12. Mai 2008
Ein Universitätsabschluss spielt bei einer Bewerbung als Controller nicht mehr die Hauptrolle. Unternehmen wollen Praktiker. Und die kommen sogar eher von der FH.
Früher hieß es: Ohne Uni-Abschluss kein Einstieg ins Controlling. Jobbewerber mit Universitätsstudium punkteten mit ihren Theoriekenntnissen, vor allem wenn sie das Zeugnis einer möglichst renommierten Alma Mater vorweisen konnten. Im Vergleich dazu sahen Absolventen von Fachhochschulen alt aus.
Doch die Einstellungskriterien der Unternehmen haben sich geändert. Früher war ein Hochschulabschluss sehr wichtig, inzwischen haben wir aber die Vorteile anderer Einrichtungen erkannt, bestätigt Bernd Schwarze, Abteilungsdirektor für Vertrieb, Controlling und Beratung bei der R+V Versicherung. Was die theoretischen Kenntnisse angehe, hätten die Absolventen von Universitäten zwar nach wie vor die Nase vorn. Mit neuen Problemen und unbekannten Sachverhalten, so Bernd Schwarze, kommen Uni-Absolventen oft besser klar. Mit der praktischen Anwendung aber hapere es bei ihnen häufiger.
Gerne gesehen sind daher inzwischen die Absolventen der Fachhochschulen. Laut einer Studie von Robert Half Finance & Accounting haben schon 36 Prozent der Controller einen entsprechenden Abschluss. Die FHs bieten zwar - genau wie Universitäten - ein grundlegendes Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) an. Und auch einen eigenen Studiengang Controlling gibt es bislang auch hier nicht, sondern nur entsprechende Vertiefungsmöglichkeiten innerhalb des BWL-Studiums. Aber an den meisten Fachhochschulen gehört ein Pflichtpraktikum von mindestens einem Semester zum Studieninhalt. So gewinnen die Studenten Einblicke in den Berufsalltag und lernen, das erworbene Wissen einzusetzen. Das sieht auch Ralph Gutzmer, Leiter Controlling, Finanzen und Verwaltung beim Deutschen Kinderhilfswerk, als Vorteil der FH-Ausbildung an. Er selbst hat an einer Universität studiert und empfand Controlling ehrlich gesagt immer als trocken und wenig praxisbezogen.
Als besonders praxisnah gelten die Berufsakademien (BA). Sie bieten ein duales Studium: Drei Monaten an der Akademie folgen jeweils drei Monate in einem Betrieb. Im Zuge der Ausbildung durchlaufen Studenten der BWL oder der Internationalen BWL auch die Controllingabteilung ihres Ausbildungsunternehmens und können sich in ihrer Diplomarbeit thematisch darauf spezialisieren. Ich habe wirklich sehr gute Erfahrungen mit BA-Studenten gemacht, sagt Bernd Schwarze von R+V. Berufsakademien seien vor allem den Universitäten, aber auch den Fachhochschulen in puncto Praxis um Längen voraus. Die BA-Ausbildung dauert drei Jahre und schließt sowohl mit dem Bachelor als auch mit einem Diplom (BA) ab. Das ist ganz nach dem Geschmack von Peter Missler, dem Leiter der Controllingabteilung der Deutschen Post. Er findet: Die Hochschule ist nicht so ausschlaggebend wie der Werdegang und empfiehlt Studenten, möglichst zügig zu studieren und nebenher Praktika zu machen.
Mit der Einführung von Bachelor und Master tauchen Studiengänge auf, die sich verstärkt auf Controlling konzentrieren, wie der Master in Controlling und Finanzen an der Fachhochschule Osnabrück (siehe Tabelle). Annette Günther, Recruitment Manager beim Konsumgüterhersteller Henkel, steht den neuen Abschlüssen sehr positiv gegenüber.
Uni und Fachhochschulen gleichen sich an, eine so starke Segmentierung wie früher wird es in Zukunft nicht mehr geben, so die Personalmanagerin. Bei Henkel hofft man darauf, dass mit dem Bachelor auch mehr Praxisbezug in die Universitäten kommt.
Welche komplexen Voraussetzungen ein Controller unabhängig vom Werdegang erfüllen muss, fasst Annette Günther so zusammen: Er muss hohe analytische Fähigkeiten mitbringen, sehr gut mit Zahlen umgehen sowie den Fachbereichen diese Zahlen verständlich machen und erklären können. Controller also, die zwar mit Zahlen, nicht aber mit Menschen umgehen können, werden sich im Berufsalltag schwertun. Bernd Schwarze von R+V: Als Controller muss man kontaktfreudig sein und imstande, anderen komplizierte Sachverhalte einfach zu präsentieren. Das wissen viele nicht. Er schickt neue Kollegen immer erst für einen mehrwöchigen Lehrgang auf die Controller-Akademie, ein privates Institut, aus dem auch der Internationale Controller Verein (ICV) hervorgegangen ist, damit sie dort den letzten Schliff bekommen. Hier lernen sie neben fachlichen Details auch Präsentationstechniken oder bekommen ein Moderationstraining. Auch Peter Missler von der Deutschen Post unterstreicht die Vielfalt der Anforderungen: Soft Skills sind ebenso wichtig wie das fachliche Wissen.