11. Januar 2008 Stromkonzerne suchen Hunderte Ingenieure, um ihre überalterten Kraftwerke durch effiziente Neuanlagen zu ersetzen oder um ihre bestehenden Kernkraftwerke zu betreuen. Daneben entpuppt sich erneuerbare Energie zusehends als Jobmotor. Zahlreiche Kleinbetriebe, Ingenieurbüros und einige Global Player treiben die Wind-, Sonnen- und Biomassetechnologien mit Macht voran. Ein spannendes Feld für junge Akademiker verschiedenster Disziplinen.
So kann es nicht weitergehen
Deutschland verbraucht mehr Energie als der gesamte afrikanische Kontinent. Die Armut dort ist auch Energiearmut. Umgekehrt ist gute Energieversorgung ein Garant für Fortschritt und Wohlstand. Doch der rasante Klimawandel ändert die Vorzeichen: Gesellschaften mit hohem Energieverbrauch können nicht länger auf ungebrochenen Wohlstand hoffen. Stürme, Fluten, Dürren und Missernten als direkte Folgen der Erderwärmung werden vielerorts Leid und hohe Kosten verursachen. Weniger betroffenen Landstrichen steht starke Zuwanderung aus dicht- bevölkerten Regionen ins Haus, die schlicht veröden werden. In Teilen Afrikas drohen 50-prozentige Ernteausfälle, nennt Michael Müller, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, als Beispiel. Ein anderes sei die peruanische Hauptstadt Lima, wo acht Millionen Menschen von akutem Trinkwassermangel bedroht sind, weil die bisherige Versorgung aus Gletscherwasser versiegt. Um den Klimawandel abzumildern, fordert Müller schnelles Handeln auf vier Schwerpunktgebieten: Effizientere Energienutzung, um den Bau neuer Kraftwerke möglichst zu vermeiden. Steigerung des Anteils erneuerbarer Energie auf 25 Prozent des globalen Energiebedarfs bis 2020, starke Drosselung des Energieverbrauchs im Verkehr und Schutz von Wäldern, Böden und Meersystemen, die Klimagase speichern. Drei der vier wichtigsten Maßnahmen betreffen die Energiebranche.
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| *Stromverkauf an Endverbraucher einschließlich konsolidierter Tochterunternehmen,
Quelle: Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Berlin |
Konzerne unter Druck
Energie wird der große Konflikt dieses Jahrhunderts, mahnt der Staatssekretär. Je nachdem, wie die Energiebranche handelt, kann sie den Konflikt verschärfen oder abmildern. Vor diesem Hintergrund ist ein Job in der Energiewirtschaft mehr als ein Beruf. Wer hier einsteigt, übernimmt große Verantwortung für die Geschicke kommender Generationen. Dafür sind Mut, Erfindergeist und Können gefragt. Denn der Klimawandel ist nur eine Randbedingung. Zusätzlich bringen das nahende Ende fossiler Energievorräte, der Atomausstieg und die Liberalisierung im Strommarkt bewährte Prozesse und alte Preisgefüge durcheinander. Politische Vorgaben, neue Belastungen aus Emissionshandel oder Energiesteuern und zunehmende Konkurrenz um wechselwillige Kunden schaffen einen Anpassungsdruck, dem die marktbeherrschenden Konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall ebenso ausgesetzt sind wie die 725 Stadtwerke, die 150 (Öko)-Stromhändler und die 210 privaten und regionalen Stromversorger im Lande.
Kostendruck macht es nicht unbedingt leichter, gewohnte Pfade zu verlassen. Doch das muss und tut die Branche. Gerade im Bereich Windkraft passiert bei uns gerade eine ganze Menge, erklärt RWE-Pressesprecher Harald Fletcher, und auch die anderen Großen setzen zunehmend auf Wind, Sonne und Biomasse. So hat Vattenfall in Hamburg die Vattenfall Europe New Energy GmbH gegründet, die für den konzernweiten Ausbau der regenerativen Energien zuständig ist und ihre Schwerpunkte dabei auf Offshore-Windparks, Biomassekraftwerke und thermische Abfallverwertung legt. Im Anlagenbau sind die Erneuerbaren ebenfalls ein Jobmotor. So sucht Siemens Power Generation (PG) für ihre Tochter Siemens Wind Power mit Hauptsitz in Dänemark Dutzende Ingenieure, Kaufleute und Logistiker. Die Konzerne reagieren, weil ihnen zahlreiche kleine Betriebe in den rasanten Wachstumsmärkten rund um die grüne Energie vorgemacht haben, dass sich hier durchaus Geld verdienen lässt. Vereinzelt sind die Solar-, Biomasse- und Windpioniere inzwischen selbst zu internationalen Playern aufgestiegen - und damit zur realen Konkurrenz für die alteingesessenen Energiekonzerne.
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| x =nicht genügend Datensätze. Bei den Zahlen handelt es sich um Medianwerte. Sie basieren auf statistischen Auswertungen und können dem individuellen Einzelfall nicht immer ganz gerecht werden.
Quelle: Personalmarkt |
Je mehr Alternativen, umso besser
Der Wettbewerb trägt zu einem Energiemix bei, der nicht nur das Klima schont. Künftig wird weniger die Frage, ob eine Volkswirtschaft genug Energie hat, über ihr Wohl entscheiden, sondern auf welche Energie und Verfahren sie sich stützt. Je breiter der Energiemix, desto geringer die Abhängigkeit von Rohstofflieferanten. Je effizienter Kraftwerke, Heizungen und Autos, desto weniger Kosten. Und je mehr erneuerbare Energie, desto weniger Klimawandel, Abhängigkeit und Kosten.
Noch gibt es allerdings massive Konflikte, wie genau der Energiemix aussehen sollte. Stromversorger planen aktuell 25 neue Braun- und Steinkohlemeiler in Deutschland. Außerdem sollen Dutzende neuer Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD-Kraftwerke) zur Verstromung von Erdgas ans Netz. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) summiert die Investitionen bis 2020 auf 40 Milliarden Euro, weitere 40 Milliarden sollen in den Ausbau der Stromnetze fließen. Doch statt Lob erntet die Branche für ihre Kraftwerkspläne Kritik und Widerstand. Bürgerinitiativen und Umweltverbände bemängeln, dass neue Kohlekraftwerke nicht mit ambitioniertem Klimaschutz vereinbar sind. Auch Staatssekretär Müller will möglichst keine neuen Meiler, und wenn überhaupt, dann mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), sagt er. Doch die ist längst nicht überall geplant. Und so können sich die Investoren keineswegs sicher sein, dass ihre Pläne aufgehen. Sie brauchen Plan B und C in der Schublade. Parallelplanungen, das ist in jeder Branche so - schaffen jede Menge Arbeit für Ingenieure und Kaufleute.
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| x=nicht genügend Datensätze.Bei den Zahlen handelt es sich um Medianwerte. Sie basieren auf statistischen Auswertungen und können dem individuellen Einzelfall nicht immer ganz gerecht werden.
Quelle: Personalmarkt |
Intelligente Geschäftsmodelle sind ungeachtet des Kohlenstreits gefragt. Es gilt, enorme Geldsummen für die staatlich gewollte Energiewende aufzubringen und sie auch wieder einzuspielen. Nicht nur der Anteil von Wind, Sonne und Biomasse soll steigen. Auch der Ausbau der KWK steht erst am Anfang: Es fehlt an Wärmenetzen. Zudem gilt es, die Stromnetze für steigende Anteile an erneuerbarer Energie fit zu machen, die Kernkraftwerke nach und nach vom Netz zu nehmen, Biogas in die Erdgasnetze zu speisen, mehr pflanzliche Kraftstoffe in den Verkehr zu bringen oder die Pläne voranzutreiben, fossile Kraftwerke dadurch zu entschärfen, dass ihre klimawirksamen Abgase abgeschieden und in die Erde gepumpt werden. Auch Pläne, einen Gürtel von solarthermischen Kraftwerken in der Sahara zu bauen und ihren Strom in großem Stil nach Europa zu leiten, stehen auf der Agenda. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist hier stark involviert. Aktuell entsteht eine Versuchsanlage in Jülich.
Arbeit für Generationen von Ingenieuren
In der Energiewirtschaft wartet junge Technik auf kreative Ingenieure, die sie zur Reife bringen. Daneben warten auslaufende oder klimaschädliche Technologien, wie Kern- und Kohlekraftwerke, darauf, von verantwortungsbewussten Experten entschärft oder sicher zu Ende gebracht zu werden. Hier wartet Arbeit für Generationen von Ingenieuren. Und dann gilt es natürlich, Bewährtes zu erhalten. Erdgas wird uns noch lange begleiten. Es muss gesucht, gefördert, transportiert und mit effizienter Technik genutzt werden. Benzin und Diesel werden noch Jahrzehnte den Verkehr dominieren. Auch sie müssen gesucht, gefördert, raffiniert und für künftige Motoren optimiert werden.
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| x=nicht genügend Datensätze.Bei den Zahlen handelt es sich um Medianwerte. Sie basieren auf statistischen Auswertungen und können dem individuellen Einzelfall nicht immer ganz gerecht werden.
Quelle: Personalmarkt |
Es gibt in der Energiewirtschaft reichlich Arbeit für kluge Köpfe. Gerade im Bereich der erneuerbaren Energien schlägt sich der Bedarf in Beschäftigung nieder. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums stieg die Zahl der Arbeitsplätze zwischen 2004 und 2006 um 47 Prozent auf über 230.000. Allein der Bereich Biomasse legte um 38.600 Stellen zu und beschäftigt nun 95.400 Deutsche. Die Windbranche wuchs von 63.900 auf 82.000 Beschäftigte, die Solarbranche von 25.000 auf 40.000 Mitarbeiter. Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. So geht der Bundesverband Solarwirtschaft davon aus, dass in seiner Branche bis 2012 rund 90.000 Menschen arbeiten werden, bis 2020 prognostiziert er gar 200.000 Beschäftigte. Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) sieht das Beschäftigungspotential seiner Branche ebenfalls noch lange nicht erschöpft. Bis 2020 sollen hier 110.000 Arbeitsplätze entstehen.
Natürlich sind das nur Prognosen. Doch die Energiewirtschaft steht vor derart massiven Umbrüchen, dass ihr die Arbeit in den kommenden Jahren ganz gewiss nicht ausgehen wird. Absolventen, die jetzt einsteigen, können sich auf ein bewegtes Berufsleben und anspruchsvolle Aufgaben einstellen. Und sie können mit Fug und Recht davon ausgehen, dass sie und ihre Ideen wirklich gebraucht werden.