10. Dezember 2007
Wirtschaftsprüfer finden auch in anderen Bereichen interessante Jobs
Alexis Beck (28) arbeitet als Bankgeschäftlicher Prüfer bei der Bundesbank.
Sechs Jahre lang hatte er es nur mit Theorie zu tun. Heute kann er in der Praxis ausprobieren, was er in seinem Wirtschaftsmathematikstudium an der BTU Cottbus gelernt hat. Alexis Beck arbeitet seit Juli 2005 bei der Bundesbank - als Bankgeschäftlicher Prüfer.
In seinem Job befasst er sich mit den Risiken von Banken, verursacht durch schwankende Zinssätze und Kurse, zahlungsunfähige Kreditnehmer, aber auch Ausfälle von IT-Systemen oder betrügerische Mitarbeiter. Kalkuliert werden diese Risiken mit mathematischen Modellen, und die sind - je nach Arbeitsschwerpunkten - von Bank zu Bank unterschiedlich. Bevor eine Bank ein neues oder verändertes Modell anwenden darf, wird es geprüft, zum Beispiel von der Bundesbank.
Hier kommt Alexis Beck ins Spiel. In einem Team von vier bis zehn Leuten nimmt er das Modell unter die Lupe. Als Erstes bekommen wir von der Bank eine Dokumentation und erarbeiten eine Prüfungsstrategie, sagt er. Anschließend führt das Team in der Bank Interviews mit Managern oder Controllern, analysiert Prozesse und Daten. Für zwei bis sechs Wochen sind die Prüfer in der jeweiligen Bank vor Ort. Wir machen einen Soll-Ist-Abgleich, erklärt Beck. Wir schauen uns an, was in der Dokumentation der Bank als Soll-Konzept steht, und prüfen, ob die tatsächlichen Abläufe damit übereinstimmen. Außerdem überprüfen wir, ob die Anforderungen der Bankaufsicht erfüllt sind. Oft fordern die Prüfer zusätzliche Unterlagen an und führen weitere Gespräche - bis sie genug wissen, um die Prozesse in der Bank beurteilen zu können. Da die Bank selbst von einem guten Modell im Risikomanagement profitiert, entsteht nicht so viel Druck wie bei einer normalen Wirtschaftsprüfung, meint Beck.
Am Ende der Prüfung steht ein Gutachten. Es ist die Entscheidungsgrundlage für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die das Modell anerkennen oder ablehnen kann. Es geht aber nicht nur darum, die Aufseher zufriedenzustellen, betont Beck. Das Modell muss auch praktisch angewendet werden. Genau das findet Beck auch so spannend an seinem Beruf: dass die Theorie sich in der Praxis bewähren muss. Und außerdem bekommt er Einblick ins tiefste Innere vieler Banken: Und wer hat das schon?