30. August 2008

Jede Menge Jobs in der Energiebranche

Sonne, Wind und Öl

Von Peter Trechow



16. Mai 2006 Der scharfe Wettbewerb am liberalisierten Energiemarkt fordert neue Geschäftsmodelle, viele veraltete Kraftwerke müssen ersetzt werden, und die Suche nach Öl und Gas wird komplizierter. Zu-dem beflügeln erneuerbare Energien den Arbeitsmarkt.

Die Stromwirtschaft steht vor massiven Investitionen. Allein für neue Gas- und Kohlekraftwerke sind im kommenden Jahrzehnt 40 Milliarden Euro eingeplant. Schon jetzt sind nach Angaben des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) 24 große Kraftwerke mit zusammen 18.000 Megawatt Leistung in Bau oder Planung. Bis 2020 soll hierzulande jedes dritte Kraftwerk durch ein neues ersetzt werden. Derartige Investitionen schaffen Jobs. Etwa bei Siemens Power Generation (PG), die zuletzt binnen zwölf Monaten Aufträge im Wert von 11 Milliarden Euro akquirierte. Hierzulande baut sie aktuell Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke für eine Milliarde Euro. Hinzu kommen weitere Engagements in Europa und gute Geschäfte in Mittel- und Nahost. Entsprechend wuchs Siemens PG letztes Jahr um 2.500 auf 33.500 Mitarbeiter weltweit und hat 550 weitere Stellen zu besetzen. „Wir suchen vor allem erfahrene Ingenieure“, so Unternehmenssprecher Alfons Benzinger. Doch für Neueinsteiger sei die Perspektive ebenfalls vielversprechend. Gesuchte Fachrichtungen: Elektro- und Verfahrenstechnik, Maschinenbau, (Wirtschafts-)Informatik und Wirtschaftswissenschaften.

Bis 2020 rechnen Experten fast mit einer Verdoppelung des globalen Strombedarfs. Was die Branche optimistisch stimmt, stellt hohe Anforderungen an die Mobilität und interkulturellen Kompetenzen der Einsteiger. Denn größtenteils entstehen die Kraftwerke außerhalb Deutschlands und Europas. „In der globalisierten Arbeitswelt brauchen Ingenieure neben technischen und methodischen Kenntnissen ein hohes Maß an Fertigkeiten in Kommunikation, Kulturverständnis und Problembewältigung“, stellt der Verband der Elektrotechnik (VDE) in seiner Ingenieurstudie 2005 fest. Das gilt für den gesamten Energieanlagenbau, ob Kohle- oder Kernkraftwerk, ob Windrad, Solardach oder Biodieselwerk. Wo der Markt nicht international ist, wird er es. Aktuell erobern Technologien zur Nutzung von Sonne, Wind und Biomasse den Globus. Allen voran die Windbranche: Sie fährt bereits die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland ein und strebt im nächsten Jahrzehnt 80 Prozent Exportquote an. Im gleichen Atemzug rechnen Experten mit einer Verdoppelung der heute 60.000 Stellen. Im gesamten Bereich der erneuerbaren Energien rechnet das Bundesumweltministerium bis 2020 sogar mit 400.000 Arbeitsplätzen - viele davon für Akademiker. Denn die jungen Technologien sind forschungsintensiv und bieten reichlich Raum für innovative Geschäftsmodelle.

Über das Tempo ihres globalen Siegeszuges sind sich Experten allerdings uneinig. Gerade das Zögern der USA beim Klimaschutz sorgt für geteilte Meinungen. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Prof. Norbert Walter kann sich eine zügige Marktdurchdringung der erneuerbaren Ernergien gut vorstellen. „Wenn die ersten Hurrikans Washington verwüsten“, sagt er, „kann dies eine ganz neue Dynamik auslösen.“ Auch die großen Rückversicherer drängen auf mehr Klimaschutz und regenerative Energien, weil sie schon gewaltige Folgekosten des Klimawandels tragen. Dagegen kritisiert der VDEW die europäischen und deutschen Alleingänge beim Klimaschutz, die an die Grenze der wirtschaftlichen Vernunft gingen. Es gebe kein Konzept, wie sich die „schwindelerregenderen Klimaschutzziele“ mit dem Ausstieg aus der klimaneutralen Kernenergie vereinbaren lassen

Politik, Verbände und Energiewirtschaft debattieren heftig über den Energiemix der Zukunft. Die Stromversorger wollen Planungssicherheit, um die Milliardeninvestitionen in neue Kraftwerke auf den Weg zu bringen. Dagegen warnen Umweltverbände, das Klima wider besseres Wissen durch den Neubau fossiler Kraftwerke auf Jahrzehnte weiter zu belasten. Einen Ausweg könnte die technische Entwicklung bieten. Die Ingenieure aus Stromwirtschaft und Anlagenbau erzielten zuletzt gewaltige Fortschritte bei den Wirkungsgraden von Kohlekraftwerken. Optimierte Anlagen brauchen ein Drittel weniger Brennstoff und stoßen entsprechend auch ein Drittel weniger Treibhausgase aus. „Durch den weltweiten Einsatz modernster Kraftwerkstechnik wären alle Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls auf einen Schlag erfüllbar“, wirbt Dr. Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe AG. Zudem ergäben sich dadurch riesige Exportchancen.

„Wenn die ersten Hurrikans Washington verwüsten, kann dies eine ganz neue Dynamik auslösen.“

Der Klimaschutz und der für Energieversorger teure Emissionshandel treiben die Entwickler zu noch kühneren Zielen: klimaneutrale fossile Stromerzeugung, indem die Klimagase abgetrennt und tief in die Erde gepumpt werden. Um die Option finanziell und technisch zu prüfen und weiterzuentwickeln, beteiligt sich etwa die RWE AG an entsprechenden Forschungsprojekten. Das Unternehmen meldet großen Bedarf an Ingenieuren und nimmt jährlich 140 junge Akademiker in den Traineeprogrammen seiner verschiedenen Konzerntöchter auf.

Neben Ingenieuren sucht die Branche junge Wirtschaftswissenschaftler. Der liberalisierte Strommarkt ist in Bewegung, die Anbieter weiten ihre Geschäfte europa- und weltweit aus und haben es mit einem verschärften Wettbewerb zu tun. Seit der Markt Ende der 90er geöffnet wurde, haben in Deutschland alle (!) Industriekunden und 60 Prozent der Gewerbetreibenden neue Verträge ausgehandelt. Zudem haben 13 Millionen Haushalte Tarife und teils auch die Lieferanten gewechselt. Dieser Umbruch fördert neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. Etwa Strombörsen für mehr Flexibilität oder das Contracting, bei dem die Versorger die Energieanlagen des Kunden modernisieren und diese Investition über den anschließenden Minderverbrauch refinanzieren. Das schont die Umwelt und sorgt zugleich für eine langfristige Kundenbindung.

Neben Klimaschutz und Liberalisierung treibt der Atomausstieg die Stromwirtschaft um. Laut Frank Tarnowski aus dem Bereich Human Resources der Energie Baden-Württemberg (EnBW) zögern selbst Studierende, die Kernenergie bejahen, sich in diesem Bereich zu spezialisieren. „Es gibt keinen Grund dafür“, stellt Tarnowski klar, „denn es gibt noch auf Jahrzehnte genug zu tun“. Selbst wenn es bei den vereinbarten Restlaufzeiten der deutschen Anlagen bleibe, brauche man weit darüber hinaus Experten für deren Rückbau. Deshalb unterhält die EnBW neben dem allgemeinen Konzerntraineeprogramm ein Kooperationsprogramm mit der Electricité de France, das junge Ingenieure und Naturwissenschaftler an die Aufgaben in Kernkraftwerken heranführt.

Tatsächlich bieten die vermeintlichen Absteiger Öl und Kernenergie bei entsprechender Qualifikation aktuell beste Karriereaussichten. Die Kernenergie erlebt gerade eine Renaissance. Die Internationale Atomenergiebehörde rechnet bis 2020 mit 130 neuen Reaktoren, alleine China möchte 32 davon bauen. Auch deutsche Industriekapitäne möchten sich nicht mit dem Atomausstieg abfinden. Zuletzt brachte der Verband der Automobilindustrie (VDA) eine neue Perspektive für die Kernenergie ins Spiel: Der Wasserstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge soll dereinst aus Atomstrom gewonnen werden.
Auch das Ölzeitalter geht in Verlängerung: Im Zuge des rasanten Aufschwungs in Asien, Südamerika und Osteuropa erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) in den nächsten 20 Jahren einen 25prozentigen Anstieg des globalen Mineralölbedarfs. Laut Dr. Hartmut Pick vom Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) wird es darum für qualifizierte Einsteiger in Zukunft eher mehr als weniger zu tun geben: „Die Ölsuche wird finanziell und technisch aufwendiger und bietet sichere Berufsperspektiven für Ingenieure und Naturwissenschaftler.“ Aktuell herrsche Fachkräftemangel im Bereich der Exploration und Förderung. Die Musik spielt hier jedoch jenseits der deutschen Grenzen. Einsteiger sollten laut Pick Lust auf internationale Einsätze mitbringen.

AUS- UND WEITERBILDUNG

Einen Überblick über Studiengänge zum Thema regenerative Energien bietet die Homepage des Bundesverbandes WindEnergie e.V.: http://www.wind-energie.de/fileadmin/dokumente/Branche/ausbildung.pdf



Eine komplette Liste mit Links zu den Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen für regenerative Energien gibt es unter der Website: http://windmesse.de/fezs-forschung.htm

TRAINEES FÜR DEN STROMMARKT

Trotz stark rückläufiger Beschäftigung (seit 1991 gingen in der Elektrizitätsversorgung 90.000 Stellen verloren) bemühen sich die international ausgerichteten Stromkonzerne intensiv um akademischen Nachwuchs. Allein die vier Großen am deutschen Strommarkt, Eon, RWE, EnBW und Vattenfall nehmen jährlich 280 (+ Eon) Trainees in ihren Reihen auf.

INTERNATIONALE JOBANGEBOTE IN DER MINERALÖLWIRTSCHAFT

Zuerst die schlechte Nachricht: Zusammen bieten die zwei Platzhirsche am deutschen Mineralölmarkt, Shell und BP, ganze 65 Stellen pro Jahr (Shell 50/BP 15) für junge Akademiker. Und jetzt die gute: Die Zahl bezieht sich nur auf Deutschland. Europaweit nehmen die beiden Konzerne 650 Absolventen in ihren Reihen auf (Shell 500/ BP 150). Die Branche arbeitet international, und das spiegelt sich auch in der Rekrutierung von Fachkräften wider. Auch für deutsche Bewerber ist die Perspektive meist die internationale Karriere.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 84, 2006
Bildmaterial: Vattenfall
 
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Power liegt in der Luft
Windkraft im weltweiten Höhenflug

Die Windenergie boomt - und das nicht nur in Deutschland. Doch vor allem hier sucht die Branche dringend personelle Verstärkung: angefangen von Ingenieuren für die Entwicklung und Wartung von Anlagen bis hin zu Kaufleuten für den Vertrieb. Fremdsprachen sind Pflicht, Aufträge in aller Welt die Kür. 


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Sonnenenergie hat Zukunft. Sichtbares Zeichen: Die Branche ist auf der Suche. Nach Physikern, Verfahrenstechnikern, Chemikern, Elektrotechnikern. Vor allem aber nach technisch interessierten Kaufleuten und Ingenieuren mit betriebswirtschaftlichem Blick. Und das händeringend. Absolventen haben auch dann gute Chancen, wenn sie mit den erneuerbaren Energien bisher nichts zu tun hatten. 

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