08. Oktober 2008

Casting für Strategen

Marketing-Wettbewerbe sind die besseren Türöffner

Von Franziska Roscher



Der jährliche Brandstorm-Wettbewerb von L’Oréal ist unter Marketingstudenten heißbegehrt. Wer es wie Antonia Zierer, Lisa Kaiser und Saskia Köster in die nationale oder internationale Endausscheidung schafft, kann damit später Personaler beeindrucken.
23. Juni 2008 
Praktika macht im Marketing jeder. Wer wirklich auffallen will, nimmt an den einschlägigen Wettbewerben der Branche für Studenten teil. Dabei lernen die angehenden Verkäufer, wie Unternehmen und Agenturen zusammenarbeiten.

Mit Männerhaaren dürfte Antonia Zierer sich jetzt bestens auskennen: Die VWL-Studentin hat die L'Oréal-Haarpflege-Serie „Redken for Men umgekrempelt“ - von der Marktanalyse bis zur Kundenkarte, vom Werbeplakat bis zur neuen Verpackung: Eine komplette Marketingstrategie hat Zierer entworfen, und zwar beim Marketing-Wettbewerb L'Oréal Brandstorm 2007. Das Konzept von Zierer & Co überzeugte die Jury: Beim Deutschland-Finale belegten die Passauer Studentinnen den ersten Platz, anschließend durften sie beim internationalen Finale in Paris dabei sein.

Jedes Jahr bietet der Wettbewerb Studenten die Möglichkeit, mit professioneller Hilfe eine Kampagne für ein aktuelles Projekt des Kosmetikkonzerns L'Oréal zu kreieren. Unterstützung bekommen die Teams dabei jeweils von einer Werbe- und einer Produktdesign-Agentur. Die halfen auch Zierer und ihren zwei BWL-Kommilitoninnen, ihre Ideen für das nationale Finale des Brandstorm-Wettbewerbs umzusetzen. „Es war wirklich spannend, eine Kampagne komplett eigenverantwortlich zu entwickeln und direkt mit den Agenturen zusammenzuarbeiten“, erzählt Zierer. „Das war alles sehr zeitaufwendig - aber es hat sich gelohnt.“ Knapp sechs Wochen hatte die Mannschaft Zeit für die Kampagne. Damit alles rechtzeitig fertig wurde, hat die 24-Jährige sogar ihre Diplomarbeit um ein Semester verschoben.

Dass eine Kampagne Stress bedeutet, weiß auch Christoff Strukamp. „Gerade gegen Ende haben wir uns die Nächte um die Ohren geschlagen“, erinnert sich der 22-jährige Mediendesign-Student. Strukamp hat im vergangenen Jahr zusammen mit sechs Kommilitonen von der Dortmunder Werbe- und Medienakademie Marquardt den Bruttosozialpreis 2007 gewonnen. Beim einzigen Sozialmarketing-Nachwuchswettbewerb Deutschlands müssen die Teams in rund fünf Wochen eigenständig eine Marketingkampagne für einen gemeinnützigen Verein erarbeiten. Im Jahr 2007 sollten die Mannschaften um neue Spender werben für Transparency International Deutschland, eine Non-Profit-Organisation, die gegen Korruption und für mehr Transparenz in Wirtschaft und Politik kämpft.

Ausgestattet mit einem Budget von 3.000 Euro entwarfen Strukamp und sein Team eine Anzeige, die im Rotary-Club-Magazin geschaltet werden sollte, entwickelten einen Internetspot und eine komplett neu Homepage. Dem Träger vom Verein Berliner Kommunikationsforum gefiel die Kampagne: Platz eins für die Studenten aus Dortmund. Neben dem Pokal hat der Sieg Strukamp und seinen Mitstreitern auch eine berufliche Perspektive gebracht: „Die Berliner Werbeagentur Zum Goldenen Hirschen hat uns nach dem Wettbewerb ein Praktikum angeboten“, erzählt der angehende Mediendesigner.

Auch langfristig macht sich die Teilnahme an Wettbewerben für Studenten bezahlt, sagt Professor Michael Bernecker vom Deutschen Institut für Marketing (DIM): „Praktika kann heute fast jeder Bewerber im Marketing vorweisen. Wenn eingestellt wird, sind solche Wettbewerbe dann als weitere Auswahlkriterien wichtig.“ Das bestätigt Florian Haller, Geschäftsführer der Agentur Serviceplan in München: „Das ist ein ganz ausgezeichneter Leistungsnachweis. Da zeigen Bewerber Initiative, so was suchen wir natürlich.“ Ganz wichtig sei auch, dass die Teilnehmer bereits die Zusammenarbeit zwischen den kreativen Köpfen und Strategieplanern einer Agentur kennen- gelernt hätten.

Das war auch für Patrizia Brunn und Giuseppe Vitucci eine wichtige Erfahrung. Bei der GWA Junior Agency, dem Nachwuchs-Wettbewerb des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen, bei der gemischte Teams aus Marketing- und Designstudenten antreten, belegten die 24-jährige Marketing-studentin und der angehende Kommunikationsdesigner den ersten Platz. In Zusammenarbeit mit der Agentur Grey Worldwide in Düsseldorf entwarf die Gruppe eine Kampagne für den Grey-Kunden Golden Toast. Die Idee: Die Aufbackzeit von Toast und Brötchen als Pause vom Alltag. In einem Beispielvideo spielt die Frühstücksrunde „Reise nach Jerusalem“ um den Küchentisch, bis das Brot aus dem Toaster hüpft. Auf einer Internetseite können Kunden die Videos ihrer eigenen kleinen Toast-Pausen hochladen oder Online-Games während ihrer Pausen spielen.

Für das Konzept erhielten die Studenten bei der Abschlusspräsentation am 29. Februar von der Fachjury den Junior-Agency-Award in Gold und von den Anwesenden den Publikumspreis. „Die größte Herausforderung beim Wettbewerb war, Strategie und Kreation unter einen Hut zu bringen, um wirklich eine einheitliche Kampagne zu haben“, sagt Vitucci. Und nicht ohne Stolz fügt der 26-Jährige hinzu: „Dass wir Gold gewonnen haben, zeigt wohl, dass wir das ganz gut gemeistert haben.“

Text: Hochschulanzeiger Nr. 97, 2008, Seite 68
Bildmaterial: L’Oréal