10. Dezember 2007
Erdöl- und Gasheizungen liegen nach einem technologischen Schub in den 90er Jahren nahe am physikalischen Optimum. Weil die Brennstoffpreise steigen, setzen dennoch immer mehr Haushalte auf erneuerbare Energie zum Heizen. Für die Hersteller bringt das erhöhten Forschungs- und Beratungsbedarf mit sich. Und das wiederum verlangt nach mehr Personal.
Fast in jedem Nachbarkeller brummten früher Öl- oder Gasbrenner. Meist von Buderus, Vaillant oder Viessmann. Das Trio dominiert noch immer den europäischen Thermotechnikmarkt - und wahrscheinlich brummt so mancher von den alten Brennern auch heute noch. Über 900.000 Heizungsanlagen hierzulande sind über 30 Jahre alt, über 11 Millionen älter als ein Jahrzehnt.
Die alte Technik belastet das Klima. Durch Einsatz moderner Anlagen ließe sich der Energiebedarf privater und geschäftlicher Gebäude europaweit um 30 Prozent senken, schätzen Experten. Beileibe keine Peanuts: Privathaushalte und Geschäftsgebäude verbrauchten 2005 mit
437 Millionen Tonnen Rohöl-Äquivalenten ein Drittel mehr Energie als die gesamte europäische Industrie. Das muss nicht so bleiben. Denn die Thermotechnik-Branche hat eine breite Palette effizienter Heiztechnik am Start. In den späten 90er Jahren gelang es Ingenieuren mit sogenannter Brennwerttechnik, den Appetit der Öl- und Gasbrenner zu zügeln. Durch konsequentes Nutzen der Abwärme erreichen die modernen Systeme Wirkungsgrade am physikalischen Limit von 111 Prozent, sie sind doppelt so effektiv wie Heizungen der 70er Jahre.
Während die Brennwerttechnik den europäischen Markt durchdringt, arbeiten die Brancheningenieure längst an neuen Lösungen. Der Öl- und Gasverbrauch sinkt weiter, wenn zusätzlich Solarkollektoren Warmwasser liefern. Brennstoffzellen stehen an der Schwelle zum Markt. Auch Wärmepumpen, die gespeicherte Wärme aus Luft und Erde ziehen und dabei ein Kilowatt Strom in bis zu vier Kilowatt Heizenergie verwandeln, erfreuen sich großer Beliebtheit. Holzheizungen und Miniblockheizkraftwerke, die zugleich heizen und den häuslichen Strombedarf decken, runden die neue Vielfalt im Markt ab.
BBT Thermotechnik
Neben der technologischen Vielfalt hält auch die Konkurrenz von mittlerweile 130 Spezialanbietern regenerativer Heizungslösungen das Führungstrio BBT Thermotechnik (mit Buderus), Vaillant und Viessmann in Atem. Zumal sich im mittelständisch geprägten Markt weitere 250 Hersteller klassischer Heiz- und Warmwasserlösungen tummeln. Alle zusammen teilen sich in Europa 11 Milliarden Euro Umsatz, weltweit setzte die Branche 2006 knapp 25 Milliarden Euro um. Über ein Zehntel davon hat letztes Jahr die BBT Thermotechnik GmbH auf sich vereint.
Die Bosch-Tochter beschäftigt 12.900 Mitarbeiter und ist als einziger Hersteller mit Konzernhintergrund bei Bewerbern beliebt. Bisher gibt es laut Personalentwicklerin Katrin Seßner keine Probleme, Stellen zu besetzen, obwohl in erster Linie Ingenieure aus den Mangelfächern Maschinenbau und Elektrotechnik gesucht sind. Der Name Bosch ist natürlich ein gutes Zugpferd, sagt Seßner. Zumal alle BBT-Stellen auch auf den Bosch- Webseiten ausgeschrieben sind. Auf diesem Weg finden viele Praktikanten zum Unternehmen. Bei guter Leistung winkt Aufnahme ins Programm Students@Bosch, das neben Laufbahngesprächen, Workshops und Auslandspraktika Zugang zu einer Datenbank bietet, in der sie ihr Profil jeweils aktualisieren können. Wer sich dem Ende seines Studiums nähert, kann damit rechnen, von uns angesprochen zu werden, so Seßner.
Für Berufseinsteiger bietet BBT ein eigenes Einsteigerprogramm. Darin bereiten wir Trainees unter anderem auf einer Auslandsstation auf spätere Fach- und Projektverantwortung vor, erklärt sie. Eine weitere Einstiegsoption ist das Traineeprogramm der Bosch-Gruppe, das High Potentials an Aufgaben mit Führungsverantwortung heranführt. Wir haben die Trainees regelmäßig bei uns und rekrutieren aus ihrem Kreis häufig Führungsnachwuchs, so Seßner. Wie die BBT-Einsteiger absolvieren auch die angehenden Führungskräfte eine Station im Ausland. Diese Erfahrungen können sie bei BBT bestens gebrauchen: Fast zwei Drittel der Geschäfte laufen außerhalb Deutschlands.
Vaillant
Die Nummer zwei in Europa, die Remscheider Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG, stellt jährlich bis zu 70 Absolventen ein, meist Ingenieure aus Maschinenbau-, Elektro-, Verfahrens- und Versorgungstechnik oder Wirtschaftsingenieure und Betriebswirte. Sie übernehmen Aufgaben in Controlling, Entwicklung oder im technischen Vertrieb. Etwa ein Drittel unserer Außendienstler sind Ingenieure aus Gebäude- und Versorgungstechnik, berichtet Marcus Schmidt, Leiter Personalbetreuung und -marketing bei Vaillant. In der Zentrale unterstützen ebenfalls Ingenieure Handwerker beim Auslegen von Heizungs-, Warmwasser- oder Lüftungsanlagen. Das kann heute schon bei Einfamilienhäusern sehr komplex werden, sagt er, gerade wenn Bauherren verschiedene Wärmequellen kombinieren wollen.
Einsteiger erwartet bei Vaillant laut Schmidt ein sehr international geprägtes Geschäft. Mit 10.000 Mitarbeitern setzte die Gruppe zuletzt 1,99 Milliarden Euro um, drei Viertel davon im europäischen Ausland. Für angehende Controller, die Vaillant in einem 24-monatigen Traineeprogramm auf ihre Aufgaben vorbereitet, bringt das regelmäßige Auslandsreisen mit sich. Denn die Vaillant Gruppe hat Tochtergesellschaften in UK, Frankreich, Italien, Belgien, Holland und ist in Osteuropa, Asien und in Afrika mit ihrer Marke ProTherm aktiv. Auch unsere Entwicklungsingenieure sollten eine gewisse Mobilität mitbringen, so Schmidt. Immer wieder mal stünden Reisen zu Kunden oder Lieferanten an. Und auch Wechsel innerhalb der Gruppe sind gern gesehen, um die Vernetzung und den Know-how-Transfer zwischen den einzelnen Marken voranzutreiben.
Entwickler haben es in dem zuletzt stark expandierenden Unternehmen (plus 11 Prozent Umsatz 2006) mit der ganzen Palette heutiger Heizungs-, Warmwasser- oder Lüftungstechnologie zu tun, von Öl- und Gasbrenner über Holzpellets-Ofen, Mini-Blockheizkraftwerk und Solarkollektor bis zur Wärmepumpe. Wie bei BBT sind für die Entwickler fundierte Kenntnisse aus der Steuer- und Regelungstechnik von Vorteil.
Viessmann
Bewerber mit ähnlichem Profil für eine ganz ähnliche Produktpalette sucht auch der Dritte im Bunde: Viessmann. Europas Nummer drei legte 2006 um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro Umsatz zu. Das schlug sich auch beim Personal nieder. Letztes Jahr haben wir allein hier in den Allendorfer Werken über 100 Mitarbeiter eingestellt, darunter knapp 40 Ingenieure und ein Physiker, berichtet Personalreferentin Gudrun Spangenberg. Am Hauptsitz arbeiten 3.500 der weltweit 7.400 Mitarbeiter des Unternehmens. Weitere Viessmann-Werke gibt es in Österreich, Frankreich, Polen, Kanada und China. Die Exportquote lag 2006 erstmals über 50 Prozent.
Also auch hier Wachstum und Internationalisierung. Laut Spangenberg rechnet Viessmann gerade im Bereich der erneuerbaren Energien mit weiter steigender Nachfrage und plant, auch im nächsten Jahr rund 30 Ingenieure einzustellen. Besonders geschätzt sind gute Konstrukteure und Experten aus dem Bereich der Thermodynamik, sagt sie. Und natürlich brauche man für die Steuerung der Anlagen fitte Elektrotechniker. Wie bei den beiden Wettbewerbern übernehmen Ingenieure auch die Fachberatung von Kunden, Planern oder Schornsteinfegern, denen Viessmann in einer eigenen Akademie Know-how vermittelt.
Zuletzt hat das Allendorfer Unternehmen zwei Spezialisten aus dem Bereich der erneuerbaren Energie übernommen. Einer davon, der österreichische Hersteller von Holzöfen Mavera, möchte noch dieses Jahr 100 Stellen besetzen. Doch in Österreich ist der Fachkräftemarkt praktisch leergefegt. Wir helfen unserem neuen Tochterunternehmen bei der Suche nach Fachkräften, wo wir können, sagt Spangenberg. Unter anderem, indem die Stellen auch auf den Viessmann-Webseiten ausgeschrieben sind. Weil Absolventen technischer Fächer allerdings auch hierzulande nicht mehr in Hülle und Fülle auf den Arbeitsmarkt drängen, hat das Unternehmen schon vor einiger Zeit ein Bindungsprogramm für engagierte Praktikanten aufgelegt. In diesem Jahr waren bisher 90 Praktikanten und 24 Diplomanden bei uns in Allendorf, berichtet die Personalreferentin. Der ein oder andere davon, da ist sie jetzt schon sicher, habe eine Zukunft im Unternehmen.
BBT Thermotechnik
Zahl der Mitarbeiter (D/weltweit): 5.700/12.900
Geplante Einstellungen (Absolventen in D): 30
Karriereseiten: http://www.bbt-thermotechnik.de
Vaillant
Zahl der Mitarbeiter (D/weltweit): 3.500/10.000
Geplante Einstellungen (Absolventen in D): 60 bis 70
Karriereseiten: http://www.vaillant.de/Ueber_Vaillant/Karriere
Viessmann
Zahl der Mitarbeiter (D/weltweit): 3.500/7.400
Geplante Einstellungen (Absolventen in D): 25 bis 30
Karriereseiten: http://www.viessmann.de/de/profession-career.html