterhalte man sich zum Beispiel beim Mittagessen auch über die Kinder oder Hobbys und erkundige sich nach dem Ehepartner. Das schafft und vertieft gegenseitiges Vertrauen und Respekt.
Florian Bankoley gefällt sein Leben in Göteborg, wo er für die Robert Bosch GmbH als Sales Key Account Manager arbeitet. Er ist für den Vertrieb der Bosch-Produkte an einen schwedischen Automobilhersteller zuständig. Ich bin sozusagen die Schnittstelle zwischen den beiden Unternehmen. Drei- bis viermal in der Woche ist er im Werk des Autoherstellers und spricht dort mit Mitarbeitern aus der Entwicklungsabteilung oder dem Einkauf. In die deutsche Firmenzentrale kommt er regelmäßig cir- ca alle sechs Wochen. Und zwischendurch besucht der Vielflieger auch noch etwa alle halbe Jahre eine Produktionsstätte in der Türkei. Genau das Richtige für ihn, sagt Bankoley. Als Auslandsvertreter habe er mehr Verantwortung und sei flexibler als zu Hause. Besonders die interkulturelle Kommunikation empfindet er als Herausforderung: Man muss häufiger zwischen den Zeilen lesen können.
Diese Art diplomatisches Geschick wurde Bankoley sozusagen in die Wiege gelegt. Geboren wurde er in Togo, mit neun Jahren kam er nach Deutschland, sprach fließend Französisch und Deutsch. Nach seinem Vordiplom in BWL zog es ihn an die European School of Management in Paris. In Oxford und Berlin führte er sein Studium fort. Danach wollte ich in einem internationalen Unternehmen arbeiten, in dem ich auch Auslandserfahrung sammeln kann, erinnert sich der ambitionierte 29-Jährige. Und so stieg er 2005 als Trainee bei Bosch ein, durchlief verschiedene Stationen, lernte Projektmanagement, den Einkauf und auch bereits den Verkauf kennen; sechs Monate davon in Wuxi in der chinesischen Provinz Jiangsu. Ich habe eine hohe Affinität zu Asien, erklärt Bankoley. Und es half ihm auch, dass er während des BWL-Studiums Chinesischkurse besucht hatte.
Schwedisch spricht er nach eineinhalb Jahren in Göteborg auch, obwohl das eigentlich gar nicht nötig wäre: Hier spricht fast jeder perfekt Englisch. Außerdem gehört unser Kunde zu einem amerikanischen Konzern. Aber die Sprache der Kunden zu sprechen oder wenigstens ein paar Worte zu können, gehöre schon dazu. Das wird von den Geschäftspartnern hoch geschätzt.
Voraussichtlich noch anderthalb Jahre wird Bankoley in Schweden bleiben, dann möchte er eine weitere Stufe auf der Karriereleiter erklimmen. Das entspricht auch dem Bosch-Rhythmus, den Personaler Dirk Haushalter so erklärt: Unsere Expatriates sind ein wenig wie Diplomaten, auch sie sind in der Regel für drei bis vier Jahre im Ausland. Allerdings gebe es einen zentralen Unterschied: Im Normalfall gehen unsere Leute ein- oder zweimal auf mehrjährige Einsätze außerhalb des Heimatlandes. Diplomaten hingegen sind ihr ganzes Leben lang auf Reisen. Ein Grund dafür: Bosch will mehr lokale Führungskräfte in Wachstumsmärkten gewinnen, insbesondere in Asien. Wir wollen internationalen Austausch und Kompetenz vor Ort sinnvoll verknüpfen.
Wo es ihn nach der Zeit in Schweden hinzieht, weiß Florian Bankoley noch nicht. Da hat vielleicht auch seine australische Freundin, die er in China kennengelernt hat und die jetzt mit ihm in Schweden lebt, ein Wörtchen mitzureden. Nur eines weiß er bestimmt: Ich möchte definitiv noch einmal ins Ausland.