14. Mai 2009
Der Weltmarkt für Wasser-, Abwassertechniken und wasserbezogene Dienstleistungen beläuft sich derzeit auf 200 Milliarden Euro und soll sich bis 2020 verdoppeln. Viele deutsche Firmen mischen mit. Sie bieten gute Perspektiven für umweltbewusste Ingenieure.
Über eine Milliarde Menschen leiden unter Wassermangel. In trockenen Regionen wird über 1.000 Meter tief nach fossilen Wässern gebohrt. Doch der Umgang mit dem kostbaren Nass wird seinem Wert nur selten gerecht. Abwässer landen vielerorts ungereinigt in Flüssen, auf Feldern und im Grundwasser.
Dabei steht Technik bereit, um Abwässer zu klären, Meerwasser zu entsalzen und überall dort, wo besonders belastende Verschmutzung droht, geschlossene Wasserkreisläufe zu realisieren. Doch der Wassermarkt geht an weiten Teilen der Menschheit vorbei - trotz 200 Milliarden Euro Volumen. Um den Bedarf zu decken, müssen die Investitionen von 55 Milliarden auf 120 Milliarden Euro pro Jahr steigen, schreibt die Bundesregierung in ihrem Masterplan Umwelttechnologien. Inklusive Planung und Betrieb sei bis 2020 mit einer Verdopplung des Marktes auf 400 Milliarden Euro zu rechnen.
Vereinte Nationen, OECD, Weltbank und viele andere machen inzwischen viel Geld locker, um die Wasserkrise zu mildern. Weil in Regionen mit Wassermangel oft Know-how fehlt, um Abwasseranlagen zu planen, bauen und betreiben, kommen Hersteller und Dienstleister aus Industrieländern zum Zuge. Deutsche Unternehmen haben 15 Prozent Marktanteil, bleiben aber hinter französischen und amerikanischen Konzernen zurück. Die oft mittelständischen Wasserbetriebe, Ingenieurbüros und Zulieferer stehen als Dienstleister in der zweiten Reihe.
Initiativen wie die German Water Partnership oder die Deutsche Meerwasserentsalzung e.V. sollen das ändern. Ihre Mitgliederlisten sind eine Fundgrube für Absolventen, die eine Stelle im Wassermarkt suchen. Einer der Anbieter ist die Frankenthaler KSB. Sie liefert Pumpen, Armaturen und Wassersysteme für Industrie, Kraft- und Bergwerke, Gebäudetechnik und die Wasser- und Abwasserwirtschaft, setzte 2008 fast zwei Milliarden Euro um und beschäftigt über 14.000 Mitarbeiter. KSB wächst und hat zahlreiche offene Stellen, auch für Trainees. Wir stellen fortlaufend circa 15 Trainees pro Jahr ein und entwickeln mit ihnen individuelle Trainingspläne, erklärt Jochen Diehl, der für das zwölfmonatige Vertriebsprogramm zuständig ist.
Daneben bietet KSB ein 18-monatiges internationales Traineeprogramm und ein Programm für Studenten aus Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik und BWL mit sehr gutem Vordiplom. Sie bekommen 665 Euro monatlich, arbeiten dafür in den Semesterferien im Unternehmen mit und schreiben Studien- und Abschlussarbeiten bei KSB. Danach starten sie mit einem sechsmonatigen Aufenthalt in einer Auslandsniederlassung ins Berufsleben. KSB sucht vor allem Teamplayer. Bewerber müssen menschlich zu uns passen. Ellenbogenmentalität ist bei uns fehl am Platz, stellt er klar. Das Klima scheint zu stimmen: Über 90 Prozent der Trainees bleiben im Unternehmen.
Auch Delia Ewert hat nach ihrer Traineezeit vor acht Jahren ihrem Arbeitgeber Hamburg Wasser die Treue gehalten. Sie kam seinerzeit als frischgebackene Bau- und Umweltingenieurin zum größten kommunalen Wasser- und Abwasserunternehmen Deutschlands. Mittlerweile ist sie Referatsleiterin. Ich leite eine Gruppe mit vier Ingenieuren und elf Technikern, berichtet sie. Das Team koordiniert Sanierungs- und Neubaumaßnahmen im Abwassernetz für einen zweistelligen Millionenbetrag jährlich und steuert regelmäßig Know-how in Projekten externer Kunden bei.
Hamburg Wasser vereint die Wasserwerke und Stadtentwässerung von Hamburg, beschäftigt 2.400 Beschäftigte und bietet sein Know-how verstärkt im Ausland an. Regelmäßig stellt der Konzern Absolventen aus Ingenieurfächern als Trainees ein. Ewert durchlief seinerzeit das technische Traineeprogramm. Zwei Jahre lernte sie die Stadtentwässerung von der Pike auf kennen, war in Kanalisation und Klärwerken unterwegs, arbeitete in Personalwesen, Vertrieb und Bauabteilung. Tagesgeschäft und Querschnittsaufgaben hielten sich die Waage. Genauso handhabe ich es heute mit Trainees, die zu mir in die Gruppe kommen, sagt sie.
Ewert beschreibt eine überraschende Vielfalt im Abwasserbereich. Klärschlämme oder Fette aus Fettabscheidern werden ebenso gehandelt wie Abwässer. In kilometerlangen Leitungen fließen sie aus Umlandgemeinden in den Hamburger Großklärwerksverbund. Auch Know-how-Transfer ist fester Bestandteil dieser Vertriebswelt. Ewert selbst entschied sich für die Bauabteilung. Auch das ist ein eigener Kosmos: 5.400 Kilometer Abwasserkanäle, oft über 100 Jahre alt, wollen überwacht und in Schuss gehalten, Neubausiedlungen angeschlossen sein. Die Arbeit wird Ewert und ihrem Team ganz sicher nicht ausgehen.
Hier finden Hochschulabsolventen Arbeitgeber:
German Water Partnership e.V.:
http://www.germanwaterpartnership.de
Deutsche Meerwasser-Entsalzung (DME):
http://www.dme-ev.de
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall:
http://www.dwa.de