14. April 2009
Die Computer- und Videospielbranche wächst seit Jahren rasant. Davon profitieren nicht nur Platzhirsche, sondern auch zahlreiche Start-ups. Wie die Großen suchen auch sie gut ausgebildete Akademiker, ob Programmierer oder Grafiker, Game-Designer oder Projektmanager.
Andy Lürling hat eine Mission: Formel 1 für alle. Der Gründer der I-Opener Media GmbH will echte Autorennen in die virtuelle Welt übertragen. Gamer sollen sich dann live auf animierten Rennstrecken mit Hamilton, Vettel & Co. messen. Wir sind mit vier der fünf großen Rennserien weltweit im Gespräch, berichtet Lürling. Sein Trumpf: Es ist nicht nur für Gamer spannend, echte Rennen zu fahren. Seine Idee eröffnet Rennserien, Rennställen und Sponsoren Zugang zu einer bisher nicht erreichten jungen Zielgruppe - und Werbefläche. Rennstrecken und Autos sollen samt Werbeaufklebern eins zu eins ins Spiel integriert werden.
Zurzeit scannt I-Opener weltweit Rennstrecken. Daneben gilt es, Rennautos so zu präparieren, dass sie während der Rennen ihre Position präzise übermitteln. Noch läuft das per GPS, verrät der Gründer. Künftig soll Galileo bis auf drei Zentimeter genaue Positionsdaten liefern. Um sie zusammen mit Telemetrie-Daten der Autos ins Spiel zu übertragen, hat er ein patentiertes Verfahren entwickelt. Dabei bekam er Unterstützung von der Business-Incubation-Initiative der Raumfahrtagentur ESA. Die ist auf der Suche nach innovativen Geschäftsideen rund um ihr Navigationssystem Galileo - und gewährte Lürling neben einer Anschubfinanzierung viel technologische Hilfestellung.
Mittlerweile hat auch eine Venture-Capital-Gesellschaft 4,1 Millionen Euro investiert. I-Opener arbeitet mit Hochdruck. Teils in Lürlings Heimat nahe der Uni Delft (NL), teils in Aachen. Hier hofft er, Fachkräfte zu finden. Wir suchen Software-Architekten sowie Ingenieure aus Luft- und Raumfahrt-, Fahrzeug-, Fernmelde- und Informationstechnik, sagt er. Tests mit Formel 1-Boliden und bei 24-Stunden-Rennen stehen an, Rennstrecken wollen animiert sein, und natürlich sind viele rechtliche und kaufmännische Fragen zu klären. Zudem plant Andy Lürling weitere Einsätze für seine patentierte Datendrehscheibe zwischen virtueller und echter Welt. Neben Spielen denkt er an Trainingssoftware für Fahrschüler, Piloten oder Rennfahrer.
Unternehmer wie Lürling bereichern die Spielebranche mit ihren Ideen. Und sie schaffen Jobs. Wie das Beispiel der Coburger Brüder Cevat, Avni und Faruk Yerli zeigt, haben sie eine reale Chance, neben den Nintendos, Ataris oder Sonys dieser Welt zu bestehen. Die Yerlis haben 1999 die Crytek GmbH gegründet. Selbst erst Anfang 20, stellten sie ihre Idee ins Netz und bekamen Unterstützung von Programmierern aus aller Welt. Das Spiel Far Cry reifte heran und wurde ein Welterfolg. Rund 2,6 Millionen zahlende Kunden spielen von Zeit zu Zeit den schwer bewaffneten Jack Carver, um die Journalistin Valerie Cortez zu schützen. Ein typischer Ego-Shooter, wie die zwei Nachfolgespiele des Unternehmens auch.
Heute beschäftigt Crytek weltweit über 350 Mitarbeiter. Entwickler aus 33 Ländern feilen in fünf Entwicklungsstudios (Frankfurt, Kiew, Budapest, Sofia und Seoul) an neuen Designs und Animationen. Technologischer Kern ist die CryENGINE, die das Unternehmen selbst entwickelt hat. Wir sind eine Innovationsfirma, sagt HR Director Heiko Fischer, sowohl was den IT-Bereich angeht als auch im kreativen Bereich. Unter anderem pflegt Crytek die 80:20-Regel: Mitarbeiter sollen und können ein Fünftel ihrer Arbeitszeit dafür aufwenden, eigene Projekte zu verfolgen. Teils tun sich dafür Kollegen verschiedener Fachgebiete zusammen, um Ideen aus Projekten weiterzuspinnen, oder sie arbeiten an neuen Levels für die Spiele oder entwickeln Sounds. Crytek schlägt so drei Fliegen mit einer Klappe. Kreatives Potential und der Unternehmergeist der Mitarbeiter bleiben wach, zudem können junge Mitarbeiter unmittelbar ihre fachlichen Neigungen zeigen. Wir unterstützen sie dann durch gezielte Weiterbildung und fördern damit ihre Entwicklung, erklärt Fischer.
Der HR Director berichtet von externer Weiterbildung, Hochschulkooperationen und hohen Qualitätsstandards. Bewirb dich nur, wenn du das Zeug dazu hast, so Crytek. Chancen haben nur Bewerber mit entsprechender Ausbildung oder Autodidakten, die sich intensiv in die Spieleentwicklung eingearbeitet und schon Projekte realisiert haben. Die Yerlis wissen um die DNA ihrer Firma, so Fischer. Sie selbst waren Youngster, als sie sie gründeten. Auch 18-jährige Bewerber können es ins Unternehmen schaffen, sofern ihr Potential stimmt. Die Konkurrenz ist allerdings enorm. Im Studio Frankfurt gingen 2008 über 3.000 Bewerbungen ein; 83 Stellen haben Fischer und sein Team am Ende besetzt.