21. Dezember 2009

Vieles ist möglich

Ernährungswissenschaften studiert – und dann? Fünf Jobbeispiele

Von Gunda Achterhold



Antje Penning
19. Januar 2009 
Oecotrophologen sind breit aufgestellt und überall zu finden, in Lebensmittelwirtschaft und Arzneimittelindustrie. Wir stellen fünf Oecotrophologen und ihre Jobs vor

Antje Penning arbeitet im Wissenschaftsservice der CMA.
Die Praktika haben ihr den Berufseinstieg erleichtert, da ist sich Antje Penning sicher. Noch während des Studiums sammelte die Oecotrophologin Erfahrungen in der Pressearbeit. Zunächst beim Landwirtschaftlichen Wochenblatt in Münster, anschließend in der Presseabteilung des NRW-Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf. „Ich konnte dort einiges schreiben und hatte dadurch bei der Bewerbung schon etwas vorzuzeigen“, so die 26-Jährige. Seit November 2007 arbeitet Antje Penning als Managerin im Wissenschaftsservice der CMA, der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH. Das Schreiben von Fachartikeln und Redigieren von Beiträgen gehört zwar auch zu ihren Aufgaben, gefragt ist jedoch vor allem Organisationstalent. Der Wissenschaftsservice, ein Team aus drei Ernährungswissenschaftlerinnen, erstellt Medien für Ärzte und Ernährungsfachkräfte, mit denen sich die CMA als kompetenter Ansprechpartner in puncto Ernährungsfragen positioniert. Auf Fortbildungsveranstaltungen und Fachkongressen ist der Wissenschaftsservice mit einem Infostand vertreten, den Antje Penning organisiert und betreut. Hier trifft die Ernährungswissenschaftlerin auf „ihre“ Zielgruppe, die sie unter anderem mit dem Ernährungsratgeber „wichtige Fragen - richtige Antworten“ regelmäßig auf den neuesten Stand bringt. „Ein Projekt, das ich seit einem Jahr redaktionell betreue.“ Von der Frage, wie die Löcher in den Käse kommen, über Ernährung in der Schwangerschaft bis hin zu Warenkunde und Lebensmittelrecht - die über 250 Fragen und Antworten werden ständig erweitert und aktualisiert. Die Expertinnen überprüfen auch Texte aus anderen Ressorts der CMA auf ihre ernährungswissenschaftlichen Inhalte, beantworten Fragen von Verbrauchern und halten Vorträge. „In meinem Job muss man vor allem kommunikativ sein“, stellt die Managerin fest. „Ernährungswissenschaftliches Fachwissen ist ebenso gefragt wie die Fähigkeit, Arbeitsabläufe selbständig zu koordinieren.“

Ulrike Mendrok

Ulrike Mendrok arbeitet im Qualitätsmanagement für Milchprodukte.
„Unter Qualitätssicherung stellt man sich immer Leute vor, die im Labor stehen und den pH-Wert messen“, sagt Ulrike Mendrok. „Die Qualitätskontrolle ist aber nicht unser Job - wir sitzen vor allem am Schreibtisch.“ Seit drei Jahren arbeitet die Diplom-Oecotrophologin beim Milchproduktehersteller Campina in Heilbronn und ist dort für die Rohwarenspezifikationen und Produktdeklarationen zuständig. Darf der neue Joghurt als besonders cremig angepriesen werden? Und wie sieht es mit dem Stärkeanteil in der Fruchtzubereitung aus, muss der deklariert werden? Die Kontrolle aller lebensmittelrechtlichen Aspekte gehört zu ihren Kernaufgaben. „Ich bin sozusagen ein Bindeglied zwischen Produktentwicklung und Marketing“, erklärt Ulrike Mendrok. Die Oecotrophologin hat alle Rezepturen vorliegen und überprüft, welche Eigenschaften auf der Verpackung „ausgelobt“ werden dürfen und welche Inhaltsstoffe gekennzeichnet werden müssen. Um die Marktstrategie von vornherein in realistische Bahnen zu lenken, ist die Ernährungsexpertin auch bei der Verkostung neuer Prototypen dabei. „Sonst verfolgen die Kollegen aus dem Marketing vielleicht schon Werbebotschaften, die sich aus lebensmittelrechtlichen Gründen gar nicht umsetzen lassen.“ Am Verkostungstisch kommt der 30-Jährigen ihre professionell geschulte Sensorik zugute. „Über meine Ausbildung bin ich darauf geeicht und weiß, worauf ich achten muss.“ Zum Beispiel darauf, die Nase zuzuhalten, wenn es gilt, Grundgeschmacksrichtungen zu testen. „Ich will ja schmecken, dass die Banane süß ist, und nicht das Bananenaroma riechen.“ In der Qualitätssicherung arbeitet Ulrike Mendrok mit zwei Lebensmittelchemikern zusammen. „Wir ergänzen uns“, stellt sie fest. Während sich die Kollegen in der chemischen Zusammensetzung von Stoffen besonders gut auskennen, bringt die Oecotrophologin ernährungsspezifisches Know-how mit. „Ganz wichtig, etwa als es diesen Hype um probiotische Produkte gab“, so Mendrok. „Ich weiß, wie diese Bakterien wirken und was in Magen und Darm passiert.“

Vanessa Drösser hat sich als Ernährungsberaterin selbständig gemacht.
Ernährung ist viel mehr als Essen. Kinderkurse mit Elementen zu Entspannung und Bewegung bietet Vanessa Drösser ebenso an wie ganzheitliche Trainings für Familien oder Therapien zur Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten wie Adipositas, Allergien oder Diabetes. Nach Studium, Elternzeit und einer einjährigen Fortbildung zur zertifizierten Ernährungsberaterin hat sich die 32-Jährige 2007 selbständig gemacht mit den Schwerpunkten Kinderernährung und Ernährungsberatung in Familien. „Ein Netzwerk zu schaffen, das war im ersten Jahr Dreh- und Angelpunkt“, stellt die Mutter von zwei kleinen Töchtern fest. „Da muss man auch Klinkenputzen gehen.“ Heute arbeitet die ambulante Ernährungsberaterin mit örtlichen Familien- und Gesundheitszentren ebenso zusammen wie mit heilpädagogischen Praxen. In Kooperation mit dem Kinderkrankenhaus im Heimatort Viersen bietet sie interdisziplinäre Behandlungsprogramme für übergewichtige Kinder und Jugendliche an und macht in mehrtägigen Workshops Erzieherinnen fit in Sachen Ernährung. Fühlsäckchen, Blindverkostungen oder Traumreisen zur Schokoladeninsel helfen dabei, Kindern das Thema auf spielerische Art und Weise näherzubringen. „Ich habe Kurskonzepte entwickelt und bei den Kassen eingereicht“, so Vanessa Drösser. „Das ist ein sehr schwieriges Feld, denn gerade im Präventivbereich für Kinder und Jugendliche gibt es kaum evaluierte Programme, die von den Krankenkassen bezahlt werden.“ Auch anerkannte Modelle sind ständig in Bearbeitung. „Erst im Sommer gab es die Rückmeldung, dass etliche meiner Kurse nicht mehr berücksichtigt werden.“ Eine wichtige Konstante sind deshalb Einzelklienten, die privat mit der Ernährungsberaterin abrechnen. Vanessa Drösser ist mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. „Als größte unternehmerische Herausforderung sehe ich es momentan an, Job und Familie unter einen Hut zu bringen“, stellt sie fest. „Aber es steckt eben auch viel Herzblut in meiner Arbeit.“

Vanessa Drösser

Eva Fries kümmert sich als Produktmanagerin europaweit um die Einführung von Arzneien.
Ein, zwei Tage in der Woche ist Eva Fries im Ausland unterwegs, um sich mit den Kollegen in England, Frankreich oder Spanien abzustimmen und ihr Produkt vorzustellen. Seit einem Jahr arbeitet die promovierte Oecotrophologin im internationalen Produktmanagement des Gesundheitskonzerns Fresenius Medical Care. „Meine Aufgabe ist es, die Einführung von Arzneien in mehreren europäischen Ländern zu koordinieren.“ Der Geschäftsbereich ist noch im Aufbau begriffen und stark im Wachsen. Alle Marketingaktivitäten rund um die Produktgruppe Phosphatbinder fließen bei Eva Fries zusammen. „Das reicht von der Frage, welche Arzneien in welchen Ländern eingeführt werden, über die Entwicklung von Labeln bis hin zu Trainings der Kollegen.“ Dabei steht sie in ständigem Austausch mit Agenturen, Marktforschungsinstituten, der Qualitätssicherung und den Kollegen aus der Zulassungsabteilung am Standort Bad Homburg. „Ich muss auf der einen Seite die naturwissenschaftlichen Hintergründe und die Wirkungsweise eines Produkts verstehen und zugleich die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge kennen“, stellt die Ernährungswissenschaftlerin fest. Ihr Studienschwerpunkt Ernährungsökonomie kommt ihr dabei sehr zugute. Nach dem Berufseinstieg als Produktmanagerin bei Milupa wechselte sie in die Pharmabranche. „Die Promotion war die Voraussetzung dafür, dass ich ohne Umweg über den Außendienst einsteigen konnte.“ Im Bewerbungsgespräch war es dennoch erklärungsbedürftig, warum sich ausgerechnet eine Oecotrophologin im Arzneimittelwesen bewirbt. „Mit dem Hinweis auf das interdisziplinäre Überblickswissen lässt sich jedoch gut argumentieren.“ Besonders die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus anderen Ländern macht ihr viel Spaß. Und: „Sich in einen bestimmten Produktbereich so richtig reingearbeitet zu haben und dafür die Spezialistin zu sein“, stellt Eva Fries zufrieden fest. „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, jeder Tag ist anders.“

Bianca Kuhn berät und informiert über tiefgekühlte Lebensmittel.
Was tun, wenn der Gefrierschrank ausfällt oder von aufgetauten Lebensmitteln doch noch ein Rest übrigbleibt? „Unsere Aufgabe ist nicht die Ernährungsberatung, aber wenn es um den Umgang mit Tiefkühlkost geht, bin ich die Ansprechpartnerin“, sagt Bianca Kuhn. Seit einem Jahr arbeitet die Diplom-Oecotrophologin im Ressort Verbraucherservice und Ernährungsinformation des Deutschen Tiefkühlinstitutes (dti) in Köln. „Privatverbraucher wenden sich ebenso an uns wie Großverbraucher aus dem Außer-Haus-Markt.“ Die Branchenorganisation bündelt die Interessen ihrer 162 Mitglieder aus allen Bereichen der Tiefkühlkette, von der Herstellung über die Lagerung und den Vertrieb bis hin zum Verkauf tiefgekühlter Lebensmittel. „Im Netzwerk dieser Organisationen bin ich für Ernährungsfachfragen zuständig“, sagt Bianca Kuhn. „Ich liefere die ernährungsspezifischen Inhalte für den Newsletter bis hin zu den Informationen für die Homepage.“ Dass ihr das Organisieren und Recherchieren liegt, hat die 28-Jährige als studentische Mitarbeiterin beim VDOE, dem Verband der Oecotrophologen, festgestellt. „In den zwei Jahren habe ich dort viel von der Arbeit in Organisationen mitbekommen und mich deshalb schnell in die Strukturen hier eingefunden.“ Was ihr besonders gefällt: Die Themenvielfalt und der Umgang mit Menschen. Zum Beispiel im Arbeitskreis Qualitätsmanagement, bei dem die Qualitätsbeauftragten der Mitgliedsunternehmen zusammentreffen. „Es macht Spaß, zu überlegen, welche Themen die Teilnehmer wohl interessieren könnten, Vorschläge zu erarbeiten und dann darüber zu diskutieren“, stellt die Ernährungswissenschaftlerin fest. Fachlich war sie beim Thema Tiefkühlkost vom Studium her fit, mit der Branche macht sich Bianca Kuhn nun nach und nach vertraut. „Ich besuche deshalb regelmäßig die Unternehmen und deren Fabrikanlagen, einfach um auch mal hinter die Kulissen der Produktion zu schauen.“

Text: Hochschulanzeiger Nr. 100, 2009, Seite 48
Bildmaterial: Klaus Kuhn, privat